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06.01.2007 
Rohstoff Holz

Heiße Ware

von Thomas Stölzel und Alexander Busch, Wirtschaftswoche

Papierherstellung, Heizung, Bau, Möbel – die Nachfrage nach Holz steigt auf der ganzen Welt. Damit gehen auch die Preise in die Höhe. Und wo die Preise klettern, floriert der Raubbau. Der Verteilungskampf ums Holz hat begonnen. Mit im Spiel: große deutsche Holzverarbeiter und der kleine Waldbesitzer von nebenan.

Holz, fein säuberlich abgelegt zum Vermessen. Denn nach dem laufenden Meter bemisst sich der Endpreis. Foto: dpaLupe

Holz, fein säuberlich abgelegt zum Vermessen. Denn nach dem laufenden Meter bemisst sich der Endpreis. Foto: dpa

DÜSSELDORF/SAO PAULO. Eine nicht endende Menschenmenge – Deutsche, Österreicher, Holländer, Amerikaner, Japaner - wälzt sich durch den kleinen Erzgebirgsort, von Fachwerkhaus zu Fachwerkhaus, von einem der etwa 50 Läden zum nächsten. Die Besucher fallen vor allem in der Weihnachtszeit in Seiffen ein, denn das 2 700-Einwohner-Dorf an der Grenze zu Böhmen ist das Mekka der Holzspielwarenhersteller. Das Geschäft der rund 120 Handwerksbetriebe, die hölzerne Pyramiden, Räuchermänner, Schwibbögen und Nussknacker produzieren, brummt. Christian Werner etwa, einer der Letzten, der die sogenannte Reifendrehkunst beherrscht, die vor gut 200 Jahren im Ort entstand, verkauft seine Reifentiere zu Tausenden in die ganze Welt. Jedes Jahr im Dezember schlägt er 20 Fichten, schneidet sie später in Scheiben und drexelt Rohlinge daraus. Aus einem solchen Reifen fertigt er Dutzende Tiere - Schafe, Rehe, Esel.

Das Geschäft mit den Holzwaren floriert nicht nur in Seiffen. Papierproduzenten, Fußbodenhersteller, Möbelmacher und Baukonzerne ordern immer größere Mengen des Rohstoffs Holz. In Westeuropa, Russland, Asien, Afrika und Südamerika tobt der Kampf um die knappe Ressource - nicht selten mit kriminellen Methoden. Vor allem Chinas Hunger nach Baumstämmen ist derzeit kaum zu stillen. Bis 2015 soll der zuletzt stark gestiegene globale Bedarf an Industrieholz um mehr als zehn Prozent auf 1,9 Milliarden Kubikmeter zulegen, prognostiziert die finnische Forstwirtschaftsberatung Pöyry. Hierzulande ist der Verteilungskampf nicht weniger hart: Erzeuger, Industrie, Energiewirtschaft und Naturschützer streiten sich um das vorhandene Holz. Die Preise klettern seit Monaten. Die ersten verarbeitenden Unternehmen kündigen schon an, Werke dichtzumachen.

In Deutschland besitzen etwa zwei Millionen Menschen Wald. Darunter: Adelshäuser wie Thurn und Taxis und Sayn-Wittgenstein, prominente Unternehmer wie Deutschlands führender Optiker Günther Fielmann und Ratiopharm-Gründer Adolf Merckle. Hinzu kommen Staats- und Kirchenwald. Die Mehrzahl der Eigner nennt allerdings nur ein paar Hektar ihr Eigen, mancher nur wenige Quadratmeter. Dabei ist das Forstgeschäft kein Kinderspiel: Michael Freiherr von der Tann, Herr über rund 1200 Hektar Forst, klappt das Taschenmesser auf und zeichnet an Baumstämmen, die am Wegesrand lagern, die Jahresringe nach. „Hier in der Mitte liegen die Ringe eng zusammen. Als der Baum jung war, hatte er zu wenig Licht.“ Zum Rand hin werden die Ringe breiter. „Da hatte er zu viel Licht und wuchs schon fast zu schnell.“ Wälder seien extrem empfindlich, berichtet er - für kleine Waldbesitzer schwer zu managen.

Das Potenzial ist dennoch gewaltig: Etwa 35 Milliarden Bäume stehen in deutschen Wäldern. Die Forstlandschaften machen ein Drittel der Fläche der Bundesrepublik aus. 3,4 Milliarden Kubikmeter Holz; die Vorräte sind größer als in Schweden oder Finnland. Geschätzter Wert: 150 Milliarden Euro.

Die von Holz abhängenden Branchen setzen rund 180 Milliarden Euro um, beschäftigen 1,3 Millionen Menschen. Aus Holz entstehen Dachstühle, Zeitungen, Bücher, Spielsachen, Holzpellets zum Verbrennen oder Türen aus schussfestem Panzerholz, wie sie im Berliner Nobelhotel Adlon zu finden sind. Rund 25 Millionen Weihnachtsbäume wandern jedes Jahr durch den Handel in die Haushalte. Am Holz hängen internationale Konzerne wie Ikea, Home Depot oder International Paper - ebenso Mittelständler wie die Blomberger Holzindustrie aus Nordrhein-Westfalen, die aus dem Rohstoff unter anderem Bodenplatten für Formel-1-Rennwagen presst.

Trotzdem: Gerade für kleine Forstbesitzer war Wald über Jahrzehnte eine Last. Die Holzpreise dümpelten, nur große Forstbetriebe hatten die Kosten im Griff. Doch seit einem Jahr ändert sich die Lage. Passé die Zeiten, als Waldbesitzerin Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, noch öffentlich klagte, die Holzpreise seien „beschissen“.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Es brummt an allen Ecken und Enden“

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