14 Bewertungen ****
26.08.2008 
Superzyklus

Die Rohstoffhausse geht weiter

von Udo Rettberg

Das 20-prozentige Minus der großen Rohstoffindizes in den vergangenen Wochen signalisiert nicht das Ende des seit der Jahrtausendwende bestehenden Rohstoffbooms. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter Experten aus der Rohstoffszene und dem Bereich Asset-Management. Öl, Metalle und Getreide werden wieder teurer.

Ölproduktion im Samotlor-Feld in Westsibirien: Die Preisprognose von Goldman Sachs für das "Schwarze Gold" liegt auf Sicht von zwölf Monaten bei 147 Dollar je Barrel. Foto: PRLupe

Ölproduktion im Samotlor-Feld in Westsibirien: Die Preisprognose von Goldman Sachs für das "Schwarze Gold" liegt auf Sicht von zwölf Monaten bei 147 Dollar je Barrel. Foto: PR

FRANKFURT. Diese Einschätzung teilen auch Chartanalysten, die Prognosen aus den Kursgrafiken ableiten. Die Experten sprechen von einem Superzyklus. Allerdings könnten die Rohstoffpreise kurzfristig weiter nachgeben, bevor sie dann wieder zulegen.

So erwartet zum Beispiel der in Singapur lebende amerikanische Investment-Profi Jim Rogers weiterhin, dass die Rohstoffhausse noch zumindest für eine Dekade Bestand haben wird. Optimistisch ist auch Allison Nathan von Goldman Sachs in New York. "Das ist nicht das Ende des Bullenmarktes", sagt sie mit Hinweis auf die nachhaltigen strukturellen Veränderungen auf diesem Markt.

Experten aus der Asset-Management-Branche begründen die jüngste Talfahrt der Preise unter anderem damit, dass sich die zuvor sehr aktiven Finanzinvestoren von den Rohstoffmärkten abgewandt haben, um in anderen Anlageklassen liegende eigene Probleme zu lösen und hier aufgetretene Finanzlöcher zu stopfen.

Diese Abkehr von der Anlageklasse Rohstoffe sei allerdings nur vorübergehend. "Wir erleben derzeit lediglich eine nicht unerwartete Pause im Aufwärtstrend", sagt Omar Kodmani von der auf Alternativ-Investments spezialisierten Permal Group. In dieser Einschätzung erfährt er Unterstützung durch Hans-Jürgen Klisch von der US-Investmentbank Raymond James & Associates, der einen Grund für die überraschende Dynamik des aktuellen Preisrückgangs nicht zuletzt darin sieht, dass China während der Olympischen Spiele einen Teil der industriellen Kapazitäten zurückgefahren hat.

"Wesentliche Ursache für die jüngste Korrektur ist aber auch die massive Verschlechterung der weltweiten Konjunktur", sagt Jochen Hitzfeld von Unicredit in München. "Wir werden nur dann das Ende des Rohstoffbooms sehen, wenn die Weltwirtschaft in eine ernste Rezession abgleiten wird", sagt Mark Mobius, geschäftsführender Chairman von Templeton Asset-Management.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Rohstoffe + Devisen Rubriken

Anzeige

Handelsblatt Experten + Meinungen

Markt-Monitor

Erholung ohne Aussagekraft  Artikel in Merkliste

05.01.2009 von Ralf Drescher

Fast zehn Prozent hat der Dax in den vergangenen Tagen gewonnen. Und die hoffnungsfrohen Kommentare zur Börse mehren sich. Doch Vorsicht ist angesagt: Noch steht die Erholung auf wackeligen Füßen. Schon nächste Woche, wenn die US-Unternehmen in die Berichtssaison starten, könnte die Stimmung wieder kippen. Kommentar

Breakingviews

Gasstreit: Fest auf dem Spielplan  Artikel in Merkliste

04.01.2009 von Pierre Briançon, breakingviews.com

Wie jedes Jahr haben Russland und die Ukraine wieder einmal die Bühne erklommen, um ihr fest im Spielplan verankertes Drama „Der Große Gasstreit“ aufzuführen. In dem Streit um die Erdgaslieferungen zwischen der Ukraine und der russischen Gazprom prallen zwei Monopole aufeinander – russisches Gas und ukrainische Pipelines. Kommentar