Das ungestüme Anlegerinteresse treibt nicht nur die Preise für Weizen, Sojabohnen, Reis und Mais von Rekord zu Rekord. Auch die Genussmittel Kaffee und Kakao sind wieder zu einem Spekulationsobjekt geworden. Beflügelt wird die Phantasie der Investoren durch die „fundamentals“, das grundlegende Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage.
LONDON. An der New Yorker ICE, International Commodities Exchange, stieg der Preis für Kakao auf den höchsten Stand seit 24 Jahren, der für hochwertige Arabica-Kaffees zog auf ein Zehnjahreshoch an.
„Bei Kakao sind die Probleme der Elfenbeinküste die treibende Kraft hinter den fast ununterbrochenen Preissteigerungen der letzten Wochen“, sagt Sudakshina Unnikrishnan von Barclays Capital. Streiks an der dortigen Kaffee- und Kakaobörse, des bei weitem größten Kakaoexporteurs – 40 Prozent des Weltangebots –, hätten die Exporte des Landes erheblich beeinträchtigt. Außerdem habe es in den Hauptanbaugebieten seit über einem Monat nicht geregnet.
Zusätzliche Nahrung erhielt die Spekulation durch rückläufige Lieferungen Kameruns, des viertgrößten Kakaoexporteurs am Weltmarkt. Seit Jahresbeginn sind die Kakaopreise daher um fast ein Viertel gestiegen. „Das ist wohl eine der nachhaltigsten Preissteigerungen seit 20 Jahren“, meint ein Händler. Binnen Jahresfrist hat sich Kakao um gar 42 Prozent verteuert.
Für einen weiteren Anstieg des Kakaopreises sprechen nach Ansicht der Analysten der Londoner Brokerfirma Sucden auch die wachsenden Märkte in Mittel- und Osteuropa, wo zunehmend in die Kakaoverarbeitung investiert werde. Die größten Importeure von Kakaobohnen sind nach wie vor mit weitem Abstand die Niederlande, die USA und Deutschland.
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Jonathan Bristow von Bache Financial blickt vor allem auf die Rolle der Spekulanten; als Preistreiber sieht er die Fonds. „Viel Geld ist aus den Aktien und Rentenmärkten herausgezogen worden, das jetzt bei Kaffee, Kakao und Baumwolle eine Anlage sucht“. Die Folge: Der Preis für den an der Londoner Liffe gehandelten Robusta-Kontrakt (Lieferung im Mai) stieg bis auf fast 2 500 Dollar je Tonne. Damit ist der Kaffee so teuer wie zuletzt vor zwölf Jahren. Seit Jahresbeginn hat sich Robusta-Kaffee, der qualitativ unter dem hochwertigen Arabica-Kaffee liegt, um etwa ein Viertel verteuert. Robusta wird hauptsächlich für löslichen Kaffee und Espresso benutzt. Bei den vorwiegend in Brasilien und Mittelamerika angebauten Arabicas war die Entwicklung der Preise zwar verhaltener, aber auch diese haben inzwischen den höchsten Stand seit zehn Jahren erreicht.
Nestor Osorio, Chef der Internationalen Kaffeeorganisation, ICO, in London zeigt sich mit der Marktentwicklung rundum zufrieden. Neben dem Einfluss der Spekulanten – gerade bei Robustas – begründet er die Preissteigerungen auch mit der angespannten Versorgungslage bei beiden Kaffeesorten. So seien die Unruhen in Kenia ein Marktfaktor. Sie beeinträchtigten nicht nur die Kaffee-Exporte dieses Landes, sondern auch die Ausfuhren des benachbarten Ugandas. Laut Andrew Kerr von Sucden versuchen die Röster, sich durch Zukäufe und den Kauf von Terminkontrakten vor weiteren Preissteigerungen zu schützen.
Weder ICO-Chef Osorio noch die Mehrzahl der Analysten rechnen bis auf Weiteres mit einer Entspannung des Marktes. Die Kaffee-Organisation prognostiziert für das laufende Wirtschaftsjahr 2007/08 einen Rückgang der Weltkaffeeproduktion. Die liege insbesondere an einer deutlich niedrigeren Ernte in Brasilien. Erwartet wird ein Rückgang um 7,4 Prozent auf 116 Mill. Sack (à 60 Kg). Der Verbrauch werde dagegen auf 123 Mill. Sack steigen. Daher werde bei dem gegenwärtigen Konsum die für 2008/09 erwartete Ernte von schätzungsweise 123 bis 126 Millionen Sack laut ICO wohl kaum ausreichen, um die knappe Versorgungslage am Markt zu beheben.
