Der Schlag ereilt die Menschen schließlich knapp ein Jahr nach der „Umtauschaktion“, als die Inflationsbombe detoniert. Die Sowjetunion ist Geschichte. Unter der Regierung von Boris Jelzin übernimmt in Russland nun ein junger Ökonom das Ruder: Jegor Gajdar. Die Staatskasse ist leer, die Kornspeicher sind es auch, die Währungs- und Goldreserven in dubiose Richtungen verschwunden. Es ist Winter – Gajdar sieht nur ein Mittel: Schocktherapie. Sehenden Auges stürzt er das Land in die Hyperinflation. Im Januar 1992 setzt er alle Preise frei. Bis zum Ende des Jahres steigt allein der Brotpreis um 4 300 Prozent. Eine ganze Generation, die ihre Rubel brav zur staatlichen Sparkasse getragen hat, ist ihre Ersparnisse los. Aber immerhin: Die Auslagen der Geschäfte füllen sich wieder.
Der Dollar, der in den Gorbatschow-Jahren noch in Parität zum Rubel stand, wird zugleich zur Zweitwährung. Ende 1992 steht er bereits bei 415 Rubel. Während die Jelzin-Regierung aber den Wechselkurs künstlich hoch hält, gibt sie zugleich für Billionen von Rubel Billigkredite an marode Staatsbetriebe. Deren Direktoren nutzen sie jedoch nicht für Investitionen, sondern wechseln sie in sichere Dollar, die dann auf Fluchtkonten im Ausland landen. Am Ende der Jelzin-Ära müssen Russen 28 000 Rubel für einen Dollar hinblättern.
Das alles ist noch nicht vergessen: Natascha Rodion weiß jedenfalls, was sie nicht tun wird: Geld in Rubel anlegen. Zu unsicher, sagt der Bauch. Aber was dann? „Wkladywat!“ Jeder Russe versteht, was damit gemeint ist. Etwas Handfestes kaufen: ein Auto, eine Wohnung, Schmuck.
