Der Preis für Kohle ist auf dem Höhenflug. Die schnell wachsenden Volkswirtschaften in Indien und China treiben den Preis. Der Hunger nach Kohle in den Schwellenländern ist immens: Im Schnitt werden in China jede Woche zwei neue Kohlekraftwerke gebaut.
FRANKFURT. Der Kohlepreis befindet sich auf dem Höhenflug. Während Deutschland der Branche die Subventionen kürzt, beginnt der Boom des schwarzen Rohstoffes in Asien erst. Die rasant wachsenden Volkswirtschaften in Indien und China treiben seit Jahren die Nachfrage an. Allein das Reich der Mitte gewinnt mehr als 70 Prozent seiner Energie aus Kohle - und baut jede Woche im Durchschnitt zwei neue Kohlekraftwerke.
Ein Ende des Hungers auf Kohle ist nicht in Sicht. Experten erwarten vielmehr, dass sich der Trend in den nächsten zwei Jahrzehnten noch verstärkt. Behalten sie Recht, können auch Anleger von dieser Entwicklung profitieren.
Ende Februar 2008 waren die Kohlepreise bereits auf Rekordhöhe geklettert. Der Grund: Das Wetter spielte den Kohleförderern gleich in mehreren wichtigen Lieferländern übel mit. China erlebte die schwersten Schneestürme seit einem halben Jahrhundert. In Aus- tralien und Indonesien legten Überschwemmungen Minen und Transportwege lahm, in Südafrika behinderten Stromausfälle das Geschäft.
Dadurch haben in den vergangenen Monaten insbesondere die chinesischen Kohlevorräte extrem abgenommen. Im Februar hätten sie den Energiebedarf des Landes für gerade einmal drei Tage decken können. UBS
-Analysten haben ihre Prognosen für den Kohlepreis im laufenden und kommenden Jahr deutlich erhöht.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum Kohle noch wertvoller werden könnte.
Nach diesen wetterbedingten Preisrekorden hat sich die Lage zwar wieder ein wenig normalisiert. Branchenkenner erwarten allerdings, dass es zum Teil Monate dauern wird, bis die alten Fördermengen wieder erreicht sind. Zugleich steigt die Nachfrage nach dem schwarzen Brennstoff stetig: Der Internationale Energie Ausblick der US Energy Information Administration sagt voraus, dass der weltweite Kohlebedarf im Zeitraum von 2004 bis 2030 um 74 Prozent wachsen wird. Auch mittel- bis langfristig sieht es danach aus, dass das Angebot diese Nachfrage nicht stillen kann.
Es gibt eine Reihe von Gründen, weshalb Kohle noch wertvoller werden könnte. Schwellenländer benötigen für den Ausbau ihrer Infrastruktur Stahl. Die Stahl- und Eisenindustrie wiederum nutzt Kohle als Energiequelle. Fast zwei Drittel dieses Sektors ist weltweit von Kohle abhängig. Auch andere Industriezweige, wie die Zementindustrie, die Aluminiumproduktion, die Papierherstellung sowie die Chemie- und Pharmabranche, sind auf den schwarzen Rohstoff angewiesen.
Vom Preisanstieg profitieren Produzenten und Anbieter von Kohle - und mit ihnen Investoren, die auf diese Branche setzen. Allerdings schwankt der Preis für den Rohstoff erfahrungsgemäß stark, das Anlagerisiko ist entsprechend hoch. Privatanleger können dieses Risiko mindern, indem sie nach Möglichkeit breit gestreut in Unternehmen aus dem Kohlesektor investieren. Mit Hilfe spezieller Branchenindizes nehmen zum Beispiel Zertifikate Anlegern diese Allokationsarbeit ab.
Petra Becher ist Executive Director bei UBS
