Gold ist so teuer wie nie. Am Terminmarkt knackte das Edelmetall erstmals die Marke von 1 000 Dollar. Mehr als alles andere gilt das Edelmetall als Bollwerk gegen den schwachen Dollar und die steigende Inflation. Der rasante Anstieg des Goldpreises zeigt, wie schlecht es wirklich um die Weltwirtschaft steht.
KAPSTADT. Der Goldpreis hat an der Marke von 1 000 US-Dollar gekratzt. Mit 996,90 Dollar notierte die Feinunze (31 g) am Donnerstag am Spotmarkt auf einem neuen Rekordniveau. Der Gold-Future zur Lieferung im April war bereits am späten Mittag mit 1 005 Dollar auf ein Allzeithoch geklettert. Damit hat das Metall in letzten 12 Monaten fast 50 Prozent an Wert gewonnen.
Unter Beobachtern gilt der rasante Anstieg des Goldpreises als ein wichtiges Signal für den bedenklichen Zustand der Weltwirtschaft. "Ein starker Anstieg wie in den letzten Tagen und Wochen ist stets eine Art Ausrufezeichen für systembedingte Fehler und Schwächen im globalen Finanzsystem" meint Markus Bachmann, Fondsmanager bei Craton Capital Precious Metal in Johannesburg. Gold fungiere als Warnleuchte für gewisse makroökonomische und fiskalpolitische Fehlentwicklungen. Dadurch habe es oft eine korrigierende Funktion, sagt Bachmann.
Klick für Klick: Die Gründe für den Gold-Rekord
Händler begründeten die hohe Nachfrage nach dem Metall vor allem mit dem Einbruch des Dollars. Der amerikanische Greenback bewegt sich traditionell in entgegengesetzter Richtung zum Goldpreis. Wegen seiner Wertbeständigkeit ist das gelbe Metall aber auch ein klarer Gewinner der Subprime-Krise, die sich gestern durch die befürchtete Schließung eines großen Hedgefonds weiter verschärfte. Ein Teil des spekulativ angelegten Geldes, das zuvor in Hochzinsanleihen und strukturierte Finanzinstrumente geflossen war, sucht nun nach neuen, weniger risikoträchtigen Anlageformen. Schließlich haben eine Reihe neuer Anlageinstrumente wie Exchange Traded Funds (ETF) die Nachfrage nach Edelmetallen stark angekurbelt, weil sie privaten Anlegern den Marktzugang erheblich vereinfachen.
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Mehr als alles andere gilt Gold aber noch immer als ein festes Bollwerk gegen einen schwachen Dollar und einen möglichen Anstieg der Inflation. "Gold ist noch immer der einzige Rohstoff, der wie Geld eingesetzt werden kann", sagt Bergbauspezialist Graham Birch vom Fondsmanager Blackrock in London. Aus diesem Grund eigne es sich gerade in unsicheren Zeiten hervorragend zur Diversifikation und als Ersatzwährung.
Getrieben wird der Goldpreis vor allem von den rückläufigen Realzinsen in den USA. Eine Reihe von Goldexperten wie Martin Murenbeeld hatte den Angriff des Goldes auf die magische Schwelle von 1 000 Dollar deshalb bereits seit langem prophezeit. Der Chefökonom der Dundee Group ist überzeugt, dass die Notenbanken alles tun werden, um eine Rezession in den USA abzuwenden, selbst wenn die Folgen dafür ein markanter Anstieg der Inflation wären. "Eine Zunahme der Geldmenge, eine Flut billiger Dollar und niedrigere Zinsen wie sie sich nun abzeichnen, beflügeln den Goldpreis, weil die Realverzinsung von Spareinlagen dadurch in Gefahr gerät", erklärt Murenbeeld.
Schließlich gibt es ganz fundamentale Gründe für den Goldpreis wie die höhere physische Nachfrage und die rückläufige Minenproduktion. Vor allem beim langjährigen Hauptförderer Südafrika stagniert die Goldproduktion seit Jahren. Verantwortlich sind zum einen die enorme Tiefe seiner Minen, zum anderen akute Stromengpässe. Erst Ende Januar war es wegen einer geringeren Stromzuteilung für die Minenbranche am Kap tagelang zu einem abrupten und totalen Produktionsstopp der Gold- und Platinbergwerke gekommen. Die dort ansässigen Goldförderer gehen nun davon aus, dass ihre Produktion deshalb im gegenwärtigen Quartal um bis zu 25 Prozent fallen wird. Selbst langfristig dürfte sich daran wenig ändern: Schürfte Südafrika noch 1970 knapp 1 000 Tonnen Gold, waren es 2007 nur noch 255 Tonnen – der niedrigste Stand seit 1922. China hat die Kaprepublik im vergangenen Jahr erstmals als größter Goldproduzent überholt.
