Obwohl die Kapazitäten immer weiter ausgebaut werden ist noch kein Ende des Superzyklus auf dem Rohstoffmarkt abzusehen. Denn der Arbeitsmarkt ist so ausgetrocknet, dass die Lohnkosten stark steigen. Und die hohen Energiepreise tun ihr Übriges.
FRANKFURT. Der Rohstoff-Superzyklus wird in absehbarer Zeit noch kein Ende finden, meinen Fachleute. Gleichwohl dürfte jene Zeit der Vergangenheit angehören, in der mit Rohstoffen leicht Geld zu verdienen war. Denn die Preise für Öl und Uran haben sich in sieben Jahren verzehn- beziehungsweise verzwanzigfacht und der Goldpreis hat sich immerhin noch mehr als verdreifacht.
In den kommenden Jahren wird der Preisanstieg aber wohl nicht mehr diese Dynamik erreichen, sagen Experten wie Investment-Guru Jim Rogers. Mitentscheidend für die Dauer der Rohstoffhausse ist die Antwort auf die Frage, wann das bestehende Angebotsdefizit ausgeglichen und den Märkten ein höheres Rohstoffangebot zur Verfügung gestellt werden kann. Derzeit investiert die Branche immer mehr in die Suche nach Rohstoffen.
Ungeachtet dessen wird sich die große Lücke zwischen Nachfrage und Angebot vorerst kaum schließen. Dies gilt vor allem für den Metallbereich; denn gerade die Minengesellschaften sehen hohe Rohstoffpreise als Chance. Sie investieren immer mehr Geld in die Suche nach neuen Vorkommen. Die Fachleute der Metals Economic Group haben in ihrer jüngsten Studie "Exploration Trends" neue Rekordzahlen bei den Investitionen im Metallbergbau ermittelt. Von 1 821 befragten Unternehmen ist im Jahr 2007 ein Betrag von 10,5 Mrd. US-Dollar in die Suche und Exploration neuer Vorkommen von Kupfer, Aluminium, Zink, Zinn, Blei, Nickel und Uran investiert worden. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahr einer Steigerung um 40 Prozent und gegenüber dem Jahr 2002 sogar einer Verfünffachung.
Aus diesen hohen Investitionen ist jedoch keine Trendwende auf der Preisseite abzuleiten. Denn bekanntlich dauert es durchschnittlich acht Jahre von der Entdeckung eines Metallvorkommens bis zum Start der Mine. Da erst seit dem Jahr 2004 eine stärkere Investitionsbereitschaft festzustellen ist, wird sich wohl erst 2011 bis 2012 eine erste Entspannung der knappen Angebotssituation einstellen, meinen Fachleute.
Ein weiteres Argument ist im Hinblick auf die Rekordinvestitionen der Minenbranche zu bedenken. "Wohl keine andere Branche spürt die Inflation stärker als wir", heißt es in der Branche. Konkret heißt das: Ein großer Teil der Rekordinvestitionen ist auf höhere Kosten im Minenbetrieb zurückzuführen. Ein wesentlicher Faktor seien dabei die stark gestiegenen Lohnkosten. "Der Arbeitsmarkt ist völlig ausgetrocknet",berichtet der seit Jahrzehnten im Minengeschäft tätige Louis Wolfin, Chef von Kanadas Coral Gold Corporation."Es gibt eine chronische Knappheit an gut ausgebildeten Minen-Experten", ergänzt Bart Melek, Rohstoff-Analyst von BMO Nesbitt Burns in Toronto. "Wir suchen dringend Nachwuchskräfte", bestätigen Geologen von Barrick Gold
im Handelsblatt-Gespräch.
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In diesem Jahr werden nach Berechnungen der Branche rund 1 200 Geologen in Kanada ihren Universitätsabschluss machen. Schon heute steht fest, dass sie alle einen Job - bei guter Bezahlung - finden werden. Denn die Branche sucht allein in Kanada derzeit mehr als 9 000 Geologen. Minengesellschaften wie Barrick Gold
, BHP Billiton und Rio Tinto zahlen Geologen heute um 44 Prozent höhere Gehälter als noch vor drei Jahren.
Doch nicht nur die Arbeitskosten sind in den vergangenen Jahren kräftig in die Höhe geschossen, sondern auch alle anderen Kosten im Bergbau. Dies gilt vor allem für die Energiepreise, die den größten Teil der Gesamtkosten beim Betrieb von Minen ausmachen. Höhere Preise verlangen auch Dienstleister, die den Rohstoffgesellschaften Bohrtürme vermieten. Und last but not least reagieren auch die Produzenten von Minen-Trucks auf die höhere Nachfrage mit Preiserhöhungen. Dass Barrick Gold
jetzt selbst einen Reifenproduzenten übernommen hat, zeigt die kritische Lage bei im Bergbau benötigten Spezialreifen.
Üppige Explorations-Budgets
Rekorde Die Bergbau-Unternehmen in Kanada, Australien und Afrika wollen auch künftig von hohen Metallpreisen profitieren. Deshalb investieren sie immer höhere Beträge in die Suche nach neuen Vorkommen. Die Explorations-Ausgaben haben im vergangenen Jahr ein neuesRekordniveau erreicht.
Treibende Kräfte Junior-Minenfirmen, die nur in der Suche und Exploration aktiv sind und selbst keine Mine betreiben, bringen rund 50 Prozent der Investitionen auf, sagt Jason Goulden von der Metals Economics Group.
Uran Besonders aktiv waren 2007 die rund 360 Uran-Unternehmen, deren Explorations-Budget in fünf Jahren von 100 auf 936 Mill. Dollar gestiegen ist.
