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30.10.2006 
Geldpolitik

Experten fordern kurze Zinspause

von Olaf Storbeck

Für eine abermalige Erhöhung der Leitzinsen in der Euro-Zone ist es nach Ansicht des EZB-Schattenrates im November noch zu früh. Die 18 renommierten Geldpolitik-Experten des Gremiums von Banken, Universitäten und Forschungsinstituten plädierten Ende vergangener Woche mit Zweidrittelmehrheit für eine abwartende Geldpolitik.

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DÜSSELDORF. „Das Zinsniveau befindet sich derzeit genau dort, wo es sein sollte“, sagte Angel Ubide vom Hedge-Fonds Tudor Investment in Washington. „Die Geldpolitik befindet sich genau auf dem richtigen Weg“, meinte auch Charles Wyplosz von der Universität Genf.

Seit Ende 2005 hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen im Euro-Raum in fünf Schritten von zwei auf 3,25 Prozent angehoben. Zuletzt erhöhte die EZB vor knapp einem Monat die Zinsen um 25 Basispunkte – eine Entscheidung, für die sich zuvor auch der Schattenrat mit sehr großer Mehrheit ausgesprochen hatte. „Die EZB hat große Fortschritte gemacht bei der Rücknahme des geldpolitischen Stimulus und der Wiederherstellung einer mehr oder weniger neutralen Haltung der Geldpolitik“, lobte Joachim Fels, Europa-Chefvolkswirt von Morgan Stanley.

Sechs Schattenräte hielten eine weitere „Normalisierung“ des allgemein als niedrig eingeschätzten Zinsniveaus für so dringlich, dass sie eine Zinserhöhungspause von einem Monat nicht für angebracht hielten und für einen weiteren Zinsschritt bereits am 2. November eintraten. Von der Mehrheit, die für zunächst unveränderte Leitzinsen votierte, sprachen sich allerdings die weitaus meisten dafür aus, im Dezember die Leitzinsen noch einmal um 25 Basispunkte auf dann 3,5 Prozent anzuheben. „Wenn es in den nächstem Wochen keine dramatischen Neuigkeiten gibt, halte ich das für angemessen“, betonte Gernot Nerb vom Ifo-Institut.

Nach Ansicht der meisten Mitglieder läge der Leitzins im Euro-Raum dann auf dem neutralen Niveau – die Geldpolitik würde die Konjunktur dann weder bremsen noch beschleunigen. Ob weitere Zinserhöhungen über 3,5 Prozent hinaus nötig sein werden, darüber ist die Meinung im Schattenrat gespalten. Rund die Hälfte der Mitglieder ist aus heutiger Sicht dieser Meinung, die andere Hälfte sieht derzeit keinen Anlass, die Konjunktur zu bremsen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Experten trauen den guten Konjunkturnachrichten nur bedingt.

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