Immer mehr Experten warnen vor einem deutlichen Rückgang der Rohstoffproduktion in Australien aufgrund von Energieengpässen. Ursache für die Stromengpässe ist eine Explosion in einer Naturgasverarbeitungsstation Anfang Juni.
PERTH. Die Bewohner der westaustralischen Stadt Perth müssen sich auf einen heißen Sommer gefasst machen. Klimaanlagen dürften in den kommenden Wochen und Monaten wohl nur sporadisch mit Elektrizität versorgt werden. Doch die Probleme sind nicht allein auf die Privathaushalte beschränkt. Immer mehr Experten warnen vor einem deutlichen Rückgang der Rohstoffproduktion des Landes.
Ursache für die Stromengpässe ist eine Explosion in einer Naturgasverarbeitungsstation Anfang Juni. Naturgas wird in Westaustralien auch zur Stromerzeugung genutzt. Die Anlage auf der Insel Varanus vor der westaustralischen Küste gehört Apache Energy, der australischen Tochter der texanischen Apache Corporation. Apache Energy hatte vor dem Unfall 30 Prozent des in Westaustralien verbrauchten Gases gefördert.
Beobachter hatten zunächst von relativ leichten Schäden gesprochen, doch entwickelt sich die Verzögerung bei den Reparaturen der Anlagen in rasanter Geschwindigkeit zu einer Bedrohung für die gesamte westaustralische Wirtschaft. Apache Energy zufolge sollen nun bis Mitte August 57 Prozent der Kapazität wiederhergestellt sein. In der Zwischenzeit sucht die Regierung des Bundesstaates verzweifelt nach Möglichkeiten, das massive Loch im Energieangebot zu stopfen.
Denn der Ausfall von 30 Prozent des Gasangebotes hat immer weiter reichende Konsequenzen für die Wirtschaft. In verschiedenen Unternehmen kam es in den vergangenen Tagen bereits zu Massenentlassungen. Westpine Industries, zu 50 Prozent kontrolliert vom diversifizierten Industrieunternehmen Wesfarmers, stellte laut Medienberichten einen Drittel der Beschäftigten auf die Straße. Die Produktion bei Midland Brick, der größten Backsteinfabrik der Welt, und bei Prime Laundry, einer kommerziellen Wäscherei, die 85 Prozent der Hotels in der westaustralischen Hauptstadt Perth bedient, wurde drastisch reduziert.
Fast noch schwerer wiegt die Gasknappheit für den Rest des Landes. Immer mehr Experten warnen bereits vor einem deutlichen Rückgang der Rohstoffproduktion – und das während der größten Rohstoffhausse der jüngeren Geschichte. Seit 2002 ziehen die Rohstoffpreise weltweit kontinuierlich an. Das an Grundstoffen aller Art besonders reiche Westaustralien ist für ein Drittel aller Exporte des Landes verantwortlich. Australien verfügt über bedeutende Vorkommen an Industriemetallen wie Aluminium, Kupfer, Blei und Zink. Doch die Palette geht weit darüber hinaus und umfasst unter anderem Erdöl, Erdgas, Zirkon, Eisenerz, Bauxit, Diamanten, Uran und Kohle.
Fast alle Minen im westaustralischen Inland, wo die Nachfrage aus China das Angebot an Eisenerz und anderen Basisrohstoffen schon lange deutlich übersteigt, sind in ihrer Produktion von dem günstigen und leicht transportierbaren Brennstoff Gas abhängig. Sogar der globale Rohstoffgigant BHP Billiton, der im Pilbara-Gebiet in Nachbarschaft mit Rio Tinto einige der größten Eisenerzkörper der Welt abbaut, musste Anpassungen vornehmen. Iluka Resources, einer der weltweit größten Förderer von Titan-Mineralien, konnte erst in den letzten Tagen den Betrieb wieder aufnehmen, nachdem es dem Unternehmen gelungen war, eine alternative Quelle für Gas zu finden. Auch Aditya Birla Minerals, der australische Kupferarm der indischen Hindalco Industries, schöpft Hoffnung; das Unternehmen unterzeichnete soeben einen neuen Gasliefervertrag für die Nifty-Mine in Westaustralien.
