Dennoch halten erste Regulierungsschritte und immer neue Forderungen in den USA Einzug. Ein Entwurf des Senators Joe Lieberman sieht vor, Investoren mit einem Anlagekapital von über 500 Mill. Dollar vom Kauf von Rohstoffen auszuschließen. In der Finanzwirtschaft stoßen derlei Pläne auf Kopfschütteln und Kritik: Rohstoffe gehörten zwingend in ein "umsichtiges, gut diversifiziertes Portfolio, um sich gegen Inflation abzusichern und Schwankungsbreiten zu reduzieren", sagte William Quinn vom Branchenverband CIEBA, der mehr als 115 der größten US-Pensionsfonds vertritt.
In London haben die ersten Regulierungsschritte bereits einen Proteststurm ausgelöst. So wurde die US-Terminbörse Intercontinental Exchange
(ICE) angewiesen, Obergrenzen für den Handel mit Öl-Futures einzuführen, die an der Londoner Tochter ICE Futures notiert werden. Die US-Politik sieht den Londoner ICE-Ableger als Hochburg der Ölspekulation, weil dort rund 15 Prozent des Umsatzes mit Terminkontrakten auf die Leichtölsorte West Texas Intermediate (WTI) gemacht werden. WTI-Futures sind neben der Nordseeölsorte Brent der wichtigste Preismaßstab am Ölmarkt. Mit Einführung der Limits müssen Londons Händler die selben Einschränkungen beachten wie ihre Kollegen an der New Yorker Terminbörse Nymex, dem Marktführer für WTI-Terminkontrakte.
Die Verwaltung der City of London spricht bereits von "einer Art amerikanischem Imperialismus". Banker befürchten, dass durch die ICE ein Präzedenzfall geschaffen wird und die deutlich strengeren US-Börsenregeln durch die Hintertür Einzug auch am Finanzplatz London halten. "Die britische Finanzaufsischt FSA kann es sich nicht leisten, dass US-Behörden in ihren Einflussbereich hineinregieren", warnt ein Investmentbanker.
Die Briten sehen dabei ihre jüngsten Errungenschaften auf dem Spiel: London hat New York in den vergangenen Jahren als internationales Finanzzentrum überholt. Ein Grund dafür war die liberalere Regulierung auf der Insel.
