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17.08.2007 

Noch zahlt sich der hohe Ölpreis für die russischen Konsumenten aus und befeuert ihren Kaufrausch. So tragen sie weiter ihre Dollar zu den „Obmenniki“, den Wechselstuben. Jeder Moskauer hat die Stube seines Vertrauens. Denn noch immer sind viele auf sie angewiesen. Zwar können in den kleinen, schwer bewachten Räumchen böse Überraschungen blühen: Schwarzgeld, Falschgeld, Überfälle. Doch Bares spielt nach wie vor eine wichtige Rolle.

Für viele Russen ist das Gefühl, einen starken Rubel in der Tasche zu haben, gleichwohl ungewohnt. Zu heftig waren die Kurseinbrüche seit dem Zerfall der Sowjetunion, zu oft haben Millionen ihr gesamtes Vermögen verloren – seit 1991 schlitterte das Land beinahe im Jahresrhythmus in fiskalische Turbulenzen.

Der 23. Januar 1991 war so ein Tag, an den sich noch viele mit Schrecken erinnern: Am Abend zuvor hatte die – damals noch sowjetische – Regierung in den Nachrichten erklärt, dass alle 50- und 100-Rubel-Scheine aus dem Verkehr gezogen seien. Drei Tage räumt sie für den Umtausch ein. Nur eine bestimmte Menge darf überhaupt gewechselt werden – eine offensichtliche Enteignung.

Vor den Filialen der staatlichen Sparkasse bilden sich am frühen Morgen bereits lange Schlangen. Panik und Verzweiflung machen sich breit, während die hilflos agierende Regierung des Sowjetpräsidenten Michail Gorbatschow den Erlass mit dem „Kampf gegen Spekulation, Korruption, Schmuggel und Geldfälschung“ begründet. Dabei hatte der zögerliche Gorbatschow die Finanzkrise, die sich fast zu einem Dauerzustand in den neunziger Jahren entwickeln wird, geradezu programmiert: Während die sowjetische Wirtschaft zerfällt, versucht seine Regierung, die steigende Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit höheren Löhnen zu dämpfen. Alleine 1989 macht das Durchschnittseinkommen einen Satz von zwölf Prozent. Doch wohin mit dem Geld? Die Geschäfte bleiben leer, und so wächst der „Rubel-Überhang“ in den Sparschweinen der frustrierten Sowjet-Konsumenten auf geschätzte 800 Milliarden Dollar – die Hälfte des Bruttoinlandprodukts.

Verschärft wird die Lage durch den Verfall des Ölpreises, der direkt auf den Haushalt durchschlägt – die Regierung schmeißt die Notenpresse an. Fatal daran: Da die Preise für die Mangelware in den Geschäften reguliert bleiben, kommt es nicht zu einer „offenen“ Inflation. Dem Rat auch sowjetischer Ökonomen, Anleihen auszugeben und schrittweise die Privatisierung voranzutreiben, kommt Gorbatschow nicht nach.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Am Ende der Jelzin-Ära mussten Russen 28 000 Rubel für einen Dollar hinblättern.

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