Mit den Experten der Schweizer Bundeskriminalpolizei erhält Bender jetzt prominente Unterstützung. Die Schweizer sitzen zumindest indirekt an der Quelle: In Lausanne existieren mit KBA Giori und Sicpa zwei Firmen, die weltweit bei der Geldproduktion eine entscheidende Rolle spielen. KBA Giori baut Notenpressen, wie sie die US-Druckerei verwendet. Sicpa stellt geheime Sicherheitsfarbe her, die je nach Lichteinfallswinkel ihr Aussehen verändert. Auch sie findet sich auf der originalen und der gefälschten Dollarnote. Beide Firmen geben sich nach außen zugeknöpft.
Die schweizerischen Fahnder schreiben in ihrem jüngst veröffentlichten Bericht zum „Superdollar“, dass vieles dafür spreche, dass tatsächlich eine kriminelle staatliche Organisation die Blüten herstelle. Allein der „enorme Aufwand“ sei ein Indiz in diese Richtung. So haben die Fälscher alle 19 Änderungen am Original, die von der Notenbank seit dem ersten Auftauchen der perfekten Fälschung umgesetzt wurden, mitvollzogen. Und zwar ohne viel Zeit zu verlieren. Die Organisation unterliege außerdem offenbar einer Art Kontrolle. Ansonsten sei es nicht erklärbar, dass sie in den vergangenen fast 20 Jahren nicht viel mehr Blüten hergestellt habe und so die Amerikaner ernsthaft in Verlegenheit gebracht hätte.
Dass Nordkorea dahinter stecke, sei aber unwahrscheinlich: „Mit den aus den 70er Jahren stammenden Druckmaschinen stellt der Staat Nordkorea heute die eigene Währung in einer derart schlechten Qualität her, dass sich automatisch die Frage ergibt, ob dieser Staat überhaupt in der Lage ist, den qualitativ hoch stehenden ’Superdollar’ herzustellen“, heißt es im Bericht der Eidgenossen, die ihre Erkenntnisse umgehend dem US-Geheimdienst übermittelt haben. Dort allerdings stießen sie auf eine Mauer des Schweigens. „Jede Auskunft zum Fortgang der Ermittlungen wird abgelehnt“, lautet das bittere Fazit des Berichts aus Bern.
Achtung, Falschgeld
Sicherheitsmerkmale: Das Papier der US-Banknoten wird zu drei Vierteln aus amerikanischer Baumwolle und zu einem Viertel aus Leinen hergestellt. Auch der Superdollar weist dieses korrekte Mischverhältnis auf. Ebenso verfügt er über den Sicherheitsfaden aus Polyester sowie einen Aufdruck, der so klein ist, dass er nur unter dem Mikroskop zu erkennen ist.
Verdächtige: Sollte tatsächlich ein Staat hinter der Fälschung stehen, erinnert das an die Geldfälschungs-Operationen der Nazis. Unter dem Codenamen „Andreas“ stellten sie bis 1941 rund drei Mill. Pfund her, die das britische Finanzsystem zu Fall bringen sollten. Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Il galt langer Zeit als Hauptverdächtiger im „Superdollar-Fall“. Schweizer Ermittler bezweifeln das mittlerweile: Nordkoreas Druckmaschinen sind veraltet. Damit eine so perfekte Blüte wie den „Superdollar“ herzustellen, ist den Ermittlern zufolge nicht möglich.
