Welche Rolle werden Öl und Gas in Jahrzehnten noch spielen? Wie wird der Energie-Mix der Zukunft aussehen?
Wir schätzen, dass 2025 die weltweite Nachfrage rund 50 Prozent höher sein wird als jetzt. Rund 80 Prozent der Energie werden weiterhin aus fossilen Quellen kommen. Bis 2050 wird sich die Nachfrage sogar verdoppeln, und auch dann werden noch zwei Drittel der Energie aus fossilen Brennstoffen stammen, der Rest aus erneuerbaren Energien.
Im Geschäft mit erneuerbaren Energien fuhr Shell zuletzt Zickzack. Der Ausstieg aus dem weltgrößten Offshore-Windpark "London Array" in der Themsemündung hat Ihnen harsche Kritik eingetragen. Warum gefährden sie dieses Projekt?
Fakt ist: Wir bauen unser Windkraft-Geschäft weiter aus. Wir sind gegenwärtig in elf Projekte involviert. Das sind rund 1 100 Megawatt Leistung und wir haben 50 Prozent Anteil an den Kapazitäten. Neun der Windparks sind in den USA; das ist unser Hauptmarkt. Aber genauso wie in unserem Kerngeschäft mit Öl und Gas schauen wir auch in der Windkraft auf effizienten Kapitaleinsatz und auf die Rentabilität. Das bedeutet, dass wir auch schon mal Projekte fallen lassen. Immerhin ist „London Array“ zweieinhalb Mal teurer als ein entsprechender Onshore-Windpark in den USA.
Was sind denn ihre Renditeanforderungen für Windkraft, die gleichen wie für Öl- und Gasprojekte?
Auch im Öl- und Gasgeschäft bringen nicht alle Geschäfte gleich hohe Renditen. Wenn sie ein Offshore-Projekt im Golf von Mexiko nehmen und ein Projekt an Land in Nigeria, dann sind das zwei vollkommen verschiedene paar Schuhe. Ersteres bringt uns mehr als 20 Dollar Nettomarge, das andere nur zwei bis vier. Wir investieren in langfristiges Wachstum bei erneuerbaren Energien. Wir wollen ein Geschäft aufbauen, das groß genug ist, um kommerziell zu bestehen. Dafür sind viele Faktoren wichtig, nicht nur Rentabilität. Auch politische und geografische Aspekte spielen eine Rolle.
Hat die britische Regierung bei Ihnen protestiert, als Sie aus dem „London Array“ ausgestiegen sind?
Wir haben das offen mit allen Interessenten besprochen, also auch mit der Politik. Es ist ganz normal, dass wir informieren, wenn wir bestimmte Projekte nicht weiter führen.
Und wie war die Reaktion?
Ich gehe da nicht in die Details, aber wir gehen mal davon aus, dass das für uns keine Auswirkungen hat. Ich bin im Übrigen optimistisch, dass andere Investoren unseren Platz in dem Offshore-Projekt einnehmen werden und London Array somit fortgeführt wird.
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