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31.07.2007 
Brasilien profitiert

Ethanolboom treibt Sojapreis

von Alexander Busch

Für Brasiliens Wirtschaft ist der weltweit steigende Ethanolverbrauch ein Segen: Nicht nur, dass durch Zuckeranbau direkt davon profitiert wird – die damit verbundenen Ausfälle im Sojaanbau machen das größte südamerikanische Land zum Hauptexporteur für diese Bohnen. Während die Preise weiter steigen, sehen Umweltschützer Probleme.

Die Preise steigen: Sojabohnen. Foto: dpaLupe

Die Preise steigen: Sojabohnen. Foto: dpa

SÃO PAULO. Die Nachfrage für Biotreibstoffe führt zu einer neuen Arbeitsteilung auf dem Soja-Markt: Weil die Farmer in den USA immer mehr Mais für die Produktion von Ethanol anbauen und im Gegenzug weniger Sojabohnen, wird Brasilien dauerhaft zum wichtigsten Versorger der proteinhaltigen Bohnen auf dem Weltmarkt. Bereits jetzt hat die Reduzierung der Soja-Anbaufläche von knapp fünf Millionen Hektar in den USA zu einem Preisanstieg für Soja an den Terminbörsen in Chicago geführt.

Das Bushel Sojabohnen, umgerechnet rund 27,22 Kilogramm, kostete zeitweise etwa 920 Cents und damit rund ein Drittel mehr als im Vorjahr. Denn die Nachfrage in den USA übertrifft mit rund 82 Mill. Tonnen nun deutlich die Eigenproduktion von 72 Mill. Tonnen. Die Lücke wollen die USA erst einmal aus ihren vollen Lagern füllen. Doch weltweit fallen die Soja-Bestände. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) erwartet einen Rückgang der Bestände von derzeit 65 Mill. Tonnen auf 52 Mill. Tonnen. Zusammen mit einer um fünf Prozent jährlich wachsenden Soja-Nachfrage dürfte dies die Preise hoch halten. Neben den USA und Europa nutzen vor allem auch die asiatischen Schwellenländer zunehmend Soja-Produkte für die Massentierhaltung und zur Lebensmittelherstellung. Allein in China wuchs die Nachfrage in den vergangenen zehn Jahren um zwölf Prozent im Jahr. Mit 35 Mill. Tonnen Soja-Importen dieses Jahr ist die Volksrepublik inzwischen der größte Einzelabnehmer auf dem Weltmarkt. Generell gilt, dass eine steigende Kaufkraft der Bevölkerung zu einem überdurchschnittlichen Anstieg des Soja-Verbrauchs führt.

Die Preis- und Marktsignale für Soja haben in Südamerika funktioniert: Nach einer dreijährigen Krise bauen Brasiliens Farmer wieder mehr Soja an. In der jetzt beginnenden Erntesaison werden sie zwischen 63 und 65 Mill. Tonnen der proteinhaltigen Bohnen ernten. Der Ertrag wird damit nach Angaben der nationalen landwirtschaftlichen Konföderation Brasiliens CNA im Vergleich zum Vorjahr um rund 22 Prozent zunehmen.

Brasilien wird zudem zum größten Soja-Exporteur – vor den USA, die zwar derzeit noch mehr Soja anbauen, aber weniger exportieren können. Mit Ausfuhren von rund 30 Mill. Tonnen wird Brasilien laut USDA in der Erntesaison 2007/ 2008 vor den USA mit 28 Mill. Tonnen und dem benachbarten Argentinien (zehn Mill. Tonnen) liegen. „Diese Vormachtstellung auf dem Weltmarkt wird Brasilien bis mindestens 2010 behalten“, erwartet Silvio Porto, Logistik-Direktor beim staatlichen brasilianischen Versorgungsinstitut Conab. Porto rechnet damit, dass Brasilien schon in Kürze seine Produktion auf insgesamt 70 Mill. Tonnen erhöhen könnte.

Für die Soja-Farmer in Brasilien kommen die Erholung der Preise und der Nachfrageanstieg gerade richtig. Otaviano Pivetta, einer der größten Soja-Produzenten in Brasilien stellt erleichtert fest: „Der Boom für Alternativtreibstoffe hat uns gerettet.“ Brasilien war zwar bereits im Ernterekordjahr 2004/ 2005 der größte Soja-Exporteur der Welt, konnte diese Position aber nicht halten. Denn in den Folgejahren verdienten die Farmer weniger mit Sojabohnen. Das lag einerseits an den jährlich sinkenden Preisen, die der Bushel in Chicago erzielte. Zusätzlich litten die Margen der brasilianischen Produzenten unter dem schwachen Kurs des US-Dollars und dem aufgewerteten brasilianischen Real. Die Verdienste der Farmer schrumpften daher, gleichzeitig ist die Verschuldung der Branche dramatisch gestiegen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Verstärkter Anbau schadet dem Regenwald

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