Der Iran kündigte trotzig an, er werde die Entwicklung des Gasfeldes South Pars auch ohne Total vorantreiben. Ölanalysten in Teheran warnten aber, dass die Ausbaupläne des nationalen Energiekonzerns NIOC ins Stocken gerieten und der Ölausstoß der veralteten Anlagen fallen werde. Schon mehrfach habe der Iran seine Produktionsziele verfehlt, sagt Ölanalyst Manouchehr Takin vom Zentrum für Globale Energiestudien (CGES) in London. Russische und asiatische Firmen sprängen als Partner ein, doch das bedeute Verzögerungen und den Verzicht auf Spitzentechnologie. Das Problem für Europa: Wenn russische Konzerne wie Gazprom
bei der Erschließung helfen, dann werden sie auch das Gas vermarkten. Die Hoffnung stirbt, dass iranisches Gas die Abhängigkeit von Russland verringern könnte.
Auch beim Nachbarn Irak, Besitzer der drittgrößten Ölreserven der Welt, geht es nur sehr zäh voran. Ende Juni wollte die Regierung als ersten Schritt eine Reihe von technischen Unterstützungsverträgen mit westlichen Konzernen schließen. Sie sollen helfen, die Ölanlagen zu reparieren und die Produktion um eine halbe Million Barrel am Tag auf rund drei Millionen zu steigern. Die Verträge verzögern sich - Shell
-Chef Jeroen van der Veer hofft, nur um einige Wochen.
Als nächsten Schritt will Bagdad dann erste Lizenzen für die Erschließung neuer Öl- und Gasfelder vergeben. Die Regierung hofft, die Produktion bis 2012 auf sechs Mill. Barrel zu steigern. 34 internationale Konzerne haben sich beworben, darunter die BASF
-Tochter Wintershall. Allerdings fehlt noch immer ein Ölgesetz, das den Zugang zu den Quellen regelt und die Öleinnahmen zwischen den Provinzen und den Volksgruppen teilt. Im Kurdengebiet im Norden und im schiitisch dominierten Südirak liegen die Hauptölfelder. Sollten die Sunniten leer ausgehen, könnten die ethnischen Spannungen neu angefacht werden, warnt Greg Muttitt von der Nichtregierungsorganisation Platform.
Die beiden potenziell bedeutenden Energielieferanten Iran und Irak sind also aus unterschiedlichen politischen Gründen gelähmt. Kein Wunder, dass Opec-Vertreter immer wieder von den USA eine andere Nahostpolitik als bestes Mittel gegen steigende Ölpreise fordern. Total-Chef de Margerie versteht das. "Man nimmt zwei wichtige Staaten aus dem System, und dann sagt man: ,Es gibt nicht genug Öl und Gas'", sagte er im Interview mit der "Financial Times". "Oh, welche Überraschung."
