China bewegt die Rohstoffmärkte. Das ist nicht neu, doch bisher war es vor allem der enorme Rohstoffhunger und damit das starke Wirtschaftswachstum des Landes, der die Preise nach oben getrieben hat. Seit Jahresbeginn scheint jedoch eine differenziertere Betrachtungsweise angesagt.
LONDON. Peking senkte die Abgaben auf die Importe von Kupfer, Aluminium und Nickel und erhöhte eine bereits bestehende Exportabgabe auf Zink von zehn auf 15 Prozent. Damit werden die Käufer und Verkäufer von Industriemetallen künftig zunehmend die Auswirkungen der Zollpolitik des Riesenreichs auf dessen Status als Nettoimporteur oder – exporteur am Weltmarkt in Rechnung stellen müssen.
Eine zehnprozentige Abgabe auf die Ausfuhren von Blei ließ das Finanzministerium in Peking noch unverändert. Doch dies wahrscheinlich nur deshalb, so vermutet John Lennon von Macquarie Research in London, weil die Exporte seit Einführung der Abgabe bereits deutlich gefallen sind.
Mit Spannung warten jetzt die Spekulanten an den Metallmärkten auf eine erneute Belebung der Kupfereinfuhren des Riesenreichs. „Der Abbau der Kupferbestände des Landes ist wahrscheinlich abgeschlossen“, meint Lennon. Eine Steigerung der Einfuhren könnte damit unmittelbar bevorstehen.
In dem fulminanten Start der Industriemetalle zum Jahresauftakt sehen Analysten ein Anzeichen dafür, dass die Abschwächung der US-Konjunktur bereits voll in den Preisen des Sektors enthalten ist. Im vierten Quartal schwächte sich der LMEX-Preisindex der Londoner Metallbörse, LME, um immerhin 20 Prozent ab. Auch der globale Wirtschaftsausblick der Weltbank beflügelte die Anleger. Danach soll das stürmische Wirtschaftswachstum Chinas, Indiens und Rest-Asiens von einer Rezession in den USA kaum beeinträchtigt werden.
Doch der Blick der Analysten geht nicht nur nach Asien. Der fast zehnprozentige Anstieg der Metallpreise liege auch in steigender Gewichtung der Industriemetalle in zahlreichen Indexfonds begründet, meinen die Experten. So soll etwa ihr Anteil im Dow Jones-AIG Commodity Index 2008 um 1,5 Prozentpunkte auf 20 Prozent zunehmen. Zink, Nickel und Aluminium werden davon stärker profitieren als Kupfer, glaubt Robin Bhar von UBS in London.
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Über die nächsten Wochen könnten Schätzungen zufolge neue Anlagemittel in Höhe von 3,5 Mrd. Dollar in die Rohstoffmärkte fließen. Auch die LME vermerkt ein wachsendes Anlegerinteresse an ihren Produkten. Dies zeige sich in dem siebenprozentigen Anstieg des Volumens der an ihr gehandelten Termin- und Optionskontrakte 2007. Die Umsätze stiegen damit bereits für das dritte Jahr in Folge; bei Aluminium war das spekulative Interesse am größten.
Eugen Weinberg von der Commerzbank fürchtet indes, dass es sich bei den Gewichtungsgewinnen des Sektors nur „um ein eher kurzfristiges Phänomen handeln könnte“. „Wenn der Januareffekt erst einmal abgeklungen ist, könnten die Preise wieder sinken“, meint auch UBS-Experte Bhar. Einhellig warnen die Experten, dass die Stabilisierung der Aufschläge für physische Ware (physical premiums) auf niedrigem Niveau eine neue Preisschwäche andeuten könnte. Zink und Nickel schienen, gemessen an ihren Aufschlägen, „fairer“ bewertet als die übrigen Metalle.
Kevin Norrish von Barclays Capital hält dagegen: Die Zahl der „cancelled warrants“ für Kupfer, das sind Benachrichtigungen über einen baldigen Abzug von Beständen, sei in den letzten Tagen in den LME-Lagerhäusern deutlich auf 7,8 Prozent der gehaltenen Bestände gestiegen. Dies sei der höchste Stand seit September 2006 und lasse auf eine baldige Verringerungen dieser Vorräte schließen. An der Metallbörse in Schanghai fallen die Bestände schon seit Monaten.
Die Analysten von Goldman Sachs rechnen für den Jahresverlauf 2008 sogar mit einem Anstieg des Kupferpreises auf über 9 000 Dollar je Tonne. Das würde einem Anstieg von über 25 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau entsprechen. Den höchsten Stand hatte das Industriemetall 2007 mit rund 8 300 Dollar erreicht.
