Mehr als alles andere gilt Gold aber noch immer als ein festes Bollwerk gegen einen schwachen Dollar und einen möglichen Anstieg der Inflation. "Gold ist noch immer der einzige Rohstoff, der wie Geld eingesetzt werden kann", sagt Bergbauspezialist Graham Birch vom Fondsmanager Blackrock in London. Aus diesem Grund eigne es sich gerade in unsicheren Zeiten hervorragend zur Diversifikation und als Ersatzwährung.
Getrieben wird der Goldpreis vor allem von den rückläufigen Realzinsen in den USA. Eine Reihe von Goldexperten wie Martin Murenbeeld hatte den Angriff des Goldes auf die magische Schwelle von 1 000 Dollar deshalb bereits seit langem prophezeit. Der Chefökonom der Dundee Group ist überzeugt, dass die Notenbanken alles tun werden, um eine Rezession in den USA abzuwenden, selbst wenn die Folgen dafür ein markanter Anstieg der Inflation wären. "Eine Zunahme der Geldmenge, eine Flut billiger Dollar und niedrigere Zinsen wie sie sich nun abzeichnen, beflügeln den Goldpreis, weil die Realverzinsung von Spareinlagen dadurch in Gefahr gerät", erklärt Murenbeeld.
Schließlich gibt es ganz fundamentale Gründe für den Goldpreis wie die höhere physische Nachfrage und die rückläufige Minenproduktion. Vor allem beim langjährigen Hauptförderer Südafrika stagniert die Goldproduktion seit Jahren. Verantwortlich sind zum einen die enorme Tiefe seiner Minen, zum anderen akute Stromengpässe. Erst Ende Januar war es wegen einer geringeren Stromzuteilung für die Minenbranche am Kap tagelang zu einem abrupten und totalen Produktionsstopp der Gold- und Platinbergwerke gekommen. Die dort ansässigen Goldförderer gehen nun davon aus, dass ihre Produktion deshalb im gegenwärtigen Quartal um bis zu 25 Prozent fallen wird. Selbst langfristig dürfte sich daran wenig ändern: Schürfte Südafrika noch 1970 knapp 1 000 Tonnen Gold, waren es 2007 nur noch 255 Tonnen – der niedrigste Stand seit 1922. China hat die Kaprepublik im vergangenen Jahr erstmals als größter Goldproduzent überholt.
