0 Bewertungen
15.05.2006 
Zweifel am Papiergeld

Gold-Käufer zweifeln am stabilen Papiergeld

von Ingo Narat

Für eine wachsende Gruppe von Gold-Spekulanten werden die Zweifel an der Beständigkeit der Währungen und damit des Papiergeldsystems zu einem Kaufmotiv. Am heutigen Montagvormittag geriet das Gold deutlich unter Druck und rutschte deutlich unter 700 Dollar je Feinunze.

FRANKFURT. Gegen 10.35 Uhr werden für die Feinunze 691,60 zu 692,60 Dollar als Geld-Brief-Spanne genannt, nachdem das Edelmetall am Morgen noch mit knapp 720 Dollar gehandelt wurde und im Tief zwischenzeitlich bei rund 687 Dollar notiert wurde, entsprechend einem Minus von etwa fünf Prozent. Händler begründeten die plötzlichen Abgaben mit der Schwäche bei den Basis- und Edelmetallen, die Gewinnmitnahmen ausgelöst habe. Hinzu gekommen sei eine minimale Befestigung des Dollar zum Euro. Als Unterstützung wurde die 685-Dollar-Marke genannt.

Sobald insbesondere bei den Edelmetallen das preisstützende Kaufinteresse ausbleibe komme es im derzeitigen Umfeld nach den deutlichen Kursgewinnen der vergangenen Wochen zu starken Kursreaktionen, erläuterte ein Experte. Der Ausverkauf sei womöglich zum Teil auch vor dem Hintergrund einer Reihe zuletzt schwach ausgefallener Konjunkturdaten zu sehen, wie beispielsweise den schwächer als erwarteten japanischen Maschinenbauaufträgen.

Die Zahl derjenigen wächst, die Zweifel an der Beständigkeit der Währungen und damit des Papiergeldsystems haben. „In diese Richtung denkt vielleicht jeder Fünfte unserer Kunden“, sagt beispielsweise Robert Hartmann, Geschäftsführer beim Edelmetall-Handelshaus Pro Aurum in München.

Insbesondere in den vergangenen Tagen rückt das steigende Tempo der Hausse in den Blickpunkt. Der Goldpreis startete seinen Aufschwung vor fünf Jahren bei rund 250 Dollar. Die letzten 170 Dollar bis zum aktuellen Niveau schaffte er allerdings in nur sechs Wochen.

Grund des Preisanstieges ist eine wachsende Nachfrage bei tendenziell eher sinkender Minenproduktion – und das in einem ohnehin engen Markt. Deutlich erkennbar beginnen Großinvestoren Rohstoffe in ihrer ganzen Breite wieder als Vermögensform zu entdecken.

Gerade bei Privatanlegern und deren Goldkäufen spielt das Sicherheitsmotiv eine zunehmende Rolle. „Ungedeckte Währungen kollabieren immer“ sagt Wolfgang Weber, Director bei Taurus Investors in Dubai. Die Gesellschaft ist Anlaufstelle für Anleger, die Edelmetall kaufen und in Deutschland oder Dubai verwahren lassen wollen. Auch erfolgreiche Aktienfondsmanager wie Michael Keppler von Keppler Asset Management geben sich offenherzig. „Währungen haben eine 100-prozentige Wahrscheinlichkeit dafür, dass sie verfallen oder in eine andere Währung überführt werden“, sagt der Mann aus New York mit Hinweis auf die Historie.

Gründe für zunehmende Zweifel gibt es genug. Die Mischung aus rasant steigender Verschuldung, wachsenden Inflationsängsten und politischen Plänen verschreckt immer mehr Anleger. Hartmann von Pro Aurum nennt in diesem Zusammenhang einen besonderen Reiz des Goldes: „Die Kunden wollen kein Zahlungsversprechen wie beim Papiergeld, sondern etwas Unabhängiges und Beständiges.“ Seiner Beobachtung nach haben die Anleger nicht unbedingt Angst vor einer Währungsreform, aber: „Gold hat seit Tausenden von Jahren seinen Wert behalten – auch wenn der zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedlich hoch war.“

Fondsmanager Keppler zieht daraus seine eigenen Konsequenzen: „Heute sollte jeder Gold in der Hinterhand haben.“ Weber von Taurus empfiehlt einen Edelmetallanteil von zehn Prozent des Vermögens. Gold zieht in diesem Bereich zwar immer den Blick auf sich. Doch Weber sieht die größten Chancen beim Silber: „Es ist seltener als Gold, exorbitant unterbewertet und das Risiko eines Preisrückgangs ist vergleichsweise gering.“

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Rohstoffe + Devisen Rubriken

Anzeige

Handelsblatt Experten + Meinungen

Markt-Monitor

Erholung ohne Aussagekraft  Artikel in Merkliste

05.01.2009 von Ralf Drescher

Fast zehn Prozent hat der Dax in den vergangenen Tagen gewonnen. Und die hoffnungsfrohen Kommentare zur Börse mehren sich. Doch Vorsicht ist angesagt: Noch steht die Erholung auf wackeligen Füßen. Schon nächste Woche, wenn die US-Unternehmen in die Berichtssaison starten, könnte die Stimmung wieder kippen. Kommentar

Breakingviews

Gasstreit: Fest auf dem Spielplan  Artikel in Merkliste

04.01.2009 von Pierre Briançon, breakingviews.com

Wie jedes Jahr haben Russland und die Ukraine wieder einmal die Bühne erklommen, um ihr fest im Spielplan verankertes Drama „Der Große Gasstreit“ aufzuführen. In dem Streit um die Erdgaslieferungen zwischen der Ukraine und der russischen Gazprom prallen zwei Monopole aufeinander – russisches Gas und ukrainische Pipelines. Kommentar