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16.09.2008 
Rohstoffe

Ölpreis setzt rasante Talfahrt fort

von Regine Palm

Wachsende Konjunktursorgen setzen die Rohölpreise unter Druck. Am Spotmarkt rutschte das europäische Brentöl deutlich unter die Marke von 90 Dollar. Erste Analysten ändern nun bereits ihre langfristigen Prognosen.

Lupe

DÜSSELDORF. Am Spotmarkt rutschte das europäische Brentöl deutlich unter die Marke von 90 Dollar je Barrel (159 Liter) und notierte bei 87 Dollar. Damit hat Brentöl in gut einer Woche rund 13 Dollar verloren. Auch das amerikanische Leichtöl WTI hat sich enorm verbilligt. Erstmals seit Anfang April hat es die Marke von 100 Dollar nach unten durchbrochen und kostete zuletzt nur noch gut 95 Dollar. In der Spitze hatten die Ölpreise Mitte Juli Rekordstände von gut 145 bzw. 147 Dollar erreicht.

"Das Scheitern von Lehman Brothers hat die Beunruhigung über die Konjunkturaussichten und damit auch die Sorge vor eine geringeren Rohstoff-Nachfrage verstärkt", sagte David Moore, Rohstoffexperte der Commonwealth Bank of Australia der Nachrichtenagentur Reuters. Die Finanzkrise in den USA wecke Ängste über eine weltweite Konjunkturabkühlung, "was für das Wirtschaftsgut Rohöl negativ ist", meint auch Eugen Weinberg, Rohstoffexperte von der Commerzbank. Die Sorgen vor einem Abschwung würden "nicht nur eine niedrigere physische Nachfrage zur Folge haben, sondern auch ein geringeres Interesse seitens der Anleger", glaubt Weinberg. Der Preisverfall könnte sich daher nach seiner Einschätzung noch fortsetzen.

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Zu der Entspannung an den Ölmärkten hat beigetragen, dass Hurrikan "Ike" am Wochenende nicht wie befürchtet die wichtigen Ölproduktionsanlagen im Golf von Mexiko getroffen hat. Völlig ignoriert wurde an den Märkten hingegen, dass die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) auf ihrer Tagung am 9. September eine Kürzung ihrer Förderquoten um rund 0,5 Mill. Barrel am Tag beschlossen hat. Auch Meldungen, dass nigerianische Rebellen eine Ölpipeline zerstört haben, schlugen sich im Preis nicht nieder. Die Bewegung zur Befreiung des Nigerdeltas hatte am Wochenende einen "Ölkrieg" ausgerufen. In der Vergangenheit hatten solche Meldungen immer wieder für steigende Rohölpreise gesorgt.

Erste Analysten nehmen nun bereits ihre Preisprognosen zurück. Frank Schallenberger, Ölexperte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), rechnet nun auf Jahressicht mit einem Ölpreis von 120 Dollar und hat damit seine vorangegangene Schätzung von 145 Dollar deutlich nach unten korrigiert. Auch Barclays Capital hat die Preiserwartungen für das vierte Quartal gestutzt und rechnet nun mit durchschnittlichen WTI-Notierungen von 97,50 Dollar. Noch eine Woche zuvor lag die Prognose hier bei 123,90 Dollar.

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