Kritik an mangelndem Engagement kontert die Opec außerdem immer häufiger mit dem Hinweis auf die potenziell enormen ungenutzten Ölreserven in den USA. Dort ist die Suche nach Öl und Gas in weiten Teilen des Landes wie auch vor der gesamten Ost- und Westküste aus Umweltschutzgründen verboten. Auch an Land ist sie stark eingeschränkt. Laut Geologen wären in Alaska noch große Vorkommen zu finden.
Politische Hindernisse ganz anderer Art gibt es in Russland, wo eine faktische Nationalisierung der Öl- und Gasindustrie eine Stagnation und nun sogar einen Rückgang der Produktion nach sich zog. Noch dazu bremsen hohe Steuersätze neue Projekte. Verstaatlichungen gab es auch in anderen Ländern, etwa in Venezuela. Nigeria bleibt wegen anhaltender Unruhen und wegen der Unlust der Regierung, sich an Investitionen zu beteiligen, hinter seinen Möglichkeiten zurück.
All das sind Gründe dafür, dass Manager großer Ölkonzerne wie BP-Chef Tony Hayward klagen, das Hauptproblem der Ölindustrie seien politische Hürden. Sie hinderten Know-how und Kapital daran, dorthin zu fließen, wo sie am meisten bewirken könnten. Diese Klagen kontern Opec-Vertreter mit dem Verweis auf politische Hürden ganz anderer Art: Der Irak und Iran, die Länder mit den dritt- und viertgrößten Ölreserven der Welt, produzierten schließlich als Folge der US-amerikanischen Nahostpolitik weit weniger, als sie eigentlich könnten.
