Washington setzt 1989 umgehend Fahnder ein – zunächst ohne nennenswerte Erfolge. Gerüchte kursieren, die mal Iran, mal den Libanon, mal eine geheime Notenpresse aus DDR-Beständen als Quelle des „Superdollars“ nennen. Neun Jahre nach dem ersten Fund gerät russischen Ermittlern in Wladiwostok ein nordkoreanischer Diplomat in die Hände, der 30 000 gefälschte „Superdollar“ im Reisegepäck hat. Er läuft 2003 in den Westen über und erzählt, dass er persönlich bei der Herstellung der Fälschungen dabei gewesen sei. Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Il habe damit sein Salär aufbessern wollen. Interpol versendet später eine „orange notice“ – eine Botschaft, die auf eine besondere Bedrohung hinweist. Sie enthält, was im Herbst 2005 die US-Regierung offiziell vorträgt: Nordkorea, erklärt Washington erstmals offiziell, stelle die Blüten her.
Im Sommer vergangenen Jahres lädt Interpol Zentralbanken, Fahnder und Vertreter der Sicherheitsindustrie zu einer eintägigen Krisenkonferenz ein. Einziges Thema ist der „Superdollar“, von dem bislang laut US-Geheimdienst rund 50 Mill. sichergestellt worden sind, fünf Prozent davon allein in der Schweiz. Die Amerikaner breiten auf der Tagung ihre These von der „Pjöngjang Connection“ und dem „Wirtschaftskrieg gegen Amerika“ aus.
Der „Superdollar“ habe anderthalb Jahrzehnte nur Fahnder interessiert, schreibt Klaus Bender, Autor von Sachbüchern über die Hochsicherheitsindustrie. Präsident George W. Bush habe ihn dort weggeholt und zum „Eckpfeiler seiner Politik auf der koreanischen Halbinsel gemacht“, sagt Bender und deutet Parallelen an zur Irak-Politik der USA und der Behauptung, in dem Land hätten Massenvernichtungswaffen existiert. Und tatsächlich: Sollte Washington konkrete Beweise für die organisierte Geldfälscherei vorlegen können, wäre damit laut UN-Charta ein Kriegsgrund gegeben.
Bender hat jedoch Zweifel an der US-Theorie. Sein stichhaltigstes Argument: Bei den neuesten Noten wird Farbe eingesetzt, die nur unter Infrarotlicht sichtbar ist. Die Fälschungen sind mit der gleichen Farbe ausgestattet, allerdings weichen die Markierungen offenbar absichtlich voneinander ab, so dass jedes maschinelle Prüfsystem Original und Fälschung ohne weiteres auseinander halten kann. Der Autor stellt deswegen die Frage, ob nicht der US-Geheimdienst selbst Urheber der Fälschungen sei. „Die CIA könnte sich mit den Blüten Geldmittel für verdeckte Operationen beschaffen“, mutmaßt er.
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