0 Bewertungen
13.03.2007 
Produktionsquoten

Experten sehen feste Ölpreise

von Dieter Claassen und Regine Palm

Mit einer weiteren Produktionsdrosselung würde die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) die Gefahr einer neuen Ölpreisexplosion heraufbeschwören, warnt das Londoner Zentrum für Energiestudien (CGES). Voraussichtlich aber wird die Opec ihre Förderquoten in dieser Woche nicht weiter kürzen. Dafür sprechen die unverändert hohen Preise.

Der Terminmarkthändler der New York Mercantile Exchange muss mit neuen Turbulenzen an den Energiemärkten rechnen. Foto: apLupe

Der Terminmarkthändler der New York Mercantile Exchange muss mit neuen Turbulenzen an den Energiemärkten rechnen. Foto: ap

LONDON / DÜSSELDORF. Die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) wird auf ihrem Treffen am Donnerstag ihre Rohölförderung voraussichtlich unverändert lassen. Dafür sprechen die unverändert hohen Preise. Das Ölkartell hat seit Mitte Oktober zwei Mal seine Produktionsquoten verringert, um einem stärkeren Preisfall vorzubeugen.

Auch Mitglieder der Opec haben sich bereits dafür ausgesprochen, die Quoten unverändert zu lassen. „Auf dem aktuellen Preisniveau besteht keinerlei Notwendigkeit etwas zu tun“, sagte Abdullah bin Hamad al-Attiyah, Ölminister von Katar, am Montag in Dubai. „Mit einer weiteren Produktionsdrosselung würde die Opec die Gefahr einer neuen Ölpreisexplosion heraufbeschwören“, heißt es im Londoner Zentrum für Energiestudien (CGES). Seit August sei der Ausstoß des Kartells bereits um 1,5 Mill. auf weniger als 30,1 Mill. Barrel am Tag gefallen. Darüber hinaus habe das kalte Winterwetter im Februar in den USA dazu beigetragen, dass die Vorräte stärker geschrumpft seien als in den letzten fünf Jahren zu dieser Jahreszeit.

Sowohl der Preis für das europäische Brentöl als auch für die US-Richtmarke WTI notierten zuletzt über 60 Dollar je Barrel (159 Liter). Nach einer Phase ungewöhnlich milder Witterung hatten die Preise noch Mitte Januar in Richtung der 50-Dollar-Marke tendiert; mit den fallenden Temperaturen waren sie dann wieder gestiegen. Zudem stützte ein unerwartet deutlicher Rückgang der US-Öl- und Gasvorräte die Rohölnotierungen.

„Die Preise halten sich auf einem guten Niveau“, sagt Sandra Ebner, Fondsmanagerin bei Deka-Investment. Auch sie rechnet nicht damit, dass die Opec eine weitere Kürzung der Förderung beschließen wird. „Doch das System ist weiterhin sehr anfällig für Schocks“, warnt Ebner. Die Stimmung könne rasch drehen. Dann drohe eine „schnelle Übertreibung“ in die eine oder andere Richtung. Stärkere Preisschwankungen könnten durch erneute geopolitische Risiken wie etwa den Atomstreit mit Iran ausgelöst werden. Mit Blick auf den Sommer richtet sich das Interesse des Marktes zudem auf die Höhe der Benzinlagerbestände in den USA; in den Sommermonaten fahren die Amerikaner üblicherweise besonders viel mit dem Auto (driving season).

Die Anfälligkeit des Marktes zeigte sich schon Ende Februar, als der starke Rückgang der Öl- und Gasvorräte in den USA die Märkte verunsicherte. Paul Horsnell von Barclays Capital in London sieht darin bereits einen weiteren Vorboten für einen baldigen Anstieg des Ölpreises auf bis zu 65 Dollar. „Die Geschichte von den randvollen Vorratslagern stimmt schon seit längerem nicht mehr“, sagt Horsnell. Tatsächlich seien die US-Ölvorräte seit Oktober 2006 um 100 Mill. Barrel gefallen. Vorläufige Zahlen für Februar dokumentierten überdies den stärksten Verbrauchszuwachs seit zehn Jahren.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Viele Rohstoffe waren während der Turbulenzen stark unter Druck geraten.

US-Dollar je Barrel.

US-Dollar je Barrel.

Für Horsnell ist es denn auch keine Überraschung, dass sich der Ölpreis während der jüngsten Wirren an den Aktienmärkten „relativ gut behauptet hat“. Viele andere Rohstoffe waren dagegen während der Turbulenzen stark unter Druck geraten, da die Investoren ihre Gelder abzogen. Dahinter steckten vor allem Befürchtungen, dass das starke Wachstum in China ins Stocken geraten könnte. Der immense Rohstoffbedarf des Landes hat in den vergangenen Jahren die Preise fast aller Rohstoffe deutlich anziehen lassen. Edward Morse von der Investmentbank Lehman Brothers sieht für Rohöl wegen des hohen Bedarfs Chinas ein fortgesetztes Anstiegspotenzial. Denn der rapide wachsende Ölbedarf Chinas, werde „systematisch unterschätzt, auch von der Internationalen Energieagentur in Paris“, sagt Morse.

Skepsis besteht zudem über den Beitrag der Nicht-Opec-Länder zur Weltölförderung. „Das Non-Opec-Angebot bessert sich nicht“, sagt Ebner. Dies spreche für steigende Preise. Die Londoner CGES weist zudem auf Verzögerungen bei der Inbetriebnahme neuer Felder und die sinkende Förderung aus Vorkommen hin, die zur Neige gehen. Dazu gehören Felder in Großbritannien, Norwegen, Mexiko und Ägypten.


Geringer Verbrauch in Deutschland

Witterung: Der milde Winter hat den Heizölabsatz in Deutschland drastisch einbrechen lassen. Dies teilte gestern der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) mit.

Heizöl: Üblicherweise steigt der Bedarf im Februar, auch weil Öltanks zum Ende des Winters hin aufgefüllt werden müssen. In diesem Jahr wurden nur 1,36 Mill. Tonnen leichtes Heizöl verkauft, 41,2 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Von Januar bis Ende Februar fiel der Heizölabsatz um 34,2 Prozent.

Benzin: Auch die Benzin-Nachfrage blieb schwach. Bis Ende Februar fiel der Absatz um 9,1 Prozent auf rund drei Mill. Tonnen. Um 2,7 Prozent stieg dagegen der Absatz von Diesel. Der MWV begründet dies mit der guten Wirtschaftsentwicklung, die mehr Lkw-Verkehr nach sich zieht.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Rohstoffe + Devisen Rubriken

Anzeige

Handelsblatt Experten + Meinungen

Markt-Monitor

Erholung ohne Aussagekraft  Artikel in Merkliste

05.01.2009 von Ralf Drescher

Fast zehn Prozent hat der Dax in den vergangenen Tagen gewonnen. Und die hoffnungsfrohen Kommentare zur Börse mehren sich. Doch Vorsicht ist angesagt: Noch steht die Erholung auf wackeligen Füßen. Schon nächste Woche, wenn die US-Unternehmen in die Berichtssaison starten, könnte die Stimmung wieder kippen. Kommentar

Breakingviews

Gasstreit: Fest auf dem Spielplan  Artikel in Merkliste

04.01.2009 von Pierre Briançon, breakingviews.com

Wie jedes Jahr haben Russland und die Ukraine wieder einmal die Bühne erklommen, um ihr fest im Spielplan verankertes Drama „Der Große Gasstreit“ aufzuführen. In dem Streit um die Erdgaslieferungen zwischen der Ukraine und der russischen Gazprom prallen zwei Monopole aufeinander – russisches Gas und ukrainische Pipelines. Kommentar