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04.05.2008 
Rohstoffmärkte

Chinas Bedarf heizt Öl- und Gaspreise an

von Regine Palm

Es sind nicht mehr nur die prominenten Rohstoffe wie Öl und Gold, die im Mittelpunkt des Interesses stehen. Inzwischen ist es vor allem die Preisexplosion an den Agrarmärkten, die die Blicke auf sich zieht. Und ein Ende des Rohstoff-Booms ist nicht in Sicht.

Gaspipeline in Weißrussland: In den kommenden fünf bis zehn Jahren dürften die Preise für Energie weiter steigen. Foto: apLupe

Gaspipeline in Weißrussland: In den kommenden fünf bis zehn Jahren dürften die Preise für Energie weiter steigen. Foto: ap

DÜSSELDORF. „Wir sind erst in der Mitte des Zyklus. Die Rohstoffpreise werden in den kommenden fünf bis zehn Jahren noch weiter ansteigen“, sagte Dirk Heß, Rohstoffexperte der US-Investmentbank Goldman Sachs, auf der Anlegermesse Invest in Stuttgart. Bei vielen wichtigen Rohstoffen decke die Förderung kaum die Nachfrage, wodurch eine Knappheit entstehe. Erforderliche Investitionen seien zu lange ausgeblieben. Verstärkt wurde die Knappheit durch den immensen Bedarf der Schwellenländer.

Eingesetzt hat der Rohstoff-Boom bereits im Jahr 2002. Seither steigen die Notierungen – gemessen am S&P GSCI Commodity-Index – nahezu kontinuierlich an. Einen Rückschlag gab es 2006/07, doch die Preisdelle wurde schnell wieder ausgeglichen. Seit Mitte vergangenen Jahres hat das Tempo des Preisanstiegs noch einmal zugelegt.

Einer der Gründe für den Aufschwung an den Rohstoffmärkten ist die Krise an den Finanzmärkten. „Viele Investoren flüchten in Rohstoffe, weil sie angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten und der Abwertung des US-Dollars eine Absicherung suchen“, beobachten die Analysten der Société Générale. In der Regel entwickeln sich die Preise von Rohstoffen nicht gleichläufig mit den Aktien- oder Anleihekursen. Die Nachfrage von Finanzinvestoren sei heute meist der entscheidende Faktor, schätzen die SG-Experten. Sie rechnen damit, dass dieser Trend anhält. Die Folge: Die Rohstoffpreise dürften weiter steigen.


Tabelle  Infografik: Preisentwicklung von Rohstoffen seit 2002


„Neben den fundamentalen Einflussfaktoren sind der schwache US-Dollar, die erhöhte Inflation sowie der Einfluss von Hedge-Fonds für die Rohstoff-Hausse verantwortlich“, unterstreicht auch Stefan Freytag, Vorstandssprecher der Vermögensberatungsgesellschaft Wilhelm von Finck.

Er warnt davor, dass „Investoren dem Herdentrieb verfallen und einzelnen Rohstoffpreisen hinterherlaufen“. Die Anlageklasse Rohstoffe sollte „nicht als kurzfristiges Investment, sondern als langfristige Vermögensanlage gesehen werden“.

Ein Beispiel dafür, dass die wachsende Nachfrage der Investoren die Verteuerung der Rohstoffe verstärkt, ist der Rohölmarkt. Ein Barrel (159 Liter) des US-Leichtöls WTI kostete zuletzt mehr als 118 Dollar. So viel wie nie zuvor. Auch das europäische Brentöl notiert mit über 110 Dollar je Barrel auf Rekordniveau. „Neben der Dollarschwäche sorgen insbesondere die zunehmende Investmentnachfrage und starke Fundamentaldaten für neue Rekorde“, kommentiert Frank Schallenberger, Ölexperte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die Entwicklung. Nach seiner Beobachtung ist das Open Interest, die Summe aller zu einem bestimmten Zeitpunkt offenen Kontrakt-Positionen, an der New Yorker Nymex seit Anfang April um vier Prozent auf 1,4 Mill. Kontrakte gestiegen – das bedeutet, dass viel Geld in den Markt fließt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Auch für die Agrarmärkte spielt China eine zentrale Rolle

Zu den grundlegenden Daten, die die Ölpreise nach oben treiben, zählt der unerwartete Abbau der US-Lagerbestände. Hier wie bei anderen Rohstoffen fällt zudem vor allem die unverändert starke Nachfrage der Schwellenländer (Emerging Markets) ins Gewicht. Laut LBBW haben Chinas Ölimporte im März ungeachtet hoher Preise mit 4,07 Mill. Barrel am Tag einen Rekordwert erreicht. „Auf China entfällt ein weitaus größerer Anteil der globalen Nachfrage als auf die USA“, stellt Patrick den Besten, Manager des ING-Rohstofffonds Invest Materials, mit Blick auf die gesamten Rohstoffmärkte fest. Schwellenländer wie China hätten sich seit Anfang 2000 zu wichtigen Nachfragetreibern entwickelt.

Der Preiserhöhung des Rohöls, der Metalle und Edelmetalle sind die Agrarmärkte mit einiger Verzögerung gefolgt. Auch hier spielt – neben der steigenden Weltbevölkerung – China eine wesentliche Rolle. Denn mit zunehmendem Wohlstand wachsen die Ansprüche der Verbraucher, ändern sich ihre Ernährungsgewohnheiten. Der Trend geht weg von vegetarischen Produkten hin zu Fleisch. Laut Goldman Sachs hat sich dies bereits in einem Anstieg der jährlichen Futtermittelnachfrage um etwa 1,7 Prozent niedergeschlagen. Die geänderten Ernährungsgewohnheiten führen somit zum Wettbewerb um die begrenzt vorhandenen landwirtschaftlichen Flächen.

Dieser Konkurrenzkampf wird durch den drastisch gestiegenen Ölpreis verstärkt. Zum einen sind die Kosten für die Lebensmittelproduktion kräftig gestiegen, zum anderen lockt der lukrative Anbau etwa von Mais oder Raps für die Biospritproduktion. „Während sich manche Sorgen machen, wie sie ihren Tank füllen, kämpfen viele andere darum, wie sie ihren Magen voll bekommen“, bringt Weltbank-Präsident Robert Zoellick die Entwicklung auf den Punkt.

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