Viele Rohstoffe werden nicht an der Börse gehandelt, sind in den letzen Jahren dafür aber umso deutlicher im Preis gestiegen. Manche der sogenannten strategische Metalle sind heute acht mal so teuer wie zu Beginn des Jahrtausends. Doch wie dieser Preis zustande kommt ist recht intransparent.
Teure Fieberthermometer: auch der Preis für Quecksilber ist in den letzten Jahren explodiert. Foto: dpa
FRANKFURT. Rohstoffe sind bekanntlich gefragt. Besonders gilt dies für Rohstoffe, die nicht an Börsen gehandelt werden. Seit dem Jahr 2000, als die aktuelle Hausse begonnen hat, sind diese Rohstoffe meist noch stärker gestiegen als die breiten Rohstoffindizes. Die Indizes spiegeln die Preisentwicklung börsennotierter Grundstoffe wider. So zahlen Abnehmer für viele der seltenen Nebenmetalle heute Preise, die ein Vielfaches von dem ausmachen, was Käufer zu Beginn dieses Jahrtausends entrichten mussten.
Der Preis für Chrom hat sich in dieser Zeit in etwa verdreifacht. Indium ist um rund 850 Prozent und Kobalt um 450 Prozent gestiegen. Noch eindrucksvoller ist der Preisaufschwung am Markt für Molybdän: Das Nebenmetall kostet heute mehr als zehnmal so viel wie zu Anfang dieses Jahrtausends.
In diesem Kontext ist festzuhalten, dass diese "Minor Metals" in der Erdkruste in der Regel sehr selten vorkommen und meist als Beiprodukte der bekannten Buntmetalle aus dem Boden geholt werden. Diese Rohstoffe werden auch als strategische Metalle bezeichnet, weil sie zum einen meist in politisch instabilen Regionen zu finden sind und zum anderen oftmals in sensiblen Bereichen der Wirtschaft wie Luft- und Raumfahrt, Rüstungsindustrie und beim Bau von Kernkraftwerken eingesetzt werden.
"Die gestiegenen Preise haben das Geschäftsgebaren verändert", sagt Roland Mauss, Vorstandsvorsitzender der KMR Stainless AG. Die Käufer der Metalle seien oft nicht mehr bereit, längerfristige Verträge abzuschließen, weil sie fürchten, die höheren Kosten nicht weitergeben zu können. Man orientiere sich bei der Preisgestaltung nicht börsennotierter Metalle an Referenzpreisen wie sie in Europa von Platts und in Asien vom TexReport veröffentlicht werden.
Noch komplizierter ist die Preisgestaltung etwa bei Uran. "Nur fünf Prozent des physischen Handels findet am Spotmarkt statt", sagt Simon Tam, Gründer und Vorstandschef des kanadischen Explorationsunternehmens Xemplar Energy, das in Namibia nach Uran sucht. Nach Angaben von Klaus Lohrey vom Uranhändler Nukem in Alzenau lag der Spotmarkt-Anteil früher nicht selten über 25 Prozent. "Die heute geringere Bedeutung des Spotmarktes zeigt die Verknappung des Rohstoffs Uran", sagt Tam.
Uran wird als standardisierter Terminkontrakt zwar auch an der New York Mercantile Exchange gehandelt, doch ermöglicht dieser Futureskontrakt lediglich eine Barabwicklung und keine physische Lieferung. Der größte Teil der weltweiten Uranproduktion wird von Minen über langfristige Verträge an Atomkraftwerke geliefert. Wegen der Gefahr des Missbrauchs von Uran hinsichtlich des Baus von Nuklearbomben wird der weltweite Handel kontrolliert. "Der Versand radioaktiven Materials ist stark reglementiert", sagt Lohrey.
Der Nukem-Experte glaubt, dass der Uranpreis in nächster Zeit wieder anziehen wird, weil sich die seit Jahren bestehende Lücke zwischen Angebot und Nachfrage ausweiten dürfte. Uranproduzenten seien in den Gesprächen mit ihren Abnehmern - den Betreibern von Atomkraftwerken also - jüngst dazu übergegangen, Lieferverträge auf Basis aktueller Marktpreise abzuschließen. "Das aber ist etwas, was Energieversorger in diesem Umfeld hoher Preise nicht mögen", so Lohrey.
Was für diese Metalle gilt, trifft auch für andere nicht börsengehandelte Rohstoffe wie Düngemittel zu. Allein im Verlauf dieses Jahres ist der Preis für Diammonium Phosphat (DAP) - einem der weltweit populärsten Düngemittel - um mehr als 180 Prozent gestiegen. Kräftig aufwärts ging es in diesem Kontext auch mit dem Kalipreis. Die Preisentwicklung für diese Rohstoffe orientiert sich vor allem an den fundamentalen Faktoren von Angebot und Nachfrage.
Die von supranationalen Organisationen wie der Weltbank aufgezeigte Gefahr von Hungersnöten in den Schwellenländern hat die Notwendigkeit zur Ausweitung der globalen Agrarproduktion aufgezeigt. Da die Düngung vorhandener landwirtschaftlicher Flächen eine Möglichkeit zur Optimierung der Ernte-Erträge ist, klettert die Nachfrage nach Düngemitteln seit einiger Zeit kräftig in die Höhe. Dies wiederum versetzt die Düngemittelproduzenten in die Lage, ihre Preise überdurchschnittlich anzuheben. Zuletzt wurde bekannt, dass Kaliproduzenten langfristige Lieferverträge mit chinesischen Abnehmern abgeschlossen haben, deren Preise um mehr als das Doppelte über dem Vorjahr liegen.
Dass das Geschäft mit nicht börsennotierten Rohstoffen oft nicht soliden kaufmännischen Gebräuchen folgt, ist aus Anrufen zu ersehen, in denen Vermittler russisches Quecksilber anbieten - zu einem deutlich unter dem aktuellen Marktniveau liegenden Preis, versteht sich.
