Als eine Art von gleichberechtigter Partnerschaft, so sah die Opec die Beziehung zu ihren Kunden immer gern: Die Kunden brauchen Liefersicherheit und gute Preise, die Produzenten stetige Einnahmen. Dass das Kartell aber die Macht hatte, ließ es die Industrieländer immer mal wieder spüren.
Doch die Opec-Männer sind nervös. Die Zeiten, in denen sie fast alleine den Ölpreis bestimmen konnten, sind vorbei. In den 70er-Jahren stammten bis zu 70 Prozent des weltweit produzierten Öls von der Opec – heute sind es nur noch 40 Prozent. „Historisch gesehen ist die Opec heute in einer relativ schwachen Position“, sagt Gernot Klepper, Ölmarktexperte am Institut für Weltwirtschaft. Damals spielte die Opec ihren riesigen Kapazitätsüberschuss aus. Heute fördert sie am Limit ihrer Kapazität. Sie könnte das Angebot selbst dann nicht erhöhen, wenn sie es wollte.
Viele Opec-Mächtigen wollen das noch nicht recht wahrhaben. Abdallah Jum’ah, Chef von Saudi-Aramco steht auf dem Podium in Rom, hat die linke Hand in der Hosentasche und lässt die Rechte kreisen: „Es sind genug Ressourcen und förderbare Reserven für 100 oder 200 Jahre vorhanden.“ Sein Konzern ist der größte Öl-förderer der Welt – und sie gehört dem Land mit den größten Reserven.
Jum’ah nennt Zahl über Zahl, Milliarden über Billionen. Er rechnet vor, wie viel Öl noch in den herkömmlichen Feldern steckt. Es gebe noch sechs bis acht Billionen Barrel Öl in konventionellen Feldern. Hinzu kämen sieben bis acht Billionen Barrel in Ölsänden, Ölschiefer und anderen Quellen. Die IEA schätzt die Weltreserven gerade mal auf 1,5 Billionen Barrel. Egal, Jum’ah ist in Fahrt: Lege man den bisherigen Welt-Gesamtverbrauch von 1,1 Billionen Barrel zugrunde, seien also erst sieben bis acht Prozent verbraucht.
Überhaupt: Anfang der 80er habe man die Reserven auf 667 Milliarden geschätzt, bis 2000 seien 668 Millarden verbraucht worden. „Demnach müssten wir also inzwischen ohne Öl leben“, sagt der Saudi süffisant.
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