Abwerbegefahr
Wie Sie Spitzenkräfte an sich binden

Ausländische Firmen wollen die Besten in Deutschland abwerben, vor allem Ingenieuren und Technikern stehen auf dem Wunschzettel ganz weit oben. Ein geschickt verhandelter Arbeitsvertrag kann hier helfen.
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BERLIN. Die deutsche Wirtschaft sieht sich zunehmend aggressiven Abwerbungsversuchen der eigenen Topleute durch ausländische Firmen ausgesetzt. Wie groß das Interesse an deutschen Ingenieuren und Technikern ist, zeigte jüngst eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Hochqualifizierte aus Deutschland zählten weltweit zu den Gefragtesten, ergab eine Umfrage unter Managern von 1 200 forschungs- und entwicklungsintensiven Unternehmen.

Für die deutschen Unternehmen mehr als ein Warnruf – vor allem in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs und gleichzeitig einsetzenden Fachkräftemangels. Personalchefs und immer öfter auch die Rechtsabteilungen der betroffenen Firmen fragen sich deshalb, wie sie wichtige Mitarbeiter halten und stärker an sich binden können. Dies gilt insbesondere für Unternehmen, die in der Krise ihre Personaldecke ausgedünnt haben und so weitere Verluste an qualifizierten Mitarbeitern kaum verschmerzen können. Länder wie Indien haben bereits reagiert und lehnen Abwerbeinitiativen strikt ab. Der Export qualifizierter Arbeitskräfte sei nicht in Indiens Interesse, sagte Industrie- und Handelsminister Anand Sharma kürzlich dieser Zeitung. „Wir brauchen sie selbst.“

In Deutschland hat die Politik das Thema noch nicht wirklich erkannt. Die Unternehmen sind auf sich gestellt. Jochen Leßmann und Rüdiger Hopfe, Arbeitsrechtsspezialisten der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer in Frankfurt, haben deshalb exklusiv für das Handelsblatt eine Strategie erarbeitet, wie sie auf die Rekrutierungsversuche reagieren sollen.

Die Bandbreite der besonders anfälligen Branchen ist groß. Deutschland gilt als eines der führenden Länder in der Pharma- und Biotechnologie, Nanotechnik, Luft- und Raumfahrt sowie in der Informationstechnik und Elektronik.

Die Vorkehrungen in den Arbeitsverträgen treffen jedoch laut den Arbeitsrechtlern für alle Branchen zu. Viele Unternehmen vereinbaren Wettbewerbsverbote für die Zeit nach Verlassen der Firma. Eine Strategie mit Tücken. Die Klausel verhindert zwar einen unmittelbaren Wechsel zu einem Konkurrenten. Allerdings mit einem erheblichen Nachteil für die Firma. Die Klausel kostet richtig Geld. Die umworbene Fachkraft kann für die Zeit des Stillhaltens eine üppige Karenzentschädigung verlangen. Nicht zu vergessen der Verwaltungsaufwand. Bei langjähriger Betriebszugehörigkeit ändern sich oftmals die Aufgabenbereiche. Das erfordert wiederum eine Anpassung des Wettbewerbsverbots. Bei manchem neuen Tätigkeitsgebiet verbietet sich zudem eine derartige Klausel.

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