Staatsanleihen
Die große Flucht in die Sicherheit

Staatsanleihen der Industrienationen waren die Überraschungssieger im vergangenen Jahr. Satte 12,4 Prozent brachten deutsche Bundesanleihen den Investoren laut Merrill Lynch ein. Denn zu den – mageren – Zinserträgen kamen die deutlichen Kursgewinne hinzu, die die Renditen der Bundesanleihen den Investoren laut Merrill Lynch ein.

FRANKFURT. Staatsanleihen der Industrienationen waren die Überraschungssieger im vergangenen Jahr. Satte 12,4 Prozent brachten deutsche Bundesanleihen den Investoren laut Merrill Lynch ein. Denn zu den – mageren – Zinserträgen kamen die deutlichen Kursgewinne hinzu, die die Renditen der Bundesanleihen auf historische Tiefs drückten. Ähnlich sah es in den USA aus, wo Anleger mit den Staatspapieren sogar 14,7 Prozent Gewinn machten. Auch die Renditen anderer Euro-Länder brachten Gewinne, aber weniger als die besonders gut handelbaren deutschen und amerikanischen Bonds.

Im Nachhinein betrachtet ist dies nicht verwunderlich angesichts der dramatisch eingebrochenen Aktienkurse und der sich zuspitzenden Finanzkrise, die in eine handfeste Rezession mündete. Dass es so weit kommt, hatte aber zu Beginn des Jahres niemand erwartet. Im immer unsicherer werdenden Umfeld suchten Investoren nach ausfallresistenten Anlagen, und da waren Staatspapiere erste Wahl – obwohl die Renditen schon Anfang vergangenen Jahres alles andere als üppig waren.

Anleihen abseits der sicheren Staatsbonds standen dagegen schlecht da. Am schlimmsten traf es Junk-Bonds – Anleihen von wenig kreditwürdigen Firmen – die Anlegern ein Minus von knapp 29 Prozent in den USA und 34 Prozent in Europa brachten. Bonds von Finanzdienstleistern und Unternehmen relativ guter Bonität im Bereich Investment-Grade bescherten den Investoren Verluste von im Schnitt 6,7 Prozent in den USA und 3,1 Prozent in Europa – woran vor allem die Bonds der von Krisen geschüttelten Banken Schuld waren.

Noch sehr viel härter traf es Anleihen von Schwellenländern – am schlimmsten die aus Südamerika, deren Gesamtverluste sich auf herbe 63 Prozent summierten. Wie die Bonds standen auch die Währungen der Schwellenländer unter massivem Druck. Hier wurden die Währungen der Rohstoffexporteure besonders gebeutelt – der brasilianische Real verlor zum Euro fast 21 Prozent, der russische Rubel rutschte um gut 13 Prozent ab. Zu den größten Verlierern gehörte die isländische Krone. Die Währung des zwischenzeitlich vor dem Kollaps stehenden Landes verlor zum Euro 46 Prozent.

Im Vergleich zum Dollar erlebte der Euro eine Berg- und Talfahrt. Im Sommer erreichte er ein Allzeithoch von knapp 1,60 Dollar, später drückten die massiven Zinssenkungen in den USA die europäische Gemeinschaftwährung. Auf Jahressicht verlor der Euro zum Dollar 2,9 Prozent. Zum japanischen Yen gab der Euro fast 22 Prozent nach. Im Vergleich zum britischen Pfund gewann er dagegen 33 Prozent und nähert sich nun der Parität.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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