Ein Ende der Preisrally bei Öl ist nicht in Sicht. Am Dienstag hat Öl der US-Sorte WTI einen neuen Höchststand erklommen. Auch das schwarze Gold der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) wird immer teurer. Der Preis kletterte so rasant wie seit Jahren nicht mehr.
HB NEW YORK. Der Ölpreis bricht alle Rekorde: Ein schwacher Dollar und mögliche Probleme in Förderländern haben die Notierung für US-Öl am Dienstag auf den Höchststand von 122 Dollar je Barrel (159 Liter) getrieben. Damit ist der Preis für ein Barrel innerhalb von 6 Jahren um mehr als 100 Dollar gestiegen. Zum Vergleich: Mitte März 2002 kostete ein Barrel beispielsweise zwischen 19 und 21 Dollar.
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Die angesehene Investmentbank Goldman Sachs hält einen Anstieg des Ölpreises auf 200 Dollar innerhalb von zwei Jahren für möglich. Die gegenwärtige Energiekrise werde sich womöglich zuspitzen, weil nicht genug Öl gefördert werde, heißt es in einer Goldman-Sachs-Studie. „Die Möglichkeit von 150 bis 200 Dollar pro Barrel erscheint zunehmend wahrscheinlich.“
Goldman Sachs sagte bereits vor mehr als zwei Jahren dreistellige Ölpreise voraus und war damit den meisten Branchenexperten voraus. Der aktuellen Studie zufolge hat sich grundsätzlich nichts an den Ursachen der Preisexplosion geändert - etwa der Mangel an freien Opec-Förderkapazitäten, die hohe Nachfrage aus wirtschaftlich erfolgreichen Schwellenländern sowie die Beschränkungen ausländischer Investitionen in vielen Förderländern.
Bereits am Montagabend war US-Leichtöl über die Marke von 120 Dollar geschossen. Ein Ende der Rallye ist vorerst nicht in Sicht. Als Gründe für den neuerlichen Preisaufschlag nannten Rohstoffhändler und Experten den schwachen Dollar sowie Meldungen aus Nigeria und Irak über mögliche Störungen in der Ölförderung. Zudem treibe der Energiehunger Chinas den Preis. Auch das für die Versorgung in Europa wichtige Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich weiter. Am zentralen Handelsplatz in London stieg der Preis für ein Fass zwischenzeitlich um 52 Cent auf den Rekordwert von 118,53 Dollar.
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„Die geopolitischen Faktoren haben den aus dem schwachen Dollar resultierenden Preisauftrieb zuletzt noch deutlich verstärkt“, sagte die Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV), Barbara Meyer-Bukow, der Nachrichtenagentur AP in Hamburg. Eine Prognose über die weitere Preisentwicklung wagte sie nicht. Es sei viel Unsicherheit und Spekulation im Markt, betonte auch der Chefredakteur des Energie-Informationsdienst, Rainer Wiek: „Die Musik nach oben kommt derzeit in hohem Maße von Spekulationen, garniert mit geopolitischen Faktoren.“ Öl werde sicher teuer bleiben. Schließlich sei der Energiehunger der Welt ungebrochen.
Auch der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) legte kräftig zu. Zum Wochenbeginn verteuerte sich der Schmierstoff um fast fünf Dollar in die Höhe geschnellt. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Dienstag kostete ein Barrel (159 Liter) aus den Fördergebieten der Organisation am Montag 111,60 Dollar, im Vergleich zu 106,99 Dollar am vergangenen Freitag. Es war der höchste Anstieg für Opec-Öl an einem Tag seit vielen Jahren.
Die Rekordjagd des Ölpreises bekommen in Deutschland vor allem die Autofahrer zu spüren. Für einen Liter Superbenzin wurden nach Angaben aus der Mineralölbranche vom Dienstag im Schnitt etwa 1,44 Euro fällig. Diesel kostete 1,37 Euro je Liter. Als Grund nannte die Branche die aus dem teuren Öl resultierenden hohen Beschaffungskosten am zentralen Markt für Diesel und Benzin in Rotterdam. Dort kostete die Tonne Superbenzin laut MWV am Dienstag 998 Dollar. Für eine Tonne Diesel mussten sogar 1,133 Dollar bezahlt werden.
