Hinzu kommt das Problem, dass der allergrößte Teil der globalen Öl- und Gasreserven in staatlichen Händen liegen. Die Ölmultis müssen Abermilliarden in immer schwerer zugängliche Quellen stecken, weil sie keinen Zugang zu relativ leicht zu fördernden Reserven zum Beispiel am Persischen Golf kriegen. Ist das nicht frustrierend?
Wie definieren Sie denn schwer zugänglich? Shell steckt im Moment vier oder fünf Prozent der Investitionen in schwer zugängliche, unkonventionelle Reserven, 95 Prozent sind konventionelles Öl und Gas. 2015 werden unkonventionelle Energieformen etwa 15 Prozent ausmachen.
Na ja, Tiefsee-Ölvorkommen oder arktisches Öl und Gas sind doch schwer zugänglich und teuer zu bergen, oder?
Gehen Sie mal 30 Jahre zurück, in die Zeit nach dem ersten Ölpreisschock. Damals haben wir angefangen, Öl und Gas in der Nordsee zu fördern. Ich kann ihnen die Artikel noch zeigen, die beschrieben, wie teuer und schwierig das sei. Heute ist das das Normalste. Die Technologie entwickelt sich halt fort. Man muss den richtigen Ausblick haben und bereit sein, zu investieren. Ich kann nicht erkennen, dass wir nun nicht mehr den Zugriff auf Reserven haben. Shell hat mehr als genug Projekte, und die höchsten Investitionen in der Industrie.
Ein großer Teil davon geht allerdings für die galoppierende Kosteninflation drauf.
Höhere Öl- und Gaspreise treiben die Kosten hoch, das ist klar. Das trifft auch für andere Rohstoffe zu. So sind wir beispielsweise von den hohen Stahlpreisen betroffen. Die Kosteninflation wird dazu führen, dass sich die Renditen in der Industrie wieder der durchschnittlichen historischen Bandbreite annähern werden.
Ein Kostentreiber sind ja die mangelnden Kapazitäten in der Zulieferindustrie. Hat sie sich allmählich der steigenden Nachfrage angepasst?
Das ist unterschiedlich. Wir sehen in gewissen Bereichen, dass die Preise für Bohrausrüstungen abflachen oder wieder leicht zurückgehen, zum Beispiel in Teilen der USA. Tiefsee-Bohrplattformen steigen aber – nicht zuletzt wegen der Funde vor der Küste Brasiliens und anderswo – noch immer stark im Preis. Wir nutzen unsere globale Einkaufsmacht, um die Inflation zu mildern. 2005 haben wir für vier Jahre Bohrkapazitäten gekauft, was uns nun Jahr für Jahr mehrere hundert Millionen Dollar spart. Die Kosteninflation auf dem Markt beträgt im Moment rund 20 Prozent, wir schaffen es dank unserer Größe, sie zu halbieren.
Das ist ein Beleg für die Vorteile, die eine weitere Konsolidierung der Branche bringen könnte. Plant Shell große Übernahmen?
Wir haben ganz klar eine organische Wachstumsstrategie, das zeigen unsere Investitionen von brutto rund 30 Milliarden Dollar im Jahr. Wir haben immer gesagt, dass wir uns auch Akquisitionen anschauen, wenn sie langfristig sinnvoll sind. Zum Beispiel haben wir die anderen Aktionäre bei Shell Canada herausgekauft. Aber jeder Zukauf muss konkurrenzfähig sein gegenüber unseren vielen organischen Wachstumsprojekten. Eine kurzfristige Optimierung durch Übernahmen ist nicht Bestandteil unserer Strategie.
Sehen Sie denn generell eine neue Fusionswelle auf die Branche zurollen?
Die Öl- und Gasindustrie hat immer von Zeit zu Zeit konsolidiert, zuletzt in den Neunzigerjahren. Das wird auch weiterhin der Fall sein.
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