Krise in Fernost: Um die Wirtschaft anzukurbeln, öffnen die Philippinen ihren bislang streng reglementierten Rohstoffmarkt für ausländische Investoren. Die erhofften direkten Effekte blieben jedoch vorerst aus. Wieder einmal der Grund dafür: Die Subprime-Krise.
FRANKFURT. Mit ehrgeizigen Rohstoffprojekten will die Regierung der Philippinen die Wirtschaftskrise ihres Landes beenden. Dies sagten Vertreter der Regierung und der Bergbaukammer in einem Handelsblatt-Roundtable-Gespräch. Nach der Revision der Bergbaugesetze in den Jahren 1995 und 1997 hat das Land den Weg für Direktinvestitionen ausländischer Rohstofffirmen geebnet. Gebremst werden die ambitionierten Pläne aktuell jedoch durch die Subprime-Krise, die auch in Schwellenländern wie den Philippinen erheblichen Schaden angerichtet hat.
Bei ihren Bemühungen um eine Sanierung der Staatsfinanzen setzt die Regierung stark auf den Rohstoffreichtum des Landes. Für Juli hat sie auch deshalb einen Haushaltsüberschuss von 1,6 Mrd. Peso gemeldet, weil sie Einnahmen aus der Teilprivatisierung des Geothermie-Energieproduzenten PNOC-Energy Development verbuchte. Weitere Privatisierungsvorkommen im Energie- und Rohstoffbereich stehen nach den jüngsten Turbulenzen in der Finanzwelt auf der Kippe, weil der Risikoappetit der Investoren geringer geworden ist.
An der Aktienbörse in Manila sind die Notierungen stark zurückgefallen und auch bei den Kursen philippinischer Auslandsanleihen gab es Verluste. Die Analysten von JP Morgan haben die Auslandsverbindlichkeiten des Landes auf "untergewichten" zurückgestuft. Die Risikoaufschläge philippinischer Bonds gegenüber amerikanischen Staatsanleihen haben sich deutlich ausgeweitet.
"Ausländische Rohstoffunternehmen finden auf den Philippinen jedoch ein positives Umfeld für Investitionen vor", wirft Benjamin Philip Romualdez, Präsident der philippinischen Bergbaukammer und Vorstandschef der Benguet Corporation die Vorteile in die Waagschale. Nach der Anpassung der Bergbaugesetze können ausländische Firmen heute 100 Prozent eines Rohstoffvorkommens auf den Philippinen besitzen, sagt Horacio C. Ramos vom Bergbauministerium in Manila dem Handelsblatt. Im Gegensatz zu zahlreichen afrikanischen Ländern verfüge sein Land über eine funktionierende Infrastruktur und ein gut entwickeltes Transportsystem. Kein Wunder also, dass sich ausländische Rohstoffunternehmen seit 1997 in insgesamt 66 Minenprojekten engagiert haben. Ihre Investitionen in Höhe von 750 Mill. US-Dollar haben auch erheblich zu dem Wachstum des Landes beigetragen.
"Als Tor zu China, dem größten Abnehmermarkt in der Welt, sehen wir uns auch für künftige Rohstoffprojekte geografisch hervorragend positioniert", sagt Romualdez. Dies gelte nicht nur für den Metallbereich, sondern auch für die zahlreichen Öl- und Gasvorkommen vor der Küste des Inselstaates. In der Vergangenheit bereits durchgeführte intensive geologische Untersuchungen würden den eindeutigen Beweis dafür liefern, dass die Philippinen reich vor allem an Kupfer, Gold, Nickel und Chrom sowie an Rohöl und Erdgas seien, ergänzt Ramos. Darüber hinaus seien auch Vorkommen von Eisenerz, Mangan und Bauxit bekannt.
Weltbekannte Unternehmen wie Xstrata, Anglo American und BHP Billiton hätten dies erkannt und in den vergangenen Jahren bereits große Summen in die Exploration und Erschließung vor allem von Buntmetallvorkommen investiert. "Derzeit sind mehr als 30 neue Minenprojekte auf den Philippinen in der Pipeline, die bis zum Jahr 2010 massive Investitionen in Höhe von mehr als sechs Mrd. US-Dollar erfordern werden", sagt Romualdez in seiner Funktion als Präsident der philippinischen Bergbaukammer. "Die Investitionen in neue Bunt- und Edelmetallvorkommen auf unseren Inseln werden in den nächsten fünf Jahren wohl insgesamt mehr als zehn Mrd. US-Dollar ausmachen", gibt Benjamin Philip G. Romualdez seine persönlichen Schätzungen weiter.
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Als eine wichtige Finanzierungsquelle für Rohstoffprojekte habe in den vergangenen Jahren die Aktienbörse in der philippinischen Hauptstadt Manila gedient. Hier seien die Aktien zahlreicher neu ins Leben gerufener Rohstoffgesellschaften gelistet worden, sagt Leo G. Dominguez von der auf die Finanzierung von Bergbauprojekten fokussierten Kanzlei Quisumbing Torres. Dabei hätten sich zahlreiche Rohstoffunternehmen auch zu Dual-Listings entschlossen und ihre Aktien sowohl in Manila als auch an der Australian Stock Exchange oder aber der AIM - dem Zweitmarkt der London Stock Exchange - notiert. Auf diese Weise habe man auch versucht, sich die dortigen Finanzierungsquellen zu erschließen.
Experten schließen nicht aus, dass diese bisher üppig sprudelnden Liquiditätsquellen wegen der globalen Kreditkrise vorübergehend versiegen werden. Wolle man einen weiteren Anstieg der Metall- und Energiepreise verhindern, werde die Investitionsbereitschaft in neue Projekte wegen der nach wie vor bestehenden Knappheit an wichtigen Rohstoffen aber weiter hoch bleiben müssen, ist Romualdez zuversichtlich.
Unbekanntes Rohstoffland
Das Land: Die Philippinen bestehen aus 7 107 Inseln. Die 88,7 Millionen Menschen leben auf einer Grundfläche von rund 300 000 Quadratkilometern.
Geologie: Der Inselstaat weist 400 Vulkane auf, von denen heute 22 aktiv sind. Der vulkanische Ursprung ist die Grundlage des Rohstoffreichtums.
Metalle: Das Land ist für seine großen Vorkommen an Kupfer, Gold, Chrom, Nickel, Eisenerz, Silber, Bauxit, Blei, Sulfur (Schwefel) Zink, Molybdän und Quecksilber bekannt.
Unternehmen: Die großen Minengesellschaften sind Philex Mining, Semirara Mining, Lepanto Consolidate Mining und Benguet Corporation.
