0 Bewertungen
18.12.2007 

Doch auch hier warnt Michael Lewis: Beide Metalle würden 2008 als erste des Sektors Angebotsüberschüsse aufweisen, nicht zuletzt wegen der erweiterten Produktionskapazitäten Chinas. Bei Aluminium werde das Riesenreich dagegen ab dem zweiten Halbjahr als Netto-Importeur am Weltmarkt auftreten. Tobias Merath von der Credit Suisse räumt hingegen eher Kupfer gute Chancen ein; China könnte dem meistgehandelten Industriemetall, durch steigende Importe neuen Auftrieb geben. Die Mehrheit der Analysten sieht allerdings bei Aluminium das größte Aufwärtspotenzial 2008.

Die auf der Rohstoffkonferenz von Barclay Capital in New York versammelten Spezialisten ziehen daraus ihre eigenen Schlüsse. 60 Prozent von ihnen wollen ihre Anlagen in Rohstoffe künftig noch gezielter als bisher „strukturieren“, statt etwa „pauschal“ in Indexprodukte zu investieren. Merrill Lynch rät für das kommende Jahr zu Nickel. Der Preis für das Legierungsmetall sei weit genug gefallen und könne schon bald von „einer nachhaltigen Erholung“ profitieren. Die Hersteller von Edelstahl – die 60 Prozent des gesamten Nickelangebots aufnehmen – würden nach einem aggressiven Lagerabbau schon bald zu ihrem normalen Produktionsvolumen zurückkehren.

Einhellig optimistisch sehen die Experten den Agrarsektor. Der Optimismus ruht nicht zuletzt auf den jüngsten Ernte- und Vorratsschätzungen des US-Agrarministeriums. Danach sind die Welt-Weizenvorräte auf den niedrigsten Stand seit 34 Jahren abgesackt. Und die Bestände an Sojabohnen drohen 2007/08 angesichts der geringeren Ernte in den USA und befürchteter Dürreschäden in Brasilien und Argentinien um fast 70 Prozent schrumpfen. Verschärft wird die Situation durch den rapide wachsenden Bedarf Chinas. Das Land habe seine Sojabohnen-Einfuhren aus den USA seit September um fast 30 Prozent gesteigert.

Die Mais-Investoren ziehen ihren Optimismus aus der Verarbeitung des Getreides zu Ethanolkraftstoff. 2009/10 wird nach Schätzungen des US-Agrarministerium ein größerer Teil der amerikanischen Ernte in die Ethanolherstellung gehen als in den Nahrungs- und Futtermittelsektor. Goldman Sachs rechnet wegen eines weltweiten Versorgungsdefizits bis Ende 2008 mit einem Maispreis von bis zu 5,30 Dollar je Bushel gegenüber heute knapp 4,50 Dollar. Sojabobohnen werden der Prognose zufolge von 11,50 auf gar 14,50 Dollar je Bushel steigen.

Bereits in diesem Jahr waren die Getreidepreise überdurchschnittlich stark gestiegen. Der Preis für US-Weizen hat sich verdoppelt sich, die Soja-Notierungen stiegen über 70 Prozent auf den höchsten Stand seit 34 Jahren und Mais hat sich seit Jahresbeginn um knapp 20 Prozent verteuert. Die Experten von Merrill Lynch sind daher etwas vorsichtiger in ihrer Prognose. Sie glauben, dass die Preise für Weizen und Mais 2008 „eine Atempause“ einlegen werden. Sojabohnen seien dagegen wegen der Verringerung der US-Anbaufläche um etwa ein Sechstel 2007/08 besser abgestützt als andere Getreide. Die Soja-Farmer waren im Frühjahr in großen Stil auf Mais umgestiegen, weil dessen Anbau zu der Zeit lukrativer erschien als die Einsaat von Weizen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Rohstoffe + Devisen Rubriken

Anzeige

Handelsblatt Experten + Meinungen

Markt-Monitor

Erholung ohne Aussagekraft  Artikel in Merkliste

05.01.2009 von Ralf Drescher

Fast zehn Prozent hat der Dax in den vergangenen Tagen gewonnen. Und die hoffnungsfrohen Kommentare zur Börse mehren sich. Doch Vorsicht ist angesagt: Noch steht die Erholung auf wackeligen Füßen. Schon nächste Woche, wenn die US-Unternehmen in die Berichtssaison starten, könnte die Stimmung wieder kippen. Kommentar

Breakingviews

Gasstreit: Fest auf dem Spielplan  Artikel in Merkliste

04.01.2009 von Pierre Briançon, breakingviews.com

Wie jedes Jahr haben Russland und die Ukraine wieder einmal die Bühne erklommen, um ihr fest im Spielplan verankertes Drama „Der Große Gasstreit“ aufzuführen. In dem Streit um die Erdgaslieferungen zwischen der Ukraine und der russischen Gazprom prallen zwei Monopole aufeinander – russisches Gas und ukrainische Pipelines. Kommentar