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26.05.2008 
Ölpreis-Hausse

„Es steckt viel dummes Geld im Öl“

Rohstoffhändler werten die jüngste Ölpreisentwicklung zunehmend als Signal zum Ausstieg. Der Ölpreis durchlaufe momentan die letzte Phase einer spekulativen Blase. Seit dem Überwinden der Marke von 100 US-Dollar seien viele unerfahrene Teilnehmer auf den Ölmarkt gedrängt, die meinten, der Markt kenne nur eine Richtung. Momentan fehle nur noch der Auslöser für eine Verkaufspanik.

Rohöl-Händler an der New Yorker Börse. Foto: dpa.Lupe

Rohöl-Händler an der New Yorker Börse. Foto: dpa.

HB LONDON. „Wir befinden uns in der letzten Phase einer spekulativen Blase“, sagte ein Energiehändler bei einem Finanzinstitut in London. Deutliches Anzeichen dafür sei die hohe Volatilität der vergangenen Tage. Am Donnerstag hatte US-Rohöl die Marke von 135 US-Dollar/Barrel überschritten und war noch am selben Tag um fast 5 US-Dollar zurückgefallen.

„Es steckt viel dummes Geld im Öl“, meinte der Trader. Infolge des steilen Anstiegs, spätestens seit dem nachhaltigen Überwinden der Marke von 100 US-Dollar seien viele neue spekulative Teilnehmer auf den Ölmarkt gedrängt, die meinten, der Markt kenne nur eine Richtung.


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„Einigen Spekulanten fehlt die Erfahrung“, pflichtete ihm ein deutscher Ölhändler bei. Große Bewegungen nach unten könnten sich dadurch verschärfen, dass Spekulanten schnell in die Nachschusspflicht gelangten und dann womöglich lieber ihre Longpositionen verkauften.

Allerdings fehle noch der Auslöser für eine derartige Panik, sagte der Trader, der für einen Energiekonzern tätig ist. Daher scheine aus seiner Sicht durchaus die von Goldman Sachs gesetzte Marke von 150 US-Dollar kurzfristig noch erreichbar. „Anschließend kann es aber ebenso rasch wieder unter 100 US-Dollar gehen, wie es zuvor hochgegangen ist“, prognostizierte der Händler. Daher sei es nicht ratsam, jetzt noch Longpositionen einzugehen.

Der rasante Anstieg des Ölpreises ist auch nach Ansicht des amerikanischen Börsengurus George Soros immer stärker auf Spekulanten zurückzuführen. Das Geld, das Investoren derzeit in Anlagen mit Öl pumpten, nehme die Form einer Spekulationsblase an, sagte Soros in einem am Montag veröffentlichten Interview der britischen Zeitung „The Daily Telegraph“.


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Neben der zunehmenden Volatilität sehen Händler auch die jüngsten Äußerungen von Analysten als Beleg für die spekulative Blase. Es gebe kaum noch Stimmen, die dem Ölpreisniveau die Berechtigung absprächen, sagte der Londoner Händler. „Die Preise verändern die Wahrnehmung und es werden fundamentale Erklärungen für das Preisniveau nachgereicht“.

Angebot und Nachfrage befänden sich allerdings offenkundig im Gleichgewicht, was sich am hohen Niveau der weltweiten Lagerbestände ablesen lasse. Langfristige Prognosen, die eine Ölknappheit avisierten, ließen vielfach neue Förderstätten außer Acht und schrieben teilweise zudem aktuell hohe Wirtschaftswachstumsraten fälschlicherweise dauerhaft fort.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wer die Blase zum Platzen bringen könnte

Auch in den Medien werde das Preisniveau fast auschließlich als dauerhaft charakterisiert, wobei sich die Journalisten auf Analysten verließen, die noch vor wenigen Wochen komplett andere Markteinschätzungen von sich gegeben hätten.


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„Lange kann sich der Markt nicht von den Fundamentaldaten abkoppeln“, sagte auch der deutsche Händler. Auch seiner Einschätzung nach gibt es aktuell keine Ölknappheit, vielmehr sei zusätzliches Angebot zum aktuellen Preis gar nicht abzusetzen. „Einige OPEC-Länder würden bei diesen Preisen gerne mehr absetzen und ihre vereinbarte Förderung überreizen, aber die finden tatsächlich keine Käufer“, sagte er.

Trotzdem könne die OPEC die Blase zum Platzen bringen. Wenn der Druck der USA auf die OPEC zunehme, werde sich das Ölkartell zum Handeln veranlasst sehen. „Da reicht schon die bloße Ankündigung der OPEC, die Förderung auszuweiten, um die Panik am Markt auszulösen“, sagte er. „Dann folgt Margin Call auf Margin Call und wir sehen die 100 US-Dollar rasch wieder von unten“, prophezeite der Marktteilnehmer.


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