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19.11.2008 
Absturz unter 50 Dollar

Ölpreis-Schock für die Scheichs

von Michael Backfisch, Dirk Heilmann und Regine Palm

Fast 100 Dollar hat der Ölpreis innerhalb weniger Monate verloren. Schon sagen Experten einen Preisverfall auf 30 bis 35 Dollar je Barrel voraus. Die Ölförderländer stehen ratlos vor der veränderten Situation und die Opec findet keinen gemeinsamen Weg.

Banger Blick: Die arabische Region ist das Zentrum der Ölförderung. Der drastische Preisrutsch beim Öl macht den Ländern der Region schwer zu schaffen. Foto: apLupe

Banger Blick: Die arabische Region ist das Zentrum der Ölförderung. Der drastische Preisrutsch beim Öl macht den Ländern der Region schwer zu schaffen. Foto: ap

Der Verfall des Ölpreises hat die Ölproduzenten auf dem falschen Fuß erwischt. Trieben noch im Sommer mittelfristig drohende Versorgungsengpässe den Ölpreis bis auf 147 Dollar je Barrel (159 Liter), so fällt er nur vier Monate später rasant auf die 50-Dollar-Marke zu. Auf dem Spotmarkt sackte er sogar erstmals unter diese Schwelle. Das Produzentenkartell Opec kann den Verfall nach Einschätzung von Experten auch mit schnellen weiteren Quotenkürzungen nicht aufhalten. Manche Fachleute sehen die Talsohle angesichts der globalen Rezession erst bei 30 bis 35 Dollar erreicht. Die Produzenten treten deshalb auf die Investitionsbremse. Damit droht im nächsten Aufschwung ein noch höherer Preisausschlag nach oben, warnt die Internationale Energieagentur (IEA).

Die Auguren beschäftigt zurzeit vor allem die Frage, wie stark die Rezession die weltweite Ölnachfrage verringern wird. Sowohl Opec als auch IEA haben ihre Voraussagen seit dem Sommer mehrfach nach unten korrigiert. Jetzt rechnet die Opec damit, dass die Nachfrage 2008 nur um 280 000 Barrel am Tag steigen und 2009 um 500 000 Barrel am Tag sinken wird. Die IEA geht aktuell von einem Plus von 120 000 Barrel im laufenden und 350 000 Barrel im kommenden Jahr aus.

Opec: Wie das Ölkartell entstand und wie es heute arbeitet

Sowohl Produzenten als auch Ölverbraucher waren noch vor wenigen Monaten von einem kräftigen Nachfrageanstieg ausgegangen. Die Schlüsselrolle spielte dabei, wie auch auf anderen Rohstoffmärkten, China. Die Nachfrage aus dem Reich der Mitte langt nun nicht mehr, um den sinkenden Ölverbrauch in Europa, Nordamerika und Japan zu kompensieren. Sollten die Nachfrageprognosen auch Anfang 2009 weiter schrittweise sinken, könnte der Ölpreis bis auf 30 bis 35 Dollar je Barrel fallen, sagt Öl-Stratege Adam Sieminski von der Deutschen Bank voraus. "Vor Ende 2009 wird es der Opec nicht gelingen, einen Boden unter den Preis zu ziehen", sagt er.

Um zwei Mio. Barrel am Tag hat die Organisation ihre Produktionsziele bereits in den vergangenen Monaten gekürzt - doch es dauert erfahrungsgemäß ein halbes Jahr, bis sich die Kürzungen auf dem Markt bemerkbar machen. Am 29. November treffen sich die arabischen Opec-Mitglieder in Kairo, eine weitere Kürzung wird das Kartell jedoch wohl kaum vor dem regulären Treffen am 17. Dezember in Oran vereinbaren. Das zumindest signalisierten Opec - Präsident Chakib Khelil und Generalsekretär Abdalla El-Badri in den vergangenen Tagen.

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