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10.09.2008 
Rückläufige Prodiktion

Gesuchter Zucker

von Dieter Claassen

Zucker widersetzt sich dem Trend an den Rohstoffmärkten. Während viele Grundstoffe einen großen Teil der zuvor gesehenen Preisaufschläge wieder abgeben mussten, hält sich Zucker auf hohem Niveau. Verantwortlich ist die rückläufige Zuckerproduktion - Experten sprechen von einem fundamentalen Wandel am Markt.

Brasilianische Arbeiterin auf einer Zuckerrohrplantage: Die Hoffnungen vieler Zuckerverarbeiter auf stabile Preise ruhen auf den Exporten Brasiliens, dem größten Produzenten der Welt. Foto: ArchivLupe

Brasilianische Arbeiterin auf einer Zuckerrohrplantage: Die Hoffnungen vieler Zuckerverarbeiter auf stabile Preise ruhen auf den Exporten Brasiliens, dem größten Produzenten der Welt. Foto: Archiv

LONDON. An der New Yorker Nybot kostete Zucker mit 13 bis 14 Cents je Pound (453 Gramm) zeitweise über 30 Prozent mehr als noch zu Jahresbeginn. Analysten rufen bereits einen neuen Aufwärtstrend aus.

"Der fundamentale Ausblick für Zucker hat sich grundlegend gewandelt", kommentierte die Czarnikow Gruppe den jüngsten Preisanstieg. Die Londoner Gruppe ist der weltweit führende Zuckerhändler, der bereits seit 1873 am Markt vertreten ist. Czarnikow verweist darauf, dass zwischen der Welt-Zuckerernte und der voraussichtlichen Nachfrage im Jahr 2008/09 ein Defizit von 3,3 Mill. Tonnen am Markt klaffen könnte. Das ist zwar keine riesige Menge bei einem erwarteten Zuckeraufkommen von 164 Mill. Tonnen. Doch für Haussespekulanten scheinen diese Daten auszureichen, um sich zu engagieren. Laut Czarnikow soll die Rohrzuckerproduktion 2008/09 um drei Prozent fallen und die Erzeugung von Rübenzucker sogar um zehn Prozent; sie läge dann auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren.

Die rückläufige Produktion beruht zu einem großen Teil auf der EU-Zuckermarktreform. Das angestrebte Ziel - eine Verringerung der Zuckerproduktion in der Europäischen Union um sechs Mill. Tonnen in den sechs Jahren bis September 2010 - scheint schon heute so gut wie erfüllt. 5,58 Mill. Tonnen sind bereits vom Markt verschwunden. Toby Cohen von Czarnikow erwartet für 2008/09 sogar einen weiteren Produktionsrückgang von drei Mill. Tonnen. Die Erzeugung bleibe dann "recht beträchtlich hinter dem EU-Verbrauch zurück."

Zu dem rückläufigen Welt-Zuckeraufkommen 2008/09 werden auch geringere Ernten in Russland, der Ukraine und in Indien beitragen. Bezeichnenderweise hat sich vor kurzem der größte Zuckerraffineriebetrieb Indiens, die Shree erstmals seit zweieinhalb Jahren mit Ware am Weltmarkt eingedeckt. Der Konzern kaufte 30 000 Tonnen Rohzucker von Brasilien. Die Ernte des Subkontinents soll nach indischen Schätzungen im Wirtschaftsjahr 2008/09 (ab Oktober) von 26,5 Mill. Tonnen in diesem Jahr auf nur noch knapp 24 Mill. sinken. Farmer zögen zunehmend den lukrativeren Anbau on Weizen, Reis und Hülsenfrüchten vor, heißt es.

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