Abgeltungsteuer
Wie sich die Steuerlast senken lässt

In einigen Fällen lassen sich bei der Abgeltungsteuer Verluste mit Gewinnen verrechnen. Ein neuer Erlass des Finanzministeriums klärt diese und andere Sonderregelungen. Das rund 100-seitige Schreiben kann auch für die Anlagestrategie im neuen Jahr nützlich sein. Wie Geldanleger Steuern sparen können.
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DÜSSELDORF. Für die in Kürze anstehende Einkommensteuererklärung 2009 müssen die Anlagen KAP, SO und AUS für Kapitaleinkünfte nur noch selten ausgefüllt werden. Denn die inländischen Kreditinstitute haben die auf Kapitaleinkünfte fällige Abgeltungsteuer bereits abgeführt; die bisherige Deklarationspflicht entfällt. Doch manchmal lohnt sich weiterhin die Angabe der Erträge, in einigen Fällen ist sie sogar verpflichtend. Um zu ermitteln, ob eine Angabe nötig ist, kommt nun Hilfestellung aus dem Bundesfinanzministerium: Noch in diesem Monat will das Ministerium den offiziellen Anwendungserlass zur Abgeltungsteuer veröffentlichen - knapp ein Jahr nach deren Inkrafttreten. Das rund 100-seitige Schreiben kann nicht nur für die Vorbereitungsarbeiten auf die Steuererklärung hilfreich sein, sondern auch für die Anlagestrategie nach dem Jahreswechsel. Denn es gibt einige, bislang wenig bekannte Sonderregelungen.

Wurden 2009 Devisen etwa nach dem Urlaub wieder in Euro umgewechselt, stellt dies weiterhin ein Spekulationsgeschäft dar, das nur innerhalb der Einjahresfrist besteuert wird. Realisierte Gewinne aus dem Devisengeschäft unterliegen der individuellen Progression, mögliche Verluste können mit Gewinnen aus anderen Spekulationsgeschäften verrechnet werden. Bei Verlusten ist das Minderungspotenzial eher gering. Hier bieten sich nur Gewinne aus vor 2009 erworbenen Wertpapieren sowie Immobilien oder Goldbestände an, die innerhalb der Spekulationsfrist veräußert werden.

Abgeltungsteuer gilt auch für bestimmte Rohstoffinvestments

Laut Fiskus fallen künftig auch Inhaberschuldverschreibungen mit einem Lieferanspruch auf Gold oder andere Rohstoff unter die Abgeltungsteuer. Das gilt sogar für vor 2009 gekaufte Anleihen; sie genießen keinen Bestandsschutz. Das gilt etwa für die mit physischem Gold hinterlegte Anleihe XetraGold. Bisher waren Emittent und Anleger davon ausgegangen, dass Gewinne nach einem Jahr steuerfrei bleiben, da es sich nicht um Kapitaleinkünfte handele. Nur noch Anleger, die direkt in Goldbarren oder-münzen investieren, können Gewinne nach Ablauf der Spekulationsfrist steuerfrei realisieren.

Gegenüber Aktienanleihen bietet der Fiskus Discount-Zertifikaten einen Vorteil. Denn bei Verlusten kommt das Zertifikat besser davon: Erhält der Anleger bei Fälligkeit die unter den Schwellenwert gefallenen Aktien anstelle des Nennwerts, kann er mit den Verlust mit Zinserträgen, Dividenden oder Gewinnen aus anderen Börsengeschäften verrechnen. Bei der Aktienanleihe hingegen versteuert der Anleger sofort die hohen Zinsen - der Umtauschverlust zählt erst, wenn die erhaltene Aktie wieder verkauft wird. Dieser erlittene Verlust darf also nicht mit anderen Kapitaleinnahmen, sondern nur mit Gewinnen aus Aktiengeschäften verrechnet werden. Insoweit bietet es sich aus Steuersicht an, Aktienanleihen kurz vor Fälligkeit zu verkaufen, sollte die Lieferung der Aktien drohen.

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  • im vorletzten Absatz "Automatisch" dieses berichts wird ausgeführt, dass die bank die Abgeltungssteuer abführt und damit die "...auf Kapitalerträge entfallende Einkommensteuer pauschal abgegolten..." ist. Meines Wissens ist dem jedoch nicht so: Die abgeltende Wirkung wird nur dann erreicht, wenn der Anleger seine bank beauftragt, etwaig anfallende Kirchensteuer abzuführen. Erst dann hat die durch die bank abgeführte Steuer abgeltende Wirkung.

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