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13.06.2008  | Aktualisiert 24.06.2008, 12:06 Uhr 
Hoffnung für Verbraucher

Experten erwarten Preisrutsch beim Öl

Wenn sich in diesen Tagen Rohstoff-Experten treffen, dann dreht sich meist alles um zwei Fragen: Haben wir an den Rohstoffmärkten eine Spekulationsblase? Und wenn ja, wann wird sie endlich platzen? Die Rohstoff-Analysten der Commerzbank sind überzeugt, dass der vorläufige Höhepunkt beim Ölpreis in den kommenden Monaten erreicht wird.

HB FRANKFURT/M. Im schlimmsten Fall könnte noch ein verheerender Wirbelsturm in den Ölfördergebieten im Golf von Mexiko für eine neue Rekordjagd beim Ölpreis in den Sommermonaten sorgen, sagte Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank.

Aber selbst ein tropischer Wirbelsturm von der Stärke von "Katrina", der vor zwei Jahren weite Teile der Südküste der Vereinigten Staaten verwüstet hatte, dürfte den Ölpreis nicht mehr allzu stark nach oben treiben. Experte Weinberg sieht bei 150 Dollar je Barrel (159 Liter) einen starken Widerstand. "Das ist so etwas wie eine magische Grenze für die Anleger", sagte Weinberg. Dagegen halten die Ölexperten der US Goldman Sachs-Investmentbank noch einen zwischenzeitlichen Sprung bis auf 200 Dollar für möglich.

Mittlerweile mehren sich die Stimmen, die vor einem Platzen der Spekulationsblase an den Ölmärkten überzeugt sind. Ein sicheres Zeichen für das bevorstehende Ende der Blase sehen Fachleute übereinstimmend in den starken Kursschwankungen beim Ölpreis. Nach einem Rückgang bei der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) bis auf etwa 122 Dollar je Barrel folgte Anfang des Monats plötzlich ein Anstieg um rund elf Dollar an nur einem Tag. Das war der stärkste Kurssprung, der je an den Ölmärkten gemessen wurde. Kaum war der US- Ölpreis auf ein neues Rekordhoch bei 139 Dollar gesprungen, rutschte er am Donnerstag auf 131 Dollar ab und stand zuletzt wieder bei 136 Dollar.

Schon sehen Fachleute Parallelen zur sogenannten "Internet-Blase" Ende der 90er Jahre. Ähnlich wie die Kurse der jungen Internet-Firmen am Neuen Markt ist auch der Ölpreis in den vergangenen Jahren nach oben geschossen. In zehn Jahren hat sich der Preis für Rohöl mehr als verzehnfacht. "Die Blase wird platzen und der US-Ölpreis wieder unter die Marke von 100 Dollar fallen", zeigte sich Experte Weinberg überzeugt. Auch der Chefberater der Europäischen Union in Wirtschaftsfragen, Klaus Gretschmann, glaubt an eine Wende bei den Ölpreisen: "Die Preisblase wird platzen."

Die Zeiten des billigen Öls sind endgültig vorbei

Einen der Hauptgründe für das Entstehen einer Spekulationsblase an den Ölmärkten sieht Experte Weinberg darin, dass die Investoren das schwarze Gold als eine ganz normale Anlageform entdeckt haben. Schon seit Monaten waren immer wieder kräftige Gewinne möglich. Außerdem können sich die Investoren mit dem Kauf von Ölkontrakten, die erste Monate später eingelöst werden, auch gegen die aktuelle Dollarschwäche absichern. Zudem ist der starke Aufschwung in den Boomregionen Asiens laut Weinberg nach wie vor einer der Haupttreiber für den Ölpreis. Dabei werde vor allem die künftige Entwicklung des Automarktes in China und Indien immer noch unterschätzt, beklagte der Experte.

Auch wenn viele Fachleute von der Existenz der Spekulationsblase überzeugt sind: Nur wenige wagen eine konkrete Prognose, wann sie denn platzen könnte. Die Tatsache, dass beim Ölpreis "dramatische Preissprünge ohne Veränderungen der Fundamentaldaten zugenommen haben, deutet darauf hin, dass die Preisübertreibungen beim Öl einen Höhepunkt erreicht haben", sagt EU-Experte Gretschmann. "Da jedoch weiterhin spekulatives Geld in den Markt fließt, ist es wie bei jeder Blase schwer, den Zeitpunkt zu bestimmen, an dem sie platzt."

Auch die Experten der Citigroup geben sich in ihrer jüngsten Ölstudie eher zurückhaltend. Sie halten einen "Nachfrage-Kollaps" mit entsprechenden Auswirkungen auf die Preise für möglich. Allerdings könnte das irgendwann in den kommenden 18 Monaten der Fall sein. Commerzbank-Experte Weinberg wird etwas konkreter. Er rechnet schon ab Herbst mit der entscheidenden Wende an den Ölmärkten. Aber selbst wenn es zu einem schnellen Abrutschen der Preise noch vor der Heizperiode kommen wird, sind sich alle Experten durch die Bank einig: Die Zeiten des billigen Öls sind endgültig vorbei.

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