Die Paletten gehören Crystal Investment Consultants. „Ein Glück, dass wir die reinbekommen haben“, sagt Chef Roman Hinz, „der Hausverwalter hatte erst Angst, dass der Boden unter den Tonnengewichten durchbricht“. Der Boden hat gehalten. Crystal bietet Beteiligungen an Industriemetallen an. Hier kann der Besucher noch was lernen. Es geht nicht nur um Kupfer & Co., sondern auch um so genannte „Seltene Erden“. Die Namen dieser speziellen Metalle kennt außer den Insidern niemand. Oder wer hat schon etwas von Europium, Yttrium oder Neodym gehört?
Etwas weiter lädt ein großer Vortragsraum ein zum Besuch. Dennoch: Die 200 verfügbaren Sitzplätze reichen praktisch nie. Egal, ob die eingeflogenen US-Rohstoffanalysten Frank Veneroso und David Morgan sprechen, der „Crash-Prophet“ Roland Leuschel oder die Fondsmanager Martin Siegel und Uwe Bergold – stets müssen einige Zuhörer stehen. „Jetzt müssen wir wohl Klappstühle mitbringen“, bemerkt ein Händler. Aber die überzähligen Besucher sind genügsam und setzen sich vielfach einfach auf den abgenutzten Boden.
Beim Blick auf die Besucher fällt auf: Die Zeiten haben sich geändert. Es kommen nicht mehr nur ältere Herren. Die Hausse der Rohstoffpreise lockt allmählich auch jüngere Besucher auf die Messe – und mehr Frauen. Erstaunlich nüchtern reagieren sie alle auf die eher trockene Materie. Aber die Eskalation der Finanzkrise gibt allen Anlass für vollmundige Kommentare. „In den nächsten Jahren geht Gold auf 2 500 Dollar, Silber von jetzt über 14 auf 100 Dollar“, prophezeit David Morgan.
Wer es noch wagemutiger mag, hört einfach Uwe Bergold zu, der die wachsende Inflationsgefahr beschwört: „Kann schon sein, dass der Dow-Jones-Index noch auf 30 000 Punkte geht, aber dann geht auch Gold auf 30 000 Dollar je Unze.“ Wer klare Worte sucht, der hört sie aus seinem Mund: „Goldminenaktien werden sich jetzt vervielfachen, aber dann brauchen Sie psychologische Betreuung, weil die anschließend um 70 Prozent fallen werden.“
Nach Bergolds Vortrag löst sich die Menschentraube um ihn herum nur langsam auf. Das gibt den Blick frei auf den Stand des Metallhändlers Pro Aurum, der ebenfalls dicht umlagert ist. Davor eine Kleinfamilie mit dem wohl jüngsten Messebesucher: Caroline, neun Monate alt, nuckelt im Kinderwagen am Schnuller. Die Kleine weiß nicht, dass ihr Vater für sie schon in Gold angelegt hat. „Gut, wenn man es hat“, sagt der Papa.
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