23 Bewertungen ****
20.08.2008 
Nachfrage wächst weiter

Öl bleibt auf lange Sicht teuer

von Dieter Claassen und Regine Palm

Die Lage an den Rohölmärkten bleibt angespannt. Zwar haben die Ölpreise aktuell noch einmal leicht nachgeben, nachdem der tropische Sturm "Fay" die Öl- und Gasförderanlagen im Golf von Mexiko verschont hat. Experten sehen mittelfristig aber wenig Chancen für einen dauerhaften Preisrückgang.

Die Opec hat die Zunahme des Fördervolumens der Nicht-Opec-Produzenten im Winter unterschätzt. Foto: dpaLupe

Die Opec hat die Zunahme des Fördervolumens der Nicht-Opec-Produzenten im Winter unterschätzt. Foto: dpa

LONDON / DÜSSELDORF. "Das große Problem ist, dass keine der fundamentalen Fakten diesen plötzlichen und signifikanten Rückgang untermauern", sagt Frederic Vanparijis, Senior Investment Manager Energie von ING Investment Management. Anfang Juli war der Preis für Rohöl der Sorte Brent auf das Rekordhoch von 147 Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen. Danach rutschte der Ölpreis in zwei Schüben ab und pendelte zuletzt unter erheblichen Schwankungen um 110 Dollar. Zum Vergleich: Anfang 2007 kostete Rohöl nur 60 Dollar. Begründet wird der jüngste Preisrückgang mit der Dollar-Erholung, der rückläufigen Ölnachfrage in den USA und einer erwarteten wirtschaftlichen Abschwächung.

ING-Experte Vanparijis räumt ein, dass die wirtschaftliche Entwicklung nachlasse, doch gehe die Ölnachfrage insgesamt nicht zurück. "Die Weltnachfrage nach Öl wächst unverändert weiter", sagt er und blickt nach China: "Dort werden die Lichter nach den Olympischen Spielen nicht ausgehen." Er wäre nicht erstaunt, wenn China nach einem saisonalen Rückgang im Sommer wieder zu einem treibenden Nachfragefaktor würde.

Die Akteure an den Ölmärkten sorgt zudem die laufende Hurrikan-Saison in den USA. Bei "Fay" sind größere Schäden ausgeblieben, doch kann dies schon beim nächsten Wirbelsturm ganz anders aussehen. Gegen einen starken Fall der Preise spricht daneben das bevorstehende Treffen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Das Ölkartell berät am 9. September in Wien über seine Förderquoten und die Lage an den Ölmärkten. Das angesehene Londoner Zentrum für Globale Energiestudien (CGES) warnt daher, dass die Opec einem weiteren Preisverfall nicht tatenlos zusehen werde.

"Das Kartell steht immer noch unter dem Schock des Preissturzes von 1998 und könnte jetzt mit einer übertriebenen Förderkürzung reagieren, falls der Preis die 100-Dollar-Marke nach unten zu durchbrechen droht", schreibt das CGES in seinem Marktbericht. Die Gelegenheit für einen Förderschnitt biete sich schon Anfang September.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Rohstoffe + Devisen Rubriken

Anzeige

Handelsblatt Experten + Meinungen

Markt-Monitor

Erholung ohne Aussagekraft  Artikel in Merkliste

05.01.2009 von Ralf Drescher

Fast zehn Prozent hat der Dax in den vergangenen Tagen gewonnen. Und die hoffnungsfrohen Kommentare zur Börse mehren sich. Doch Vorsicht ist angesagt: Noch steht die Erholung auf wackeligen Füßen. Schon nächste Woche, wenn die US-Unternehmen in die Berichtssaison starten, könnte die Stimmung wieder kippen. Kommentar

Breakingviews

Gasstreit: Fest auf dem Spielplan  Artikel in Merkliste

04.01.2009 von Pierre Briançon, breakingviews.com

Wie jedes Jahr haben Russland und die Ukraine wieder einmal die Bühne erklommen, um ihr fest im Spielplan verankertes Drama „Der Große Gasstreit“ aufzuführen. In dem Streit um die Erdgaslieferungen zwischen der Ukraine und der russischen Gazprom prallen zwei Monopole aufeinander – russisches Gas und ukrainische Pipelines. Kommentar