Traditionelle Münzsammler mag die Schönheit des Silberadlers beeindrucken, den eine von der Regierung herausgegebene Broschüre als "eine der schönsten Münzen, die je geprägt wurden", preist. Doch Linda Wood interessiert sich wenig für die Ästhetik der Geldstücke. "Es wäre mir völlig egal, wenn sie hässlich wären", sagt sie. "Ich will nur das Silber." Wood wurde zur Silbersammlerin, nachdem sie und ihr Mann feststellten, dass der Wert ihrer privaten Altersvorsorgekonten um 2 500 Dollar geschrumpft war.
Auch zweifelhafte Geschäftemacher versuchen, Profit aus der Knappheit der Münzen zu schlagen. Manche verlangen 25 Euro und mehr für einen Silberadler. Richter Roland musste kürzlich einen Monat lang auf eine Lieferung von Münzen warten, die er bei einem Ebay
-Händler bestellt hatte. Der Grund: Der Verkäufer hatte die Ware selbst noch gar nicht bekommen. "Ich kann nicht so lange warten, denn man weiß nie, wohin der Preis geht", sagt Roland.
Münzhändler Dan Zirk aus Manitowoc
im Bundesstaat Wisconsin verkaufte bislang im Vergleich zum vergangenen Jahr doppelt so viele Silbermünzen. Jetzt hat er nur noch eine Handvoll Münzen von 2008 übrig. Und die will er erst einmal nicht verkaufen. Er setzt auf steigende Preise. "Ich will 22 Dollar das Stück", sagt Zirk. Mittlerweile fragen seine Kunden auch nach Prägungen aus früheren Jahren und nach anderen Silberartikeln.
Einige Investoren meinen aber, dass diese Entwicklung bei den Silberpreisen nicht gut gehen kann. Sie erinnern an ein ähnliches Szenario in den 70er-Jahren. Damals steckte eine reiche texanische Familie Milliarden Dollar in Silber und trieb damit die Preise in die Höhe, so dass 1980 eine Unze 50 Dollar kostete. Nachdem die Regierung intervenierte, fiel der Preis aber schlagartig wieder. "Was heute passiert, ist ganz ähnlich wie damals, als die Gebrüder Hunt versuchten, den Silbermarkt aufzukaufen", sagt Wendell Curry, Inhaber der Firma Mc Allen Gold & Silver Exchange im texanischen McAllen. "Jetzt versuchen die Silbergeier, die amerikanischen Silberadler aufzukaufen. Und sie machen es damit Großeltern schwerer, die solche Münzen gerne ihren Enkeln schenken würden." Wall Street Journal
Rare Münze
Knappe RohlingeDie Erfolgsgeschichte des Silberadlers begann 1986, als die US-Regierung die Münze erstmals prägen ließ. Die Münzen werden in einem gut gesicherten Gebäude gleich neben der Militärakademie West Point im Bundesstaat New York hergestellt. Nach Angaben von Händlern sind dort die Rohlinge ausgegangen. Diese Rohlinge bezieht die Münzanstalt von anderen Firmen, die auch andere Prägeanstalten beliefert. Hier scheint der Engpass zu liegen, denn die Hersteller der Rohlinge sind offenbar überlastet. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es aber nicht.
Wilde SpekulationenDie Münzanstalt hatte schon einmal den Verkauf limitiert, nämlich Ende der 90er-Jahre. Damals kauften Investoren ebenfalls größere Mengen Silber, weil sie darauf spekulierten, dass beim Jahreswechsel 1999/2000 viele Computer abstürzen würden und dadurch eine weltweite Wirtschaftskrise ausgelöst würde. Die Wette schlug fehl.
Kanadische Alternative Angelockt durch den hohen Silberpreis (s. Grafik) kaufen die Investoren auf der Suche nach Alternativen nun verstärkt kanadische Münzen.
