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25.03.2008 
Edelmetall

Preis für Platin korrigiert

von Wolfgang Drechsler

Platin ist begehrter als je zuvor. Zwar ging zuletzt der Preis wieder leicht zurück für eine Feinunze. Doch die Nachfrage nach dem weißen Edelmetall ist ungebremst. Südafrikas Stromprobleme verhindern eine Ausweitung des Angebots.

KAPSTADT. Der Ausverkauf an den Rohstoffmärkten hat vor allem auch die Edelmetalle erfasst. Gold notierte zwischenzeitlich näher an 900 als an 1 000 Dollar; noch vor wenigen Tagen war es in Spitze auf über 1 030 Dollar je Feinunze gestiegen. Fast noch stärker wurde Platin gebeutelt. Unmittelbar nach Erreichen eines Allzeithochs von 2 293 Dollar Anfang März brach der Preis im Zuge von Gewinnmitnahmen ein. Aktuell kostet die Feinunze (31,1 Gramm) knapp unter 1 900 Dollar.

Scheinbar vergessen ist die Sorge vor weiteren Lieferengpässen, die den Preis zuvor nach oben getrieben hatten. Verantwortlich dafür waren Stromausfälle auf den Minen in Südafrika, wo rund Dreiviertel allen Platins gefördert wird. Der akute Strommangel am Kap hatte dazu geführt, dass neben den Gold- auch die Platinförderer Ende Januar fünf Tage lang fast überhaupt kein Metall schürfen konnten. Und einiges deutet darauf hin, das sich die Stromengpässe am Kap bis mindestens 2012 fortsetzen könnten, weil frühestens dann neue Kraftwerke ans Netz gehen. Zurzeit soll der staatseigene Stromkonzern Eskom durch Wartung und Pannen nur 34 seiner 52 Generatoren am Netz haben. Viel wird hinsichtlich der Preisentwicklung am Platinmarkt auch künftig von den Stromzuteilungen an die Minenindustrie abhängen.


Kasten  Infografik: Schwacher Dollar mildert Preiswirkung


Analysten sind sich in der Beurteilung der Stromprobleme allerdings nicht ganz einig. Heye Daun von Bright Blue Resources in Kapstadt hält das Ausmaß der Elektrizitätsprobleme für übertrieben. Er prophezeit unter anderem deshalb einen Rückgang des Platinpreises. Zu dem Preisrückgang wird laut Daun beitragen, dass die Schmuckindustrie ihre Käufe drosselt. Die Branche ist immerhin für fast die Hälfte aller Platinkäufe verantwortlich. Im Gegensatz zur Autobranche, dem zweiten großen Nachfrager, sei die Schmuckindustrie äußerst preisempfindlich. Steige der Preis zu stark, falle die Nachfrage sofort. Laut Daun werde es daher auch nicht zu dem von anderen Analysten erwarteten Defizit von 500 000 Unzen kommen. 2007 traf eine Weltnachfrage von 6,9 Mill. Unzen auf ein Angebot von nur 6,6 Mill. Unzen Platin.

Allerdings profitiert Platin auf der Nachfrageseite auch von den immer schärferen Abgasverordnungen in Nordamerika und Europa. Denn der Rohstoff findet vornehmlich in Autokatalysatoren Verwendung. Im Gegensatz zu anderen Metallen kommt ihm damit eine quasi per Gesetz garantierte Nachfrage zugute. Anders als Daun glaubt so etwa der unabhängige südafrikanische Analyst Rene Hochreiter, dass das Defizit am Platinmarkt nicht nur andauern sondern bis 2010 sogar auf rund 700 000 Unzen und bis zum Jahr 2015 womöglich auf zwei Mill. Unzen steigen könnte. Allerdings müssten die großen Produzenten am Kap dafür bedeutend weniger Platin als geplant fördern.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Was den Platinpreis noch mehr als die Finanzkrise treibt.

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