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07.07.2008 
Streit auf dem Weltölgipfel

Wie viel Öl braucht die Welt?

von Dirk Heilmann

Die Stimmung auf dem Weltölgipfel in Madrid ist angespannt: Die ölkonsumierenden Ländern fordern, dass mehr Erdöl gefördert wird und verärgern damit die Ölproduzenten. Denn die halten die Ölfördermenge für ausreichend und machen vor allem politische Probleme für den hohen Preis verantwortlich.

Wie weit soll der Ölhahn aufgedreht werden? Eine Frage, die den Weltölgipfel spaltet. Foto: dpaLupe

Wie weit soll der Ölhahn aufgedreht werden? Eine Frage, die den Weltölgipfel spaltet. Foto: dpa

MADRID. Ölstaaten und Verbraucherländer reagieren mit gegenseitigen Schuldzuweisungen auf das magere Wachstum der Öl- und Gasproduktion. Die Organisation der Konsumentenländer, die Internationale Energie-Agentur (IEA), revidierte in der vergangenen Woche ihre Erwartungen für die Ölförderung der kommenden Jahre deutlich nach unten. Das reizte die Produzentenorganisation Opec, die sich zu Unrecht am Pranger sieht. Ihre Vertreter kritisierten auf dem Weltölkongress in Madrid ihre Hauptkunden mit deutlichen Worten. Chefs großer Ölkonzerne sehen politische Versäumnisse auf beiden Seiten als wichtigsten Grund für absehbare Engpässe.

Die IEA erwartet, dass die Öl- und Gasproduktion in den kommenden beiden Jahren noch spürbar steigt, ab 2011 aber ab kaum noch (siehe „Bis 2013 bleibt die Lage am Markt gespannt“). Die Pariser Organisation hat dabei die angekündigten Produktionssteigerungen im Irak und in Saudi-Arabien nicht voll in ihre Prognosen einbezogen, wie ihr Exekutivdirektor Nobuo Tanaka sagte. Während das angesichts der Sicherheitslage für den Irak eine nachvollziehbare Vorsichtsmaßnahme ist, fühlen sich die Saudis vor den Kopf gestoßen. Die Schätzungen der IEA seien rein willkürlich, beschwerte sich Opec-Generalsekretär Abdullah El-Badri. Er sieht sie als Schwarzmalerei, die die Spekulanten in ihrem Tun bestätigt. Mit den steigenden Ölpreise beschäftigt sich auch die G8 in Tokio.

„Wir sind verärgert, weil wir investieren und mehr produzieren, als der Markt braucht“, so El-Badri. Währenddessen habe sich der Preis von den Fundamentaldaten entkoppelt. Bis 2020 werde die Opec bis zu 300 Mrd. Dollar investieren. Dabei sei nicht einmal klar, ob überhaupt so viel zusätzliches Öl und Gas nachgefragt werde.

Während die westlichen Industriestaaten über die Versorgungssicherheit debattieren, drehten Opec-Vertreter in Madrid den Spieß um und forderten Nachfragesicherheit. Ihre Sorge ist es, dass die Ölimporteure angesichts der Rekordpreise mit Nachdruck alternative Energien für Verkehr und Stromerzeugung entwickeln. „Die Ölproduktion wird ihren Höhepunkt überschreiten, aber nicht wegen eines Mangels an Reserven, sondern wegen neuer Technologien, die die Ölnachfrage vermindern“, sagte Opec-Präsident Chakib Khelil voraus.

Saudi-Arabien – der größte Ölproduzent mit den mit Abstand größten Reserven – hat unter anderem deshalb bereits die langfristigen Nachfrageprognosen deutlich zurückgenommen. Er kündigte in Madrid zwar massive Investitionen an, aber Ölminister Ali Al-Naimi sieht keinen Grund, die Produktion über die für 2009 geplanten 12,5 Mill. Barrel am Tag hinaus zu erweitern. Dahinter steht nicht nur die Sorge vor einem Nachfrageknick, sondern auch die Vorgabe des Königshauses, Reserven für künftige Generationen im Boden zu lassen.

Kritik an mangelndem Engagement kontert die Opec außerdem immer häufiger mit dem Hinweis auf die potenziell enormen ungenutzten Ölreserven in den USA. Dort ist die Suche nach Öl und Gas in weiten Teilen des Landes wie auch vor der gesamten Ost- und Westküste aus Umweltschutzgründen verboten. Auch an Land ist sie stark eingeschränkt. Laut Geologen wären in Alaska noch große Vorkommen zu finden.

Politische Hindernisse ganz anderer Art gibt es in Russland, wo eine faktische Nationalisierung der Öl- und Gasindustrie eine Stagnation und nun sogar einen Rückgang der Produktion nach sich zog. Noch dazu bremsen hohe Steuersätze neue Projekte. Verstaatlichungen gab es auch in anderen Ländern, etwa in Venezuela. Nigeria bleibt wegen anhaltender Unruhen und wegen der Unlust der Regierung, sich an Investitionen zu beteiligen, hinter seinen Möglichkeiten zurück.

All das sind Gründe dafür, dass Manager großer Ölkonzerne wie BP-Chef Tony Hayward klagen, das Hauptproblem der Ölindustrie seien politische Hürden. Sie hinderten Know-how und Kapital daran, dorthin zu fließen, wo sie am meisten bewirken könnten. Diese Klagen kontern Opec-Vertreter mit dem Verweis auf politische Hürden ganz anderer Art: Der Irak und Iran, die Länder mit den dritt- und viertgrößten Ölreserven der Welt, produzierten schließlich als Folge der US-amerikanischen Nahostpolitik weit weniger, als sie eigentlich könnten.

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