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23.09.2008 
Heftige Ausschläge

Ölpreis rutscht nach verrückter Rally wieder ab

Der US-Ölpreis legte gestern mehr als 25 Dollar pro Barrel zu und verzeichnete den höchsten Tagesanstieg in der Geschichte. Heute ist der Ölpreis wieder deutlich gefallen. Warum die Unsicherheit groß bleibt – und was für den heutigen Tag erwartet wird.

Pump-Einheiten auf einem Ölfeld bei Los Angeles (Archivfoto vom 11.03.2008). Lupe

Pump-Einheiten auf einem Ölfeld bei Los Angeles (Archivfoto vom 11.03.2008).

HB NEW YORK. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl schnellte gestern an der New Yorker Börse bis auf 130 Dollar hoch. Später ging Ölpreis leicht zurück und schloss bei 120,92 Dollar – ein Gesamtplus von 16,37 Dollar. Der bisherige Rekord wurde am 6. Juni verzeichnet, damals legte der Preis um 10,75 Dollar zu.

Die heftigsten Ausschläge gab es im auslaufenden Oktober-Kontrakt. Allerdings waren hier die Umsätze niedrig, so dass es zu massiven Preisschwankungen kommen konnte. Zudem sind die Kurse am letzten Handelstag eines Kontraktes ohnehin sehr schwankungsanfällig und wenig aussagekräftig.

Am Dienstag beruhigte sich der Ölmarkt wieder. Die Preisschwankungen am Terminmarkt hielten sich in Grenzen. Der Preis je Fass US-Leichtöl WTIzur Lieferung im November fiel um zwei Dollar auf 107,37 Dollar. Das Fass Nordseeöl - ebenfalls zur Lieferung im November - verbilligte sich um 2,7 Prozent auf 103,25 Dollar.

Analysten gehen aber langfristig wieder von steigenden Ölpreisen aus. Am Markt wird auf das geplante 700 Mrd. Dollar schwere Rettungspaket der US-Regierung zur Stützung der Finanzmärkte verwiesen. "Es gibt das allgemeine Gefühl, dass mit diesen Hilfen der Ausblick auf die Wirtschaft etwas optimistischer als vorher ist", sagte ein Marktteilnehmer. Käufer seien daher in den Markt zurückgekehrt. "Als fundamentaler Preistreiber hat der Plan für das Finanzsystem gewirkt", sagte auch Gene McGillian, Rohstoffanalyst bei Tradition Energy in Stamford.

Andere Analysten führten den Preissprung auf die aktuelle Schwäche des Dollars zurück. Der Dollar hat deswegen am Montag weiter an Wert verloren und notierte bei 1,48 Dollar. Am Freitag genügten noch 1,44 Dollar um einen Euro zu kaufen. Der Anstieg um fast vier Cent binnen eines Handelstages war einer der größten seit der Einführung des Euro 1999.

Die Abwertung habe Anleger dazu veranlasst, als Absicherungsstrategie gegen Währungsrisiken in Rohstoffe zu investieren. Ein nachgebender Dollar verbilligt in der US-Währung gehandeltes Öl und lässt in der Regel die Nachfrage steigen. Auch die Veröffentlichung der chinesischen Zollverwaltung, wonach das Land im August deutlich mehr Rohöl- und Ölprodukte als im Vorjahresmonat eingeführt hat, habe die Preise nach oben getrieben, hieß es.

Weitere Marktteilnehmer verwiesen auf die Auswirkungen der Wirbelstürme "Gustav" und "Ike" im Golf von Mexiko. Nach US-Regierungsberichten seien 89,2 Prozent der seegestützten Ölförderung weiterhin außer Betrieb und auch bei den Raffinerien seien viele Anlagen noch nicht wieder angefahren worden. Dies habe zu Versorgungsängsten geführt, hieß es.

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