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03.01.2008 
Rohstoff- und Devisenmärkte

Nervöse Anleger greifen zu Gold und Öl

Die Rohstoffmärkte sind fulminant ins neue Jahr gestartet. Die alten Rekordstände wurden am Mittwoch gleich reihenweise gebrochen. Amerikanisches Leichtöl (West Texas Intermediate/WTI) kostete erstmals 100 Dollar. Der Goldpreis zog in der Spitze auf über 858 Dollar an und überbot damit das bisherige Allzeithoch von 850 Dollar aus dem Jahr 1980.

Alle Hände voll zu tun: Händler an der Kontraktbörse Nymex in New York. Lupe

Alle Hände voll zu tun: Händler an der Kontraktbörse Nymex in New York.

DÜSSELDORF/NEW YORK. Nach dem Rekordsprung vom Vortag auf 100 US-Dollar je Barrel ist der US-Ölpreis am Donnerstag wieder leicht gesunken. Ein Barrel (159 Liter) der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Februar kostete am Morgen 99,46 Dollar und damit 16 Cent weniger als zum Handelsschluss am Mittwoch.

Dennoch ist der jüngste Anstieg des Ölpreises nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. "Die Ölvorräte werden zunehmend knapp, und das wird die Preise weiter hochtreiben", sagte DIW -Energieexpertin Claudia Kemfert der "Berliner Zeitung". "In fünf Jahren ist ein Ölpreis von 150 Dollar wahrscheinlich, in zehn Jahren sogar ein Preis von 200 Dollar." Der jüngste Preisanstieg sei allerdings zu großen Teilen spekulationsbedingt: "Der Anteil am Ölpreis, der auf Spekulation zurückzuführen ist, dürfte etwa 20 Prozent betragen", sagte Kemfert. "Eine Entspannung beim Ölpreis ist in den nächsten Wochen deshalb nicht zu erwarten. Ich rechne kurzfristig sogar eher mit einem weiteren Anstieg bis auf 105 Dollar."

"100 Dollar sind erst der Anfang", sagte Händler Zachary Oxman von Wisdom Financial voraus. "2008 wird es große Bewegungen beim Preis für Rohöl und auch für Gold geben." Energieanalyst Kris Voorspools von der belgischen Bank Fortis sieht den Grund nicht in Spekulationen: "Es geht um das Fundamentale: Angebot und Nachfrage", sagte er. Der hohe Ölpreis wiederum schürt die Furcht vor Bremsspuren in der US-Konjunktur. Die Regierung in Washington erklärte aber, sie werde die nationale Notfall-Ölreserve nicht antasten, um den Preis zu drücken. Die Opec erklärte, sie stehe dem Anstieg machtlos gegenüber.

Ausgelöst wurde der Sprung des US-Rohölpreises um rund vier Dollar auf die magische 100-Dollar-Marke durch erneut wachsende Versorgungsängste. Inflationsbereinigt bewegt sich der Ölpreis damit auf dem Niveau der frühen 80er Jahre. Auch der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent sprang auf den Rekordwert von 98 Dollar. Geschürt wurden die Sorgen vor Versorgungsengpässen durch geopolitische Spannungen in Algerien und vor allem in Nigeria; das Land ist weltweit der achtgrößte Ölexporteur. "Die Nachrichten aus Nigeria und Algerien haben zu dem Drang des Marktes nach oben gepasst", erklärte Weinberg.

Bei Angriffen mutmaßlicher Rebellen auf den nigerianischen Ölhafen Port Harcourt waren am Neujahrstag 18 Menschen getötet worden. Aus dem Opec -Land Algerien wurde ebenfalls ein Anschlag gemeldet. Zusätzlich getrieben wurden die Preise durch die für Donnerstag erwarteten Zahlen über die US-Ölbestände. Analysten erwarten einen weiteren Rückgang der Vorräte. Zu dem Anstieg trugen auch die Nachricht von der Schließung mehrerer mexikanischer Häfen wegen schlechten Wetters sowie ein Bericht der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) bei. Diese hatten erklärt, sie könne möglicherweise schon 2024 die weltweite Nachfrage nach Rohöl nicht mehr decken.


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Am ersten Handelstag des neuen Jahres hätten zudem Fonds-Investoren in großem Stil technische Käufe getätigt und damit ihre Kaufpositionen beim Öl untermauert, beobachtete Glen Ward, Energie-Experte beim Brokerhaus ODL Securities.

Der Markt ist sehr optimistisch für alle Rohstoffe", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank. Beim Rohöl allerdings ist er für weitere Preissteigerungen skeptisch. "Der Markt wollte die dreistellige Zahl sehen", sagt er, "es war wie ein Magnet." Nun werde es tendenziell eher nach unten gehen.

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