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13.11.2006 
Devisenmarkt

Experten sehen starken Euro

von Ralf Drescher und Regine Palm

Nach monatelanger Seitwärtsbewegung hat sich der Euro in den vergangenen Wochen deutlich verteuert. Am Freitag stieg der Kurs der europäischen Währung gegenüber dem Dollar kurzzeitig auf 1,29 Dollar. Besonders Spekulationen über chinesische Devisenreserven und Sorgen um die US-Konjunktur schwächen den Dollar und sorgen so für einen Anstieg des Eurokurses.

FRANKFURT / DÜSSELDORF. Damit rückt nicht nur das Jahreshoch bei 1,2941 Dollar in Reichweite. Viele Experten erwarten, dass der Euro in den nächsten Wochen erstmals seit April 2005 wieder über die Marke 1,30 Dollar steigen wird.

Auslöser für den jüngsten Anstieg des Euros waren vor allem Aussagen des chinesischen Notenbank-Gouverneurs Zhou Xiaochuahn. Zhou hatte in Frankfurt angekündigt, er habe genaue Pläne zur Diversifizierung der Devisenreserven des Landes. Wie diese Pläne genau aussehen, konkretisierte Zhou indes nicht. „Grundsätzlich liegt hier aber ein Unsicherheitsfaktor für den Dollar“, sagt Rainer Sartoris, Devisenanalyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Dass China und andere Länder wie Russland oder die Öl fördernden Staaten ihre Reserven umschichten wollen, ist schon seit längerer Zeit bekannt. Dennoch sorgt das Thema am Devisenmarkt regelmäßig für Unruhe. „Wenn die Dollar-Nachfrage der Notenbanken sinkt, bekommen die USA Probleme, ihr Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren“, erklärt Stefan Bielmeier, Volkswirt bei der Deutschen Bank. Sollte sich die US-Konjunktur 2007 abkühlen, dürften sich diese Probleme noch verschärfen: „Dann sinkt die Attraktivität von Kapitalanlagen im Dollar-Raum“, sagt Bielmeier. Die Deutsche Bank rechnet deshalb im kommenden Jahr mit Euro-Kursen oberhalb von 1,30 Dollar.

An der US-Konjunktur scheiden sich allerdings die Geister der Analysten. Während HSBC Trinkaus ein deutlich schwächeres US-Wachstum im kommenden Jahr erwartet, gibt sich Jürgen Michels, Deutschlandchefvolkswirt der Citigroup, wesentlich optimistischer: „Die US-Konjunktur wird besser laufen als viele das jetzt erwarten.“ Entsprechend weichen die Euro-Prognosen beider Häuser fundamental voneinander ab. HSBC-Analyst Sartoris sieht den Euro Ende 2007 bei 1,45 Dollar, die Citigroup hingegen erwartet eine Erholung der US-Devise auf 1,24 Dollar.


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Eine Mittelposition nimmt Thomas Stolper ein, der einen leichten Anstieg des Euros in den nächsten Monaten prognostiziert. „Wir erwarten eine schwächere Konjunktur in den USA. Aber die wird später kommen und nicht so stark sein wie befürchtet“, sagt der Devisen-Experte von Goldman Sachs in London. Der US-Arbeitsmarkt sei in einer stabilen Verfassung und die niedrigeren Ölpreise hätten zu realen Einkommensgewinnen der Haushalte geführt, begründet er seine Meinung. Dadurch sinke auch der Druck auf die US-Notenbank, ihre Geldpolitik zu ändern: „Mit einer Zinssenkung der Fed rechnen wir erst ab dem zweiten Quartal 2007“, sagt Stolper.

Die höheren Leitzinsen in den USA – aktuell liegen sie mit 5,25 Prozent zwei Prozentpunkte höher als in der Euro-Zone – galten lange als Pluspunkt für die US-Währung, da sie Dollar-Anlagen attraktiver machen. Inzwischen hält die US-Notenbank die Zinsen aber seit drei Monaten konstant, und der nächste Zinsschritt dürfte nach herrschender Expertenmeinung nach unten gehen.

Dagegen gilt eine weitere Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank im Dezember als ausgemacht, weitere Anhebungen schließen Experten nicht aus. „Der Euro wird von der Zinsseite her gestützt“, bestätigt Citigroup-Volkswirt Jürgen Michels. Trotz seiner grundsätzlich Dollar-positiven Einstellung erwartet er daher kurzfristig noch weitere Kursgewinne des Euros.

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