0 Bewertungen
08.08.2006 
Hurrikan-Saison droht

Experten prognostizieren neuen Benzinpreis-Rekord

Angesichts der Hurrikan-Saison in den USA halten Experten neue Rekorde bei Öl- und Benzinpreis für möglich.

HB BERLIN. „Die Nervosität am Ölmarkt ist sehr groß“, sagte Deka-Bank-Analystin Sandra Ebner. Dies habe der neue Preisrekord bei Rohöl infolge der Schließung des Ölfelds in Alaska gezeigt. „Das Problem ist, dass es eine von vielen schlechten Nachrichten in den vergangenen Wochen war“, erläuterte Ebner mit Blick auf den Krieg im Nahen Osten oder den Konflikt mit dem Iran. „In den nächsten Monaten gibt es zusätzliche Risiken wegen der Hurrikan-Saison.“

Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) betonte, dass die Risikoprämien wegen der Krisen Öl so teuer machten. Weitere Kapazitätsausfälle wie in Alaska zeichneten sich dagegen nicht ab. „Ich halte das für eine Ausnahme“, sagte Kemfert.

Wegen eines Lecks in einer Pipeline hatte der Ölkonzern BP die Förderung am größten Ölfeld der USA auf unbestimmte Zeit gestoppt. Der Preis für Brentöl war daraufhin auf über 78,5 Dollar je Barrel gestiegen und notierte am Dienstag knapp unter 78 Dollar.

Zumindest kurzfristig sieht Kemfert den Ölpreis wegen der vielen Krisenherde auf 85 Dollar je Barrel (159 Liter) zusteuern. Solche Preissprünge bekämen die deutschen Verbraucher auch schnell zu spüren. „Das schlägt alles direkt durch“, sagte sie. „Heizölkäufe sollte man besser Richtung Herbst verschieben, bis sich die Situation geklärt hat.“

Heino Elfert vom Energie Informationsdienst (EID) jedoch betonte, dass Benzin- und Dieselpreis noch nicht ganz die Höchststände von vergangenem Herbst erreicht haben. Nach dem Hurrikan „Katrina“ in den USA hatte Superbenzin in der Spitze 1,44 Euro, Diesel fast 1,20 Euro pro Liter gekostet. „Beim Benzin scheinen wir derzeit keine allzu große Knappheit zu haben“, sagte Elfert. So sei am Montag der Preis im Großhandel in Rotterdam gesunken. Allerdings könnte der Super-Preis in den kommenden Monaten neue Rekorde sogar bis 1,50 Euro erklimmen, falls etwa durch einen Hurrikan wie im vergangenen Jahr Raffinerien beeinträchtigt würden. Derzeit liegt der Preis im Schnitt noch unter 1,40 Euro.

Deka-Bank-Analystin Ebner betonte, dass die Öl-Preise bei guten Nachrichten auch schnell wieder sinken könnten. Zudem dürfte gegen Jahresende die weltweite Konjunkturabkühlung in den Blick rücken, was den Ölpreis generell drücken sollte. Ein zu knappes Angebot sei für den hohen Ölpreis derzeit aber nicht verantwortlich. „Die Lagerbestände sind nicht so schlecht. Momentan produziert jeder, was er kann.“ Längerfristig dürfte der immer größere Öldurst der aufstrebenden Länder aber die Nachfrage hoch halten, während das Öl-Angebot immer schwieriger aufrecht gehalten, geschweige denn ausgedehnt werden könne.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Rohstoffe + Devisen Rubriken

Anzeige

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Notwendige Korrektur  Artikel in Merkliste

10.10.2008, 16:17 Uhr von Matthias Eberle

Die Aktienkurse rasen in die Tiefe. Ein Blick auf die US-Wirtschaft zeigt warum. Amerika steht vor einer tiefen Rezession, die weitere Korrekturen an den Börsen nach sich ziehen muss. Kommentar

Markt-Monitor

Die erwünschte Panik ist da  Artikel in Merkliste

10.10.2008, 14:09 Uhr von Frank Wiebe

Der Ausverkauf ist da. Für die Wende an den Aktienmärkten braucht es allerdings mehr: Auf der IWF-Tagung haben die Spitzen des Finanzsystems die Chance, die Abwärtsspirale zu durchbrechen. Kommentar

weiterAnzeige - Aktuelle Umfrage

Umfrage zum Thema "Bankpräferenzen" 

Welche Bankgeschäfte wickeln Sie privat online ab und wie zufrieden sind Sie mit dem Online-Angebot? Was erwarten Sie von Ihrer Bank? Unter allen Teilnehmern der Umfrage wird ein iPod nano (8GB) von Apple im Wert von 149 Euro verlost. Machen Sie jetzt mit! Hier geht es zur Umfrage WEB-Link