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22.05.2007 
Exporte schrumpfen

Weniger Kaffee aus Brasilien

von Alexander Busch

Der Klimawandel macht auch vor den Kaffeeplantagen Südamerikas nicht Halt. Experten sehen durch steigende Temperaturen den Anbau der weltweit beliebtesten Bohnen bedroht. Aber auch der Boom eines anderen Gewächses veranlasst die Bauern zu einem Wechsel.

SAO PAULO. Es hat schon fast Tradition: Bevor im Mai die Kaffeeernte in Brasilien beginnt, streiten sich Verbände und Institute um die Prognosen für den Ertrag. Branchenverbände werden dabei meist verdächtigt, die Schätzungen möglichst tief anzugeben, um die Preise auf dem Weltmarkt zu erhöhen. Denn Brasilien ist der mit Abstand größte Kaffeeexporteur weltweit und diktiert den Weltmarktpreis.

Ernteprognosen, Kältewellen oder Dürremeldungen aus Brasilien lassen daher die Quotierungen an der Terminbörse in New York blitzschnell abstürzen oder steigen. Diesmal gab das staatliche Versorgungsinstitut Conab die Ernteschätzung 2007/8 im April mit maximal 32,2 Mill. Sack (60 Kg) an. Das wäre fast ein Viertel weniger als im Jahr zuvor. Das staatliche Statistikamt IBGE dagegen erwartet in seiner Prognose, dass Brasilien dieses Jahr 36,6 Mill. Sack produzieren wird, die Ernte also nur zwölf Prozent geringer ausfallen würde als in der letzten Saison. Prompt meldete sich der nationale Kaffeerat CNC, in dem die mächtigen Kaffeekooperativen organisiert sind, zu Wort und forderte, dass das Statistikamt seine Erhebungsmethoden veröffentlichen sollte. Nur die Conab sei legitimiert, Schätzungen für die Branche zu veröffentlichen. „Tendenziöse Ernteprognosen schaden den Farmern“, heißt es beim Kaffeerat CNC.

Die Märkte spiegeln allerdings eindrucksvoll wider, wem Analysten, Händler und Einkäufer mehr Vertrauen schenken: Der Kaffeepreis für Arabica ist seit Oktober kontinuierlich gesunken auf rund 100 US-Cents/Pfund – ein Neun-Monats-Tief. „Es scheint, dass die Märkte die Conab-Prognosen nicht Ernst nehmen und mit einer höheren Ernte rechnen“, sagt ein Händler in São Paulo. Ganz unrealistisch erscheinen deshalb auch die Exportprognosen des CNC noch im März, wonach Brasilien dieses Jahr nicht mehr als 20 Mill. Sack exportieren wird, nach noch 27,5 Mill. Sack im vergangenen Jahr. Der Rat der Kaffeeexporteure Cecafé hat gerade eine realistischer klingende Prognose veröffentlicht: Danach wird Brasilien in der jetzigen Saison 25 Mill. Sack ausführen.

Dennoch ist Konsens, dass Brasiliens Ernte niedriger ausfallen wird. Das liegt einerseits an der Kaffeekultur, bei der regelmäßig nach einer großen, eine schwache Ernte folgt. Außerdem haben die Dürre von März bis September vergangenen Jahres den Ertrag genauso verringert, wie die hohen Niederschläge zum Jahreswechsel, die Krankheiten in den Plantagen auslösten.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Alkohol nimmt immer mehr die Rolle ein, die früher Kaffee in der Landwirtschaft besaß“

Doch auch ganz unabhängig von einer aktuellen Verringerung der Ausfuhren, gibt es gute Gründe dafür, dass die brasilianischen Kaffee-Exporte künftig grundsätzlich niedriger ausfallen. Dafür sprechen zum einen der Klimawandel, der Zuckerboom, aber auch der steigende Kaffeekonsum im Land selbst.

Die Farmer im traditionellen Kaffeeanbaugebiet der Zona da Mata, nördlich von São Paulo, registrieren bereits steigende Temperaturen. Der Anbau des qualitativ hochwertigen Arabica-Kaffees ist dort nur noch in Höhen von über 500 Metern sicher. In tieferen Lagen stellen die Kaffeefarmer wegen zu hoher Temperaturen auf Eukalyptus oder Viehzucht um. Das Agro-Forschungsinstitut Embrapa konzentriert sich jetzt darauf, hitzeresistente Arabica-Sorten zu entwickeln. Das staatliche Institut schätzt, dass beim Ansteigen der Durchschnittstemperatur um nur ein Grad ein Viertel der Kaffeeplantagen eingehen würden. Eine Alternative wäre der Anbau der resistenteren Robusta-Sorten. Derzeit produziert Brasilien rund 30 Prozent Robusta- und 70 Prozent Arabica-Kaffee.

Zudem nimmt die Konkurrenz mit anderen Kulturen zu: Wegen des Zucker-Ethanol-Booms pflanzen immer mehr Farmer Zuckerrohr statt Kaffee an. Im Bundesstaat São Paulo hat sich die Kaffee-Anbaufläche dieses Jahr um 4,7 Prozent reduziert, die Produktion wird gar um 25 Prozent fallen, erwartet das Landwirtschaftssekretariat. „Alkohol nimmt immer mehr die Rolle ein, die früher Kaffee in der Landwirtschaft besaß“, sagt Luiz Hafers von der Landwirtschaftgesellschaft Sociedade Rural Brasileira (SRB) in São Paulo. „Wir erleben einen dramatischen Wandel.“

Auch der kontinuierlich steigende Eigenkonsum der Brasilianer könnte die Exportfähigkeit des Landes reduzieren. Wegen der steigenden Massenkaufkraft könnte der Konsum bis 2010 von heute 16 Mill. auf 20 Mill. Sack steigen.

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