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11.07.2008 
Ölgeschäfte im Iran

Russland als lachender Dritter

von Mathias Brüggmann und Dirk Heilmann

Christophe de Margerie zieht die Notbremse: Der Chef des französischen Ölkonzerns Total hat die Förderprojekte des Konzerns im Iran gestoppt. Sollten auch andere dem politischen Druck nachgeben, freut sich ein Dritter - denn Europas Abhängigkeit von Russland vergrößert sich.

Total-Chef Christophe de Margerie hat die Notbremse gezogen: Am Donnerstag stoppte er die Förderproduktion des französischen Konzerns im Iran. Foto: apLupe

Total-Chef Christophe de Margerie hat die Notbremse gezogen: Am Donnerstag stoppte er die Förderproduktion des französischen Konzerns im Iran. Foto: ap

BERLIN/LONDON. Damit reagierte Total auf die Verschärfung des Konflikts um das Nuklearprogramm Teherans. Zugleich verschärft sich das Dilemma auf dem Weltmarkt für Öl und Gas, auf dem die Sorge über ein knappes Ölangebot zuletzt den Preis auf Rekordhöhe getrieben hat. Politische Konflikte sind der größte Bremsklotz für die Konzerne. Sie lähmen mit dem Iran und dem benachbarten Irak zwei der Staaten mit den größten Energiereserven der Welt.

Der Iran ist der zweitgrößte Ölexporteur im Opec-Kartell. Er hat nach eigenen Angaben eine Produktionskapazität von 4,35 Millionen Barrel (159-Liter-Fass) am Tag, fast halb so viel wie Saudi-Arabien. Bis 2014 will er sie auf 5,3 Mill. Barrel steigern. Die Gasexporte will Iran sogar auf das Zweieinhalbfache steigern. Doch dafür braucht der fundamentalistische Staat Hunderte von Milliarden Dollar aus dem Ausland.

Die USA haben gegen den Iran Sanktionen verhängt, um ihn von seinem Nuklearprogramm abzubringen. US-Ölkonzerne dürfen hier nicht tätig werden. Nun geben auch europäische Konzerne dem Druck nach. Sie haben zwar schon Milliarden in die Erschließung von Öl- und Gasfeldern investiert, fürchten aber großen politischen Schaden. Eine Total-Sprecherin gestand am Donnerstag ein, es sei keine gute Zeit für Investitionen im Iran.

Europas größter Ölkonzern Royal Dutch Shell verhandelt gerade mit dem Iran darüber, seinen Block "South Pars 13" im Persischen Golf gegen ein anderes, später zu erschließendes Gasfeld einzutauschen. Offiziell sind dafür kommerzielle Gründe ausschlaggebend, doch mit der Verschiebung kauft sich Shell Zeit. "Wenn wir die endgültige Entscheidung treffen, dann werden wir politische Erwägungen einbeziehen", sagt eine Sprecherin.

Shells spanischer Partner Repsol hat noch nicht über sein weiteres Vorgehen entschieden. Der italienische Energiekonzern Eni und die norwegische Statoil Hydro wollen ihre Verträge einhalten, aber keine neuen abschließen.

Der Iran kündigte trotzig an, er werde die Entwicklung des Gasfeldes South Pars auch ohne Total vorantreiben. Ölanalysten in Teheran warnten aber, dass die Ausbaupläne des nationalen Energiekonzerns NIOC ins Stocken gerieten und der Ölausstoß der veralteten Anlagen fallen werde. Schon mehrfach habe der Iran seine Produktionsziele verfehlt, sagt Ölanalyst Manouchehr Takin vom Zentrum für Globale Energiestudien (CGES) in London. Russische und asiatische Firmen sprängen als Partner ein, doch das bedeute Verzögerungen und den Verzicht auf Spitzentechnologie. Das Problem für Europa: Wenn russische Konzerne wie Gazprom bei der Erschließung helfen, dann werden sie auch das Gas vermarkten. Die Hoffnung stirbt, dass iranisches Gas die Abhängigkeit von Russland verringern könnte.

Auch beim Nachbarn Irak, Besitzer der drittgrößten Ölreserven der Welt, geht es nur sehr zäh voran. Ende Juni wollte die Regierung als ersten Schritt eine Reihe von technischen Unterstützungsverträgen mit westlichen Konzernen schließen. Sie sollen helfen, die Ölanlagen zu reparieren und die Produktion um eine halbe Million Barrel am Tag auf rund drei Millionen zu steigern. Die Verträge verzögern sich - Shell-Chef Jeroen van der Veer hofft, nur um einige Wochen.

Als nächsten Schritt will Bagdad dann erste Lizenzen für die Erschließung neuer Öl- und Gasfelder vergeben. Die Regierung hofft, die Produktion bis 2012 auf sechs Mill. Barrel zu steigern. 34 internationale Konzerne haben sich beworben, darunter die BASF-Tochter Wintershall. Allerdings fehlt noch immer ein Ölgesetz, das den Zugang zu den Quellen regelt und die Öleinnahmen zwischen den Provinzen und den Volksgruppen teilt. Im Kurdengebiet im Norden und im schiitisch dominierten Südirak liegen die Hauptölfelder. Sollten die Sunniten leer ausgehen, könnten die ethnischen Spannungen neu angefacht werden, warnt Greg Muttitt von der Nichtregierungsorganisation Platform.

Die beiden potenziell bedeutenden Energielieferanten Iran und Irak sind also aus unterschiedlichen politischen Gründen gelähmt. Kein Wunder, dass Opec-Vertreter immer wieder von den USA eine andere Nahostpolitik als bestes Mittel gegen steigende Ölpreise fordern. Total-Chef de Margerie versteht das. "Man nimmt zwei wichtige Staaten aus dem System, und dann sagt man: ,Es gibt nicht genug Öl und Gas'", sagte er im Interview mit der "Financial Times". "Oh, welche Überraschung."

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