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29.07.2008 
Industrie deckt sich ein

Platinpreis stürzt ab

von Regine Palm und Wolfgang Drechsler

Der Preis für Platin hat kräftig nachgegeben. Noch Mitte Juli kostete das Edelmetall an den Rohstoffbörsen mehr als 2 000 Dollar je Feinunze Inzwischen werden nur noch gut 1 750 Dollar bezahlt. Ausgelöst wurde der Preiseinbruch vor allem durch die rückläufige Schmucknachfrage aus China. Experten rechnen jedoch nicht mit weiteren schweren Kursverlusten.

DÜSSELDORF/KAPSTADT. Die Industrie weltweit nutze die niedrigeren Preise und "kauft massiv bis in das nächste Jahr hinein", hat Wolfgang Wrzesniok-Rossbach von der Heraeus Metallhandelsgesellschaft beobachtet. Damit liege die Industrie seiner Ansicht nach richtig, denn es kämen auch wieder Nachrichten, die den Preis treiben werden.

So wie schon einmal in diesem Jahr. Noch Anfang 2008 notierte Platin bei gut 1 500 Dollar je Feinunze (rund 31,1 Gramm). Im März trieben Produktionsprobleme in Südafrika den Preis erstmals auf mehr als 2 300 Dollar. Anschließend pendelte er mit kräftigen Ausschlägen um die Marke von 2 000 Dollar.

Platin wird vor allem in Autokatalysatoren eingesetzt und ist besonders in Asien als Schmuck begehrt. Im Gegensatz zur Autoindustrie ist die Schmuckbranche äußerst preisempfindlich. Steigt der Preis zu stark an, fällt sofort die Nachfrage. Rutscht der Preis ab, kommt es ebenso schnell zu einer stärkeren Nachfrage der Juweliere. Dies verhindert zu hohe Ausschläge. Derek Engelbrecht von Impala Platinum, dem weltweit zweitgrößten Platinproduzenten, betont, dass die Schmuckindustrie für den Platinmarkt deshalb eine dämpfende Wirkung habe.

Dennoch sollte Platin schon wegen seiner Bedeutung für die Autoindustrie vor einem stärkeren Einbruch gefeit sein. Auf der Nachfrageseite profitiert das Edelmetall von immer schärferen Abgasverordnungen in Nordamerika und Europa, da es in Autokatalysatoren eingesetzt wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Metallen kommt Platin damit eine fast per Gesetz garantierte Nachfrage zugute.

Wenn der Verbraucher mitspielt. Denn der Autoabsatz etwa in den USA ist angesichts der hohen Spritkosten und der Finanzkrise schwieriger geworden. "Mit Blick auf die Nachfrage hat es einige leicht belastende Neuigkeiten aus der Automobilindustrie gegeben", sagt etwa Malcolm Smith vom Rohstoffteam von Blackrock, einer Tochtergesellschaft der US-Investmentbank Merrill Lynch. Zudem hätten Investoren Gelder aus dem Platinmarkt abgezogen und anderweitig investiert.

Allerdings dürfte das den Preis längerfristig kaum belasten, erwartet auch Blackrock. Smith verweist auf die fundamentalen Daten und die führende Rolle Südafrikas, wo rund 78 Prozent des Platins gefördert werden. "Hier könnte aber das Angebot durch anhaltende Stromengpässe und politische Unsicherheiten eingeschränkt werden". Andererseits gebe es weltweit immer mehr Autos und damit einen höheren Bedarf an Platin. "Dies gilt ganz besonders für den wachsenden Einsatz von Katalysatoren in Dieselfahrzeugen", sagt Smith.

Der Preisanstieg seit Jahresbeginn schmerzt denn auch vor allem die Hersteller von Autokatalysatoren, die 55 Prozent des weltweit geförderten Platins nachfragen. Angesichts der Preissprünge versucht die Industrie seit Jahren, Platin durch billigere Metalle zu ersetzen. Pro Katalysator werden etwa sechs Gramm Platin benötigt, die gemessen am aktuellen Preis 336 Dollar kosten. Doch bisher sind alle Substitutionsbemühungen erfolglos geblieben.

Praktisch unersetzlich ist Platin in Dieselmotoren, die wegen ihrer Verbrennungstemperaturen einen besonders "edlen" Katalysator benötigen. Als einziger Ersatzstoff käme das zur Platingruppe gehörige Palladium in Betracht, doch wäre in einem Dieselmotor zwei bis dreimal so viel Palladium wie Platin notwendig. Aus diesem Grund wird Palladium fast nur für Benzinmotoren mit höherer Temperatur verwendet. Doch es zeichnet sich eine Trendwende zugunsten von Diesel ab, denn die Nachfrage steigt.

Vieles deutet deshalb darauf hin, dass sich die Angebotslücke in den kommenden Jahren eher vergrößern und der Preis sich mittelfristig auf hohem Niveau stabilisieren dürfte. Der unabhängige südafrikanische Analyst Rene Hochreiter glaubt, dass die Lücke bis 2010 auf rund 0,7 Mill. Unzen und bis 2015 auf fast zwei Mill. Unzen anwachsen könne. Voraussetzung ist, dass es den großen Produzenten nicht gelingt, mehr Platin zu fördern.

Die drei Hauptproduzenten Anglo Platinum (Angloplat), Impala und Lonmin verfehlen seit Jahren ihre Vorgaben. So erwartet Angloplat, eine 75-prozentige Tochter des Minenhauses Anglo American und weltweit größter Platinförderer, dass seine Produktion erneut fällt. Nachdem die Förderung bereits 2007 um zwölf Prozent auf 2,47 Mill. Unzen zurückgegangen war, könnte sie wegen Stromausfällen und damit verbundener Produktionsprobleme dieses Jahr sogar auf 2,4 Mill. Unzen sinken.

Der drittgrößte Förderer Lonmin kämpft mit vielen verschiedenen Problemen, wie einem Wasserleck im Kühlsystem. Sein ehrgeiziges Förderziel von einer Mill. Unzen im Jahr hat Lonmin daher noch nicht einmal erreicht. Nur Impala Platinum sind größere Rückschläge erspart geblieben. Erst Anfang Juli ließ das Unternehmen wissen, dass selbst seine Minen im krisengeschüttelten Simbabwe gut arbeiteten.

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