Jonathan Bristow von Bache Financial blickt vor allem auf die Rolle der Spekulanten; als Preistreiber sieht er die Fonds. „Viel Geld ist aus den Aktien und Rentenmärkten herausgezogen worden, das jetzt bei Kaffee, Kakao und Baumwolle eine Anlage sucht“. Die Folge: Der Preis für den an der Londoner Liffe gehandelten Robusta-Kontrakt (Lieferung im Mai) stieg bis auf fast 2 500 Dollar je Tonne. Damit ist der Kaffee so teuer wie zuletzt vor zwölf Jahren. Seit Jahresbeginn hat sich Robusta-Kaffee, der qualitativ unter dem hochwertigen Arabica-Kaffee liegt, um etwa ein Viertel verteuert. Robusta wird hauptsächlich für löslichen Kaffee und Espresso benutzt. Bei den vorwiegend in Brasilien und Mittelamerika angebauten Arabicas war die Entwicklung der Preise zwar verhaltener, aber auch diese haben inzwischen den höchsten Stand seit zehn Jahren erreicht.
Nestor Osorio, Chef der Internationalen Kaffeeorganisation, ICO, in London zeigt sich mit der Marktentwicklung rundum zufrieden. Neben dem Einfluss der Spekulanten – gerade bei Robustas – begründet er die Preissteigerungen auch mit der angespannten Versorgungslage bei beiden Kaffeesorten. So seien die Unruhen in Kenia ein Marktfaktor. Sie beeinträchtigten nicht nur die Kaffee-Exporte dieses Landes, sondern auch die Ausfuhren des benachbarten Ugandas. Laut Andrew Kerr von Sucden versuchen die Röster, sich durch Zukäufe und den Kauf von Terminkontrakten vor weiteren Preissteigerungen zu schützen.
Weder ICO-Chef Osorio noch die Mehrzahl der Analysten rechnen bis auf Weiteres mit einer Entspannung des Marktes. Die Kaffee-Organisation prognostiziert für das laufende Wirtschaftsjahr 2007/08 einen Rückgang der Weltkaffeeproduktion. Die liege insbesondere an einer deutlich niedrigeren Ernte in Brasilien. Erwartet wird ein Rückgang um 7,4 Prozent auf 116 Mill. Sack (à 60 Kg). Der Verbrauch werde dagegen auf 123 Mill. Sack steigen. Daher werde bei dem gegenwärtigen Konsum die für 2008/09 erwartete Ernte von schätzungsweise 123 bis 126 Millionen Sack laut ICO wohl kaum ausreichen, um die knappe Versorgungslage am Markt zu beheben.
