1600 Genussrechteinhaber betroffen
Windwärts meldet Insolvenz an

Genau wie Prokon sammelte der Windkraft-Projektierer Windwärts Geld für den Bau von Windanlagen bei Privatpersonen ein – und hat nun auch Insolvenz angemeldet. Noch ist eine Rettung möglich.
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HannoverNach dem Windenergie-Unternehmen Prokon hat auch der niedersächsische Windkraft-Projektierer Windwärts Insolvenz angemeldet. Windwärts sammelte ebenso wie Prokon bei Privatpersonen Geld für den Bau von Windanlagen ein, allerdings in deutlich kleineren Dimensionen. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Volker Römermann haben rund 1600 Inhaber von Genussrechten etwa 18,9 Millionen Euro investiert. Römermann sagte am Montag in Hannover, er sei aber vorsichtig optimistisch, was die Zukunft des Unternehmens mit rund 100 Mitarbeitern angehe.

Grund für den Insolvenzantrag sind nach Angaben von Römermann Verzögerungen bei diversen Projekten, die eigentlich im vergangenen Jahr abgeschlossen werden sollten. So hätten Naturschützer in der Nähe einer geplanten Anlage das Nest eines Roten Milans entdeckt, dadurch habe es monatelange Verzögerungen gegeben. In einem anderen Fall sei eine Anlage unter einer Überflugstrecke der Bundeswehr geplant gewesen, die aber aus Gründen der militärischen Geheimhaltung in keiner Karte verzeichnet gewesen sei. Mit dem Fall Prokon sei Windwärts nicht zu vergleichen.

„Es gibt keine gescheiterten Projekte, sondern nur verzögerte“, erklärte der Insolvenzverwalter. Deswegen habe es Windwärts an Liquidität gefehlt, auch um Zinsen an Anleger auszuzahlen. „Wir werden die Projekte jetzt so schnell wie möglich vorantreiben, dann kriegen wir das Unternehmen auch wieder auf gesunde Füße.“ Die Mitarbeiter seien sehr motiviert, gutes Know-How vorhanden. Es gebe seiner Einschätzung nach keine strukturellen Schwierigkeiten beim Projektmanagement.

Die 1994 gegründete Firma Windwärts hatte für ihre Projekte unter anderem auch Geld durch Genussrechte eingeworben. Daneben sammelt Windwärts Kapital aber auch über geschlossene Fonds ein und realisiert Projekte mit großen institutionellen Anlegern. Die Fonds sind nach Windwärts-Angaben nicht von der Insolvenz betroffen, da sie rechtlich eigenständig sind. Insgesamt errichtete Windwärts bisher knapp 150 Windräder, 38 Photovoltaik- und eine Biogasanlage.

Aufgrund der Schwierigkeiten hatte Westwärts nach eigener Darstellung bereits Ende vergangenen Jahres ein Restrukturierungsprogramm eingeleitet und sich unter anderem aus dem Photovoltaikmarkt zurückgezogen. Trotzdem hätten im Dezember und Januar Zinsen auf und planmäßige Rückzahlungen von Genussrechtskapital in Höhe von insgesamt 3,3 Millionen Euro nicht geleistet werden können. Als ein im Rahmen von Bank-Gesprächen erstelltes Gutachten zu dem Schluss kam, dass diese Ansprüche bei der Prüfung der Zahlungsunfähigkeit mit zu berücksichtigen seien, reichte die Firma demnach am vergangenen Freitag sofort einen Insolvenzantrag ein.

Erst vor wenigen Wochen hatte die vorläufige Insolvenz des schleswig-holsteinischen Windparkfinanzierers Prokon für Aufmerksamkeit gesorgt. Das Unternehmen hatte durch den Verkauf von Genussrechten etwa 1,4 Milliarden Euro von rund 75.000 Anlegern eingenommen. Nachdem viele Geldgeber begonnen hatten, ihre Einlagen zurückzufordern, war Prokon in Turbulenzen gestürzt.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " 1600 Genussrechteinhaber betroffen : Windwärts meldet Insolvenz an"

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  • Die ganze Energiewende die uns damals Rot-Grün eingebrockt hat war desaströs. Man kann nicht bis zum Stehkragen subventionierter Technologie Zukunftsprojekte machen. Das Ende zeichnet sich jetzt ab. SPD und Grünen darf man nicht an die Regierung lassen, denn sie können weder mit Geld noch mit Fortschritt umgehen und bescheren uns allen den Niedergang der Republik.

  • Ja, wir der Iran hat wirklich guten Grund uns anzuerkennen. Weltweit ist kein anderes Land bekannt, das einen Pastor zum Präsidenten und eine Pastorentochter als Kanzlerin hat.

    Deutschland muss ein gläubiges Land sein. Wirklich "gut gläubig"! (War das jetzt richtig oder falsch geschrieben. Wäre "gutgläubig" richtig gewesen?)

  • Verstehe ich nicht. Die sogenannten erneuerbaren Energien sollten doch eine todsichere Investition sein. Die meinten dabei bestimmt "Die Investition ist mit Sicherheit bald tot". Und das wo doch die deutsche Energiewende das Vorbild für die ganze Welt werden sollte. Das ist ja jetzt echt blöd. Schon in Kürze läuft doch unsere Industrie zu 100000% nur noch über die sogenannten Erneuerbaren. Sollte sich am Ende doch durchsetzen, was mein Physiklehrer mir damals beigebracht hat? Lässt sich Energie am Ende doch garnicht erneuern? Ich glaub die neuen DDR-Medien sind schuld. Die haben die Staatspropaganda von der heilen Welt in der die Sonne und der Wind keine Rechnung schicken nicht oft genug runtergebetet. Das wird euch Merkel heimzahlen, ihr Schreiberlinge. Ihr sollt nur Positives zur Energiewende berichten! Getreu dem Motto: "Führerin befiehl uns! Wir folgen dir bedingungslos und ohne unser Gehirn zum Denken zu verwenden."

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